USA: Regierung setzt bei Ladestationen den Rotstift an

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Die US-Bundesbehörde General Services Administration (GSA) muss The Verge zufolge alle Ladestationen für Elektroautos auf ihren Grundstücken abschalten. Die Entscheidung basiere auf der Einstufung der Ladepunkte als nicht „mission critical“. Gleichzeitig erwägt die GSA, bereits gekaufte Elektroautos wieder abzugeben. In den USA betreibt die GSA hunderte Ladeparks mit insgesamt rund 8000 Ladepunkten. Diese werden nicht nur von Behördenfahrzeugen genutzt, sondern stehen auch Bundesangestellten mit privaten Elektroautos zur Verfügung. Ein internes Schreiben informiert Mitarbeiter:innen darüber, dass einige regionale Büros bereits begonnen haben, die Ladepunkte außer Betrieb zu nehmen.

Die Behörde plant, bestehende Verträge mit den Betreibern der Ladestationen zu beenden. Sobald diese auslaufen, werden die Ladepunkte abgeschaltet. Laut einem internen Memo soll der Prozess bereits in der kommenden Woche starten. Danach ist es weder für staatliche noch private Autos möglich, die Stationen weiterzunutzen. Besonders betroffen ist der GSA-Standort in Denver. Dort sollen Ladepunkte an vier Bundesgebäuden demnächst deaktiviert werden. Dabei hatte die GSA unter der Regierung von Präsident Joe Biden den Auftrag erhalten, den Fuhrpark der Bundesregierung auf Elektroautos umzustellen. Geplant war, einen erheblichen Teil der insgesamt rund 650.000 Regierungsfahrzeuge durch emissionsfreie Alternativen zu ersetzen.

Damit Elektroautos im Alltagsbetrieb genutzt werden können, braucht es jedoch eine zuverlässige Ladeinfrastruktur. Im Rahmen des Inflation Reduction Act stellte die US-Regierung knapp eine Milliarde Dollar bereit, um Bundesgebäude mit nachhaltigen Technologien auszustatten. Dazu gehörten auch Ladestationen für Elektroautos. Bis März 2024 hatte die GSA mehr als 58.000 Elektroautos bestellt und den Ausbau von über 25.000 neuen Ladepunkten angestoßen. Diese sollten die bereits vorhandenen 8000 Ladepunkte ergänzen. Eine öffentliche Karte mit Standorten der GSA-Ladestationen wurde jedoch im Februar von der neuen Regierung unter Donald Trump offline genommen.

Neben der Abschaltung der Ladepunkte plant die GSA, einen Teil der Elektroautos wieder abzugeben. Unklar bleibt, ob die Fahrzeuge verkauft oder eingelagert werden. Ebenso gibt es keine Informationen darüber, ob andere Bundesbehörden ähnliche Maßnahmen ergreifen müssen. Die Entscheidungen fußen auf der politischen Kehrtwende unter der Regierung Trump, die zahlreiche Klimaschutzmaßnahmen der Vorgängerregierung zurückgenommen hat. Ein früher geplanter Fünf-Milliarden-Dollar-Fonds zum Aufbau neuer Ladestationen wurde gestoppt. Zudem wurde die Vorgabe aufgehoben, dass die Regierung künftig nur noch Elektroautos anschaffen soll. Auch Steuervergünstigungen für Elektroautos stehen zur Disposition.

Ein offizielles Statement seitens der GSA liegt bislang nicht vor. Neben den Ladestationen plant die Behörde offenbar den Verkauf von rund 500 Gebäuden, um die Verwaltung zu verkleinern. Die langfristigen Auswirkungen dieser Entscheidungen auf die Elektrifizierung der Regierungsflotte bleiben unklar.

Quelle: the Verge – The GSA is shutting down its EV chargers, calling them ‘not mission critical’

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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egon_meier:

Wenn es so weiter geht sich wir bald bei Godwin’s law.

Einfach mal etwas gemäßiger über Politiker reden, die nicht der eigenen Meinung sind.

adson:

Ja , und ich würde befürchten, dass unser Mini-Trump, wenn er erst mal die Regierungsgeschäfte an sich gezogen hat, ggf. ähnlich reagieren wird.

egon_meier:

So wie Trump und Musk jetzt die Legislative ignoriert und die Judikative entmachtet – zusammen mit der massive Einschränkung der Pressefreiheit

wäre das – wenn es so weiter ginge – in Deutschland ein Fall für GG Art 20, Abs. 4

Ralf:

.. auch wenn es sprachlos macht wird sich das wahrscheinlich alles von selbst regeln

.. der Zielkonflikt Trump und Musk ist vorprogrammiert .. mit der ‚politischen Tätigkeit von Musk für Trump und der Aufkündigung sämtlicher Allianzen wird Musk mit seinen Firmen im Ausland keinen Blumentopf mehr gewinnen und in den USA zumindest was Tesla angeht ebenso..
.. das wird noch lustig ..

.. einer der nächsten Hurricans wird dann hoffentlich mal Trumps Mar el Lago Hütte in Florida zerlegen …

.. mit den vielen Feinden die sich Trump im eigenen Land durch Entlassungen schafft und dem Waffenarsenal der Amerikaner braucht er aber einen guten Personenschutz !

egon_meier:

Es gab über das Gebaren des MAGA-Fürsten mal folgende Worte: „Alles was Trump anfasst, stirbt“

Trump ist dafür bekannt, alles wegzuschmeißen, was ihm mal gedient hat.

Johannes:

Trump – Dümmer geht immer

Daniel W.:

Es sieht so aus, dass Trump Schritt für Schritt gegen E-Autos vorgeht. Oder glaubt irgendjemand, dass es Trump bei einigen Kleinigkeiten belässt?

Möglicherweise setzt Trump seinen „guten Freund“ Elon Musk vor die Türe, wenn er ihm nicht mehr nützlich ist und begräbt mit ihm das E-Auto in den USA.

So wie ich das sehe, ist das der Weg von Donald Trump, falls ihn die Gerichte, seine Anhänger, seine Partei oder sein Alter nicht stoppen können.

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