So ausgelastet sind die deutschen Autowerke

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Das Analysehaus Inovev hat für die Automobilwoche ausgewertet, wie gut die Werke der Automobilhersteller in Deutschland und Europa im Jahr 2024 ausgelastet waren. Demnach gibt es weiterhin große Überkapazitäten in Europa, manche Werke laufen sogar nur im einstelligen Prozentbereich. Vier Werke in Europa wurden seitdem gänzlich geschlossen, bei drei weiteren Werken steht die Schließung bevor – wie Ende des Monats bei VW-Tochter Audi in Brüssel.

Besonders schwach ausgelastet sind europaweit aktuell das Renault-Werk in Flins (Frankreich), wo nur ein Prozent der möglichen Produktionsmenge vom Band rollt, wie die Automobilwoche berichtet. Allerdings hat Renault den Standort in den vergangenen Jahren umgebaut und die Automobilproduktion Anfang 2024 weitestgehend eingestellt. Zuvor surrte hier die beliebte Zoe vom Band, heute ist Flins ein Zentrum für Recycling und Kreislaufwirtschaft. Beim indischen Hersteller Tata soll es im britischen Castle Bromwich mit zwei Prozent kaum besser aussehen. Aber: Auch hier ist der Bericht der Automobilwoche leider ungenau, die Automobilproduktion in Castle Bromwich endete Anfang 2024 komplett, nun werden dort Zuliefer-Teile für Jaguar gefertigt. Auf dem drittletzten Platz kommt ein deutsches Autowerk – nämlich die Fordwerke in Köln. Das allerdings wurde 2024 komplett umgebaut, deshalb hinkt die Auswertung auch hier. Nachdem dort nur noch die Elektromodelle Ford Explorer und Ford Capri produziert werden, sei die Auslastung auf fünf Prozent gesunken, so die Automobilwoche.

Bei den weiteren Werken sind die Zahlen schon deutlich belastbarer. Auf den hinteren Plätzen reiht mit dem Ford-Werk in Saarlouis mit 29 Prozent ein weiterer Standort des US-amerikanischen Autobauers ein, Ende das Jahres soll der Betrieb ganz eingestellt werden. Auf dem drittletzten Platz liegt das Volkswagen-Werk in Emden mit 33 Prozent Auslastung, davor reiht sich das Audi-Werk Neckarsulm mit 38 Prozent ein. Auch bei Tesla in Grünheide fällt sie mit 58 Prozent eher schwach aus.

Porsche schafft mehr als 100 Prozent

An der Spitze der Auslastungen befindet sich indes bundesweit das Porsche-Werk in Leipzig, wo drei Prozent mehr Autos vom Band rollten, als die Kapazität eigentlich vorsieht. BMW in Regensburg erreichte 98 Prozent, Audi in Ingolstadt sowie Mercedes-Benz in Düsseldorf 93 Prozent, Opel in Rüsselsheim 91 Prozent. Das VW-Stammwerk in Wolfsburg musste sich mit 71 Prozent begnügen.

Besonders hohe Auslastungen auf europäischer Sicht gab es ausgerechnet bei Ford in Rumänien mit 113 Prozent sowie Volkswagen in Polen mit 112 Prozent. Rund um eine Vollauslastung bewegten sich zudem die Werke von Lamborghini in Italien, Skoda in Tschechien, Renault in Frankreich (Sandouville) und Hyundai/Kia in der Türkei.

Inovevs stellvertretender Geschäftsführer Jamel Taganza sieht die Produktionswelt der Autobranche laut Automobilwoche in einer Phase der Neuorientierung. „Es gab seit 2010 mehrere Wellen der Verlagerung an günstigere Standorte. Nun geht der Trend wieder zu mehr lokaler Fertigung“, wird er zitiert. Der Hochlauf der Elektromobilität werde von den Herstellern vor allem in der jeweiligen Heimat forciert. „Wenn diese Optimierung geschafft ist, erwarten wir  aber wieder eine stärkere Delokalisierung“, führt der Experte aus.

Quelle: Automobilwoche – So ausgelastet sind die Autowerke in Deutschland und Europa

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Autojoe:

Ic würde die deutschen Hersteller noch nicht abschreiben, totgeglaubte leben bekanntlich länger!

Fordfahrer:

Ich glaube zwischenzeitlich kein Wort mehr über Kapazitäten und Auslastungen. Es scheint vielmehr als seien die Autobauer mit sich selbst beschäftigt und überfordert. Wenn Ford soviel freie Kapazität hat, warum warte ich dann hier 4 Monate auf den Explorer? Man hat den Eindruck als wolle man gar nicht produzieren.

Philipp:

Die Frage ist hier, was ist die Basis für 100%? Ist es ein Zweischichtbetrieb mit je 8h oder je 10h oder ein 24×5 oder gar 24×7 Betrieb als Basis vorgesehen?
Auch ist die Frage, handelt es sich um eine reine Montage oder auch Motorfertigung, Blechstanz- und Schweißanlagen mit anschließender Lackiererei?

Montageanlagen haben wenig Kapitalbindung, weil eigentlich nur Handarbeit – da ist man günstig im 2-Schichtbetrieb. Die Blechbearbeitungs- oder Motorvergußanlagen dagegen sind sehr kapitalintensiv.
Entsprechend wäre eine 24×7 Auslegung einer Montage sehr teuer (wegen Wochenend- und Nachtarbeitszuschlägen, von den Qualitätsproblemen ganz abgesehen), während das bei kapitalintensiven automatisierten Orten wieder weniger wichtig ist.
Es hängt halt davon ab…

Gastschreiber:

Wer immer die „Ergänzungen“ zu den Werten hier eingebracht hat, großes Lob, normalerweise wären die, teilweise sehr niedrigen Werte, Wasser auf die Mühlen der Gegner gewesen. So erklären sich die Werte in vielen Fällen.
Was noch interessant zu wissen wäre, ab wann ist ein Werk rentabel. Reichen womöglich 50% Auslastung aus um ein Werk verlustfrei zu betreiben?

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