Renault-Chef fordert ein „Airbus“ für Elektroautos

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Renault

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Wir müssen kreativ sein, um eine Lösung zu finden“, sagte Luca de Meo, CEO der Renault Group, zu Beginn des Genfer Autosalons angesichts der Herausforderung für europäische Autohersteller, günstige Elektroautos in Europa zu produzieren, um so den von vielen lange ersehnten und immer stärker geforderten Umgriff in den Massenmarkt zu schaffen. Was mit Blick auf die immer stärker werdende Konkurrenz aus China in Zukunft nicht leichter werden dürfte.

Eine Lösung für diese Zwickmühle hatte de Meo auch schon parat: Europäische Autohersteller sollten intensiver zusammenarbeiten, um sich Entwicklungs- und Produktionskosten zu teilen. Ihm schwebt eine Art „Airbus“ für Elektroautos vor. Das europäische Konsortium Airbus konkurriert mit Boeing als größtem Flugzeug-Hersteller der Welt. Die größten Aktionäre sind die französische, deutsche und die spanische Regierung. „Partner können die Investition teilen und die Kosten senken“, benannte de Meo einen Vorteil eines solchen Vorgehens im Automobilsektor.

Renault hat in Genf seinen neuen Renault 5 vorgestellt, ein modernes, kompaktes E-Auto mit Retro-Hauch, das ab gut 25.000 Euro zu haben sein wird. Ein Segment darunter plant Renault einen rein elektrischen Twingo für weniger als 20.000 Euro. In diesem Preisgefüge mittig ist der Spring von Renault-Tochter Dacia verortet, der bereits seit einigen Jahren erhältlich ist und im aktuellen Modelljahr ein Update erhält.

Renault befindet sich demnach auch in frühen Gesprächen mit dem Volkswagen-Konzern, um möglicherweise die Plattform des Elektro-Twingo herstellerübergreifend zu teilen, die eine kleinere Version der AmpR Small-Architektur sein wird, die dem Renault 5 unterbaut. Eine weitere Möglichkeit zur Kostenoptimierung können de Meo zufolge auch günstigere Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) sein.

Die Herausforderung und gleichzeitig Grundvoraussetzung sei, eine umfassende Wertschöpfungskette in Europa zu schaffen, die Batterien, Elektromotoren und Elektronik beinhaltet – ähnlich wie es China mit staatlicher Unterstützung vorgemacht hat. „Das Ziel ist es, alles in Europa zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu beziehen“, sagte de Meo, der neben seiner Tätigkeit als Renault-Chef auch Präsident der ACEA ist, der Lobbygruppe der europäischen Autohersteller in Brüssel.

Er regte auch flexiblere Regularien auf EU-Ebene an, etwa um Kleinstwagen im Stil japanischer Kei-Cars im Format des zweisitzigen Smart, besonders geeignet für städtische Gebiete, auch in Europa zu attraktiven Preisen einzuführen. Seine Vorschläge beinhalten zudem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf kleine Elektrofahrzeuge mit Batterien von weniger als 30 Kilowattstunden, anstatt Förderungen in Form eines Kaufpreisbonus auszuzahlen, wie es Frankreich derzeit macht. Auch kostenlose Parkplätze in Städten für solche Kleinstfahrzeuge, um damit deren Attraktivität zu steigern, regte er an.

Wichtig bei all dem sei, schnell zu sein: „Geschwindigkeit ist wichtig gegen die Chinesen“, so der Renault-Chef und ACEA-Präsident. „Wenn wir vier oder fünf Jahre brauchen, um zu reagieren, ist es zu spät“.

Unsere Meinung dazu: Von allen ehrenwerten Motiven de Meos mal abzusehen, scheinen die Aussagen des Renault-Chefs auch ein kleiner Hilferuf zu sein. Einst Vorreiter bei der E-Mobilität mit dem Zoe wird Renault – ebenso wie Allianz-Partner Nissan, einst Marktführer mit dem Leaf – schon seit mehreren Jahren von der Konkurrenz links und rechts und mit ordentlich Schwung überholt. Aus eigener Kraft scheinen die Franzosen – auch wenn sie mit den E-Mégane und dem E-Scénic vieles richtig gemacht haben – sich nicht in der Lage zu sehen, schnell und nachhaltig aufzuholen. Stark dürfte Renaults Zukunft auch davon abhängen, wie der Kompaktstromer Renault 5 bei den Kund:innen ankommt. Gute Voraussetzungen, um an den Erfolg des Zoe anzuknüpfen, hätte er jedenfalls.

Quelle: Automotive News Europe – Renault’s Luca de Meo calls for ‚Airbus‘ to build EVs in Europe

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Marc Gutt:

Ich lese daraus nur, dass Renault mit zu hohen Kosten zu kämpfen hat. Renault hat einfach viel zu lange mit neuen Modellen gewartet. Es lagen immerhin 7 bis 8 Jahre zwischen Einführung der Zoe und dem Twingo bzw Megane. Da waren zahlungskräftigere Kunden schon lange mit anderen Marken unterwegs. Auch war kein anderer Elektroauto-Hersteller damit erfolgreich, in dem er erst mit einem Kleinwagen angefangen hat. Renault hatte einfach die falsche Strategie und das rächt sich nun.

alchemist:

Die erste Aussage vereinfacht unzutreffend, denn die Lösungen sind natürlich nicht gleichwertig, da Physik und Logik wenig mit Engineering zu tun haben dessen Kern die Optimierung ist, also die Suche nach einem bestmöglichen Kompromiss innerhalb eines Eigenschaftsprofils. Das ist im Prinzip ja auch die Aussage im abschliessenden Satz dieses Kommentars: in bessere Technologie investieren, also Engineering betreiben.

rotzlöffel:

Man – also ich- hält es kaum für möglich: Da spricht endlich mal ein europäischer Auto-CEO aus, was jeder Depp sich an FÜNF Fingern abzählen kann: (hätte können sollen, von müssen ganz zu schweigen:) Europa vereint, l’europe unitée, europe united gegen den Rest der Welt. also gg. VRC China. So könnte ein Schuh draus werden. Aber speziellement in allemagne: stopselt nur so weiter: Daimler vs. BMW, porsche gegen GOGGO, alle miteinander gechen den Rest der Welt: es wird niXX mehr werden. Ausser: Kräftebündeln gemeinsam gegen den Rest der Welt: CHINA.

alchemist:

Also blieben letztlich nur noch das Design und ein über die Zeit verblassendes Markenimage für die Differenzierung. Treiber für Innovation ist nicht zuletzt Wettbewerb, schon gar nicht staatliche Beteiligung à la Airbus.

MMM:

Macht Sinn. Weil, letztlich geht es beim Finden vieler Lösungen einfach um Logik oder Physik. Man kommt also zwangsläufig zu ähnlichen Ergebnissen – nur halt jedr für sich, und jeder gibt dafür Geld aus.
Ob das eine Software ;-) ist, eine effizientere Wärmepumpe oder eine Zellchemie – ob die später in einem Opel, Renault oder VW eingesetzt wird, ist zumindest „unter der Oberfläche“ egal.
Das eingesparte Geld könnte man in niedrigere Fahrzeugpreise investieren, oder in bessere Technologie.

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