Porsche streicht Batteriepläne und senkt Prognose

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Sebastian Henßler
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Porsche richtet seine Batterieaktivitäten neu aus. Der Sportwagenhersteller verabschiedet sich von den ursprünglichen Plänen, Hochleistungsbatterien in Tübingen zu produzieren. Die Tochterfirma Cellforce Group wird diese Produktion nicht eigenständig weiterverfolgen. Diese Entscheidung und weitere Belastungen in der Batteriesparte führen dazu, dass die Sonderaufwendungen im laufenden Jahr auf 1,3 Milliarden Euro steigen. Ursprünglich hatte Porsche mit 0,8 Milliarden Euro gerechnet. Dies geht unter anderem aus einer Gewinnwarnung des Unternehmens sowie einem Bericht der Automobilwoche hervor.

Der Konzern passt gleichzeitig seine weltweite Angebotsstrategie an. Hintergrund sind schwierige geopolitische Rahmenbedingungen, die besonders das China-Geschäft betreffen. Die Nachfrage nach elektrischen Luxusautos sinkt dort weiterhin. Porsche plant deshalb, Angebot und Nachfrage gezielter auszubalancieren. Ein wertorientierter Absatz soll sicherstellen, dass Rabattschlachten vermieden werden. Die Zahl der Händlerstandorte wird in China verringert. In besten Zeiten verkaufte Porsche dort bis zu 96.000 Autos jährlich. 2024 waren es nur noch etwa 57.000 Einheiten. Im ersten Quartal 2025 hat sich der Abwärtstrend weiter beschleunigt.

Auch auf dem US-Markt sieht sich Porsche neuen Hürden gegenüber. Seit April gelten Strafzölle auf importierte Autos aus Europa. Für die Monate April und Mai sind diese Zusatzkosten bereits in der Prognose berücksichtigt. Weitere Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar. Porsche fertigt bislang keine Autos in den USA, sondern importiert alle Modelle aus Europa. Damit trifft der neue Zolltarif das Unternehmen besonders hart.

Im Zuge dieser Entwicklungen hat Porsche seine Prognose für das Geschäftsjahr 2025 deutlich gesenkt. Die erwarteten Umsätze liegen nun zwischen 37 und 38 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen mit 39 bis 40 Milliarden Euro gerechnet. Auch die operative Umsatzrendite fällt schwächer aus. Statt zehn bis zwölf Prozent peilt Porsche nun nur noch 6,5 bis 8,5 Prozent an. Zum Vergleich: Diese Marge entspricht im besten Fall dem Niveau, das Škoda 2024 erreicht hat.

Der Netto-Cashflow im Bereich Automobile wird ebenfalls belastet. Porsche rechnet hier nur noch mit einer Marge zwischen vier und sechs Prozent. Die bisherige Prognose lag bei sieben bis neun Prozent. Auch die EBITDA-Marge korrigierte Porsche nach unten: Statt 19 bis 21 Prozent erwartet das Unternehmen nun 16,5 bis 18,5 Prozent. Der Anteil von Elektroautos am Gesamtabsatz bleibt von den Anpassungen unberührt. Porsche rechnet weiterhin damit, dass 20 bis 22 Prozent aller verkauften Autos vollelektrisch sein werden.

Über Jahre hinweg galt Porsche als Renditegarant im Volkswagen-Konzern. 2023 lag die operative Rendite noch bei 14,1 Prozent, im Jahr davor sogar bei 18 Prozent. Jetzt zeigen sich die Folgen veränderter Marktbedingungen und eigener strategischer Entscheidungen. Die Zahlen für das erste Quartal 2025 sowie weitere Details will Porsche am heutigen 29. April veröffentlichen. Mit den aktuellen Maßnahmen will Porsche seine Position langfristig stabilisieren. Ob dies gelingt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Quelle: Porsche – Pressemitteilung vom 28.04.2025 / Automobilwoche – Gewinnwarnung: Porsche senkt seine Prognose drastisch

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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