Mit der Sonne um die Wette strahlen: Fahrbericht des Fiat Topolino

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Wolfgang Gomoll
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Alle guten Dinge sind drei. Der Fiat Topolino komplettiert das Stellantis-Trio der Elektro-Würfel. Technisch baugleich mit dem Opel Rocks Electric und dem Citroën Ami versprüht der Italiener viel Charme, kostet aber auch am meisten.

Da steht er also. Der mintgrüne Würfel. Im Grunde lediglich ein anders lackierter Citroën Ami beziehungsweise Opel Rocks Electric. Das bedeutet eine Batterie mit einer Netto-Kapazität von 5,4 Kilowattstunden (brutto 7 kWh), eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h, keine Klimaanlage und keinen Komfort. Schluss. Aus. Ende. Wir könnten hier auch aufhören. Das Schlüsselwort aber lautet „könnten“. Schließlich handelt es sich hier um keinen üblichen Stellantis Elektro-Kubus, sondern um einen Fiat Topolino. Mit Namen und Tradition haben sie es ja, die Italiener. Der Fiat 500 „Topolino“ (deutsch: „Mäuschen“), der zwischen 1936 und 1955 gebaut wurde, war ein kleiner Stadtflitzer. Nichts anderes soll die Stromer Neuauflage sein. Mit dem Topspeed von 45 km/h ist auch kaum was anderes möglich.

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Schon auf den ersten Blick versprüht der kleine Italiener gute Laune. Das fängt beim Antlitz mit den Knopfaugen-Scheinwerfern an. Da kommt Cinquecento-Feeling auf. Statt in einem Grauton rollt der Topolino mit einem frischen Sommerton um die Ecke. Da stört es auch nicht, dass es den Elektrozwerg nur mit diesem Lack gibt. Bei den Vespa-Rollern heißt diese pastell-mintgrüne Farbe „Amabile“, bei der deutschen Dependance einfach nur „mintgrün“. Da müssen die teutonischen Marketingspezialisten noch das eine oder andere Glas Grappa trinken, um die passende Wortakrobatik hinzubekommen. Und wenn es nur „verde menta speciale“ ist.

Der Vergleich mit den legendären italienischen Rollern kommt nicht von ungefähr. Denn die Italo-Designer spielen die Vespa-Karte ganz bewusst. Sei es mit dem Chrom-Gepäckträger am Heck, auf Wunsch mit passender Tasche, oder den Lederriemen für die Ablage über dem Armaturenbrett. Bei den Accessoires geht es mit der verspielten Leichtigkeit weiter. Sei es beim Ventilator, dem Bluetooth-Lautsprecher oder den Sitzbezügen, die man auch als Strandtücher verwenden kann. Die Frage, ob da der Sand nicht stören kann, entlarvt uns als typischen Tedesco und wir streichen sie. Tun Sie also bitte so, als ob Sie den letzten Satz nicht gelesen hätten. Schließlich hat der putzige Italiener auf Wunsch auch eine Dusche an Bord, um den Sand loszuwerden. Wir geben uns dem mediterranen Lebensgefühl hin und genießen das Dolce Vita. So (genau genommen Dolcevita) heißt auch die Version des Topolino mit Kordeln statt Türen und einem aufrollbaren Stoffdach.

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Die Sonne strahlt mit dem Italo-Gefährt um die Wette und auch wir bekommen das Lächeln nicht aus dem Gesicht. Schon seltsam. Die harten Sitze sind die gleichen wie bei den Opel- und Citroën Brüdern, doch fühlt sich beim Topolino alles irgendwie lässiger an. Das merkt man auch bei der Fahrt durch und rings um Rüsselsheim. Die Leute lächeln, und selbst die ungeduldigen Hessen, die gerne mit der Hupe ihres Autos Brüderschaft trinken, bleiben entspannt und genießen die Heckansicht des kleinen Vehikels. Der geht aber auch bei allem Charme nicht schneller als 45 km/h, da beißt das Mäuschen keinen Faden ab.

Dass mehr drin wäre, merkt man bei ebenen Strecken oder solchen, die bergab führen. Dann beschleunigt das 6 kW / 8,2 PS-starke Elektromotörchen, bis die Elektronik eingreift, segelt kurz und dann beginnt das Spiel von vorn. Das macht das Vorankommen ein wenig unentspannter, als es sein müsste. Man muss es positiv sehen, angesichts dieser Höchstgeschwindigkeit braucht man bei den innerstädtischen Radarkontrollen, die das Tempo 50 überwachen, keine Sorgen um das Punktkonto in Flensburg haben. Hat auch was. Die Stadt ist ohnehin das natürliche Habitat des Topolino. Mit einem Wendekreis von 7,20 Metern, einer Breite von 1,40 Metern und einer Länge von 2,53 Metern wieselt der Italo-Würfel um fast jede Ecke und findet auch in noch so zugeparkten Innenstädten eine Bucht.

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Solange man nicht auf eine Weltreise geht, kommt man auch mit dem Inhalt des Stromspeichers aus, der in weniger als vier Stunden an einer herkömmlichen 230-Volt-Steckdose wieder gefüllt sind. Nach 75 Kilometern muss man den Klein-Stromer wieder einstöpseln. Bei unserem Trip durch das Rüsselsheimer Umland meldete der Bordcomputer exakt diese Reichweite. Der Verbrauch liegt laut Datenblatt bei 8,0 kWh/100 km. Wie seine beiden Brüder läuft der Topolino in der Kategorie der elektrischen vierrädrigen Leichtkraftfahrzeuge (L6e) und kann bereits von 15-Jährigen bewegt werden, die über einen Führerschein der Klasse AM verfügen.

Wer einen Topolino bestellen will, kann das nur online tun und bekommt bis zu einer Entfernung von 50 Kilometern zum nächsten Fiat-Händler das Auto umsonst vor die Türe gestellt. Kommen wir zum Preis. Mit mindestens 9890 Euro ist der Standard-Topolino um 1900 Euro teurer als sein Bruder Opel Rocks Electric. Italienische Lebensart diesseits der Alpen war schon immer etwas teurer. Für die Differenz könnte man sich sogar noch einen gebrauchten 50-ccm-Roller in die Garage stellen. Mit etwas Geduld bei der Suche sogar eine mintgrüne Vespa.

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Wolfgang Gomoll

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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