VW will Zellproduktion in Salzgitter halbieren

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Die Batterietochter von Volkswagen PowerCo will angesichts des Sparkurses des Konzerns in Salzgitter vorerst nur eine von zwei geplanten Linien für die Produktion von Batteriezellen für E-Autos aufbauen, wie die Salzgitter Zeitung berichtet. Demnach zeigte Volkswagens Technikvorstand Thomas Schmall von Westerholt bei einer Mitarbeiterversammlung in Salzgitter am 5. September eine Folie, die Pläne für nur eine Produktionslinie in der Anlage mit einer Gesamtkapazität von 20 Gigawattstunden zeigte.

Eigentlich sollten in Salzgitter den ursprünglichen Plänen zufolge zwei Linien mit einer Gesamtkapazität von 40 Gigawattstunden aufgebaut werden. „Dies stellt eine deutliche Kampfansage an die Belegschaft des Werkes dar und bricht mit Vereinbarungen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Björn Harmening einer Mitteilung zufolge, da die Arbeiter befürchteten, dass die zweite Linie im Rahmen einer breiteren Kostensenkung beim Unternehmen komplett gestrichen werden könnte.

PowerCo selbst teilte demnach mit, dass wie geplant 2025 die Produktion von Batteriezellen für Volkswagens E-Autos starten soll. Die Erweiterung der Produktionskapazitäten soll „flexibel und bedarfsabhängig vorangetrieben“ werden. Unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelte es zudem, „PowerCo in Summe wettbewerbsfähig aufzustellen und dabei auf eine optimale Werksbelegung zu achten. Entscheidungen sind noch nicht gefallen.“

„Volkswagen hat die E-Mobilität verschlafen“

Für Stefan Klein, SPD-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Salzgitter, komme „die angedeutete Einschränkung bei der Umstellung auf E-Mobilität, zum Beispiel in Salzgitter, in dieser Dimension überraschend“, wie die Salzgitter Zeitung weiter berichtet. Er halte Kürzungen bei der E-Mobilität für falsch, da er, wie viele andere in der Automobilbranche, in den kommenden Jahren mit einer erhöhten Nachfrage nach E-Autos ausgehe und Volkswagen für den Hochlauf dringend eine eigene Batteriezellfertigung benötige.

Hierzu bedarf es aber auch finanzierbarer Fahrzeuge, die bei Reichweite, Lademöglichkeiten und attraktiver Ausstattung vor den chinesischen Fahrzeugen liegen müssen“, so Klein weiter. Dafür müsse „das Management die richtigen Weichen stellen und nicht die Beschäftigten unternehmerische Entscheidungen ausbaden lassen“.

Ähnlich äußerte sich der Zeitung zufolge Dunja Kreiser, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Wolfenbüttel-Salzgitter-Nordharz: „Für mich ist zuerst entscheidend, dass PowerCo in Salzgitter vollständig ausgebaut wird“, da es die Blaupause darstelle für die weiteren VW-Werke der Batteriezellfertigung.

Victor Perli, Bundestagesabgeordneter für die Linkspartei für den Wahlkreis Salzgitter/Wolfenbüttel/Vorharz, wirft dem VW-Management vor, die Transformation zur Elektromobilität und die Einführung günstiger E-Autos für die breite Masse verschlafen zu haben. Mit Blick auf den Standort Salzgitter seien „die vorgesehenen Einschnitte bei der Batteriezellfabrik komplett inakzeptabel“.

Quelle: Salzgitter Zeitung – VW-Beben: Einschnitte in Batteriezellfabrik in Salzgitter / Salzgitter Zeitung – „Absolut inakzeptabel“: Politiker über VW-Beben in Salzgitter

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Gerd:

Ich frage mich bei sowas immer zuerst: Ist das nicht reine Taktik, um an öffentliche Förderungen zu kommen?
Aus eigener Kraft werden Rekordgewinne immer schwieriger – da müssen halt politische Tricks, auch auf dem Rücken der Arbeitnehmer, helfen.
VW-Vorständen kann doch niemand mehr vertrauen. Winterkorn und Müller wirken nach.
Die neue e-Dienstwagen-Versteuerung ist schon schlimm genug. Bitte nicht noch mehr Steuergelder in diesen Konzern pumpen.

Marco:

Absolute Zustimmung. Blechbieger sind da heutzutage fehl am Platze.
Ich bin selber einer.

Daniel W.:

Es ist mir ein Rätsel wie man nach der politisch veranlassten Kürzung und einer gänzlichen Streichung der Förderung für die Batterieforschung überhaupt noch mit einer Batterieproduktion in Deutschland gegen die chinesischen Batterie-Großkonzerne bestehen will.

Und VW dürfte wohl kaum das Geld haben, um Milliarden von Euros an Verlusten aus der eigenen Batterieproduktion gegenüber der Konkurrenz aus Fernost auszugleichen, die zudem noch gestützt durch die dortige Politik seit langem an den Quellen für günstige Rohstoffe sitzt.

Ich denke VW wird die Batterieproduktion in Deutschland letztendlich ganz streichen – es fehlt das Geld und der politische Wille.

Peter Bigge von Berlin:

Da würde ich auch keine Zellen produzieren, die haben nicht mal PV-Zellen auf dem Dach …

Robert:

wie will man die Preise über skaleneffekte nach unten bringen wenn die Produktion halbiert wird? günstige Preise sind doch nur über Massenfertigung mit hohen Stückzahlen erreichbar oder hat sich das geändert? Gerade mit den strengeren CO2 Flottengrenzwerte für die Hersteller muss dann doch endlich ranklotzen und die Ärmel hochkrempeln und nicht weiter auf der Bremse stehen

Gustav:

Der VW Speck angesetzt hat wissen alle.
Jetzt werden mal dort im „Staat-VW“ mal alle wach, dass nicht Audi/Skoda/Porsche/China immer Kohlen aus dem Feuer holen können, die müssen selber kämpfen.

Das jetzt erstmal nur eine Linie in Deutschland kommt, hat auch mit den hohen Energiekosten zu tun.
Die Energiewende kostet mehr als eine Kugel Eis.
Und solange nicht unterschieden wird mit welchem Energieträger die Batterien hergestellt werden, ist jede Batterie CO₂ = 0.

Das Zweite Gebäude steht schon und könnte bei bestimmten Rahmenbedingungen am Start gehen.
Da ist nun Herr Habeck am Zug, ob Powerco in Deutschland oder in Spanien die nächsten Linien in Betrieb nimmt.

Macht Herr Blume ein Jahr vor der nächsten Wahl richtig, ihr macht Vorgaben für CO₂ Verbräuche und wir geben vor, sodass die Party halt von den Mitarbeitenden zum Teil ausgellöffelt wird…

Sledge:

VW scheint alles, aber auch wirklich alles falsch zu machen. In einer Welt, die sich immer mehr der Elektromobilität zuwendet, verwechselt man das Pedal und bremst statt Gas zu geben.

Im „Business Insider“ gibt es einen sehr interessanten Artikel zu der VW Tochter cariad. Ganz kurz zusammengefasst identifizieren die Mitarbeiter dort ihren eigenen Vorstand als größtes Problem, der nicht in der Lage sei die Probleme zu erfassen

Nichts gegen Maschinenbauingenieure, aber im Jahr 2024 wäre es so langsam an der Zeit einen ITler in den Vorstand des Konzerns zu berufen.

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