VW-Tochter Cariad: Umstrukturierung schreitet voran

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Seitdem Oliver Blume die Leitung von Volkswagen übernommen hat, wurden diverse Entscheidungen und Richtlinien seines Vorgängers Herbert Diess neu bewertet. Ein kritischer Bereich, der besondere Beachtung verdient, ist die Fahrzeugsoftware, die von der VW-Tochter Cariad entwickelt wird. Blume hat kürzlich einen Vorstandsumbruch vorgenommen und Peter Bosch ins Rampenlicht gerückt.

Ex-Tesla-/ Rivian-Mitarbeiter wird technische Leitung Cariad übernehmen

Peter Bosch hatte bei einer Betriebsversammlung die Ehre, einen neuen Schlüsselspieler im Team vorzustellen: Sanjay Lal wird ab November die technische Leitung der Software-Tochter Cariad übernehmen. Mit Hintergründen in führenden Technologieunternehmen wie Tesla, Cisco, Google Android Automotive und dem E-Start-up Rivian bringt Lal eine beeindruckende Expertise mit. Besonders seine jüngste Rolle bei Rivian, wo er maßgeblich an der Entwicklung einer neuen Software-Plattform für Fahrzeuge beteiligt war, dürfte Volkswagen aufhorchen lassen.

Schneller als gedacht hat der Volkswagen-Konzern seine Software-Tochter Cariad im Mai neu ausgerichtet. Bosch, der zuvor eine wichtige Position bei Bentley innehatte, wurde zum neuen CEO von Cariad ernannt. Seine Fähigkeiten, insbesondere in Veränderungsprozessen, sind bei Volkswagen hoch angesehen. Die Neuaufstellung von Cariad basiert auf fünf Punkten:

  • Restrukturierung der Organisation von Cariad
  • Umsetzungsbeschleunigung der E³ Plattformen
  • Strukturelle Ausrichtung auf die Entwicklung software-definierter Fahrzeuge
  • Verstärkte Technologiepartnerschaften mit starken Tech-Playern
  • Ein neues Führungs- und Teammodell

Zuvor gab es bereits länger anhaltende Gerüchte über interne Schwierigkeiten innerhalb von Cariad. Die Beziehungen zwischen der Software-Einheit und anderen Marken schienen angespannt. Blume hatte zuvor angekündigt, die Situation bei Cariad gründlich untersuchen zu wollen.

Umgestaltung Cariad nur ein Teil der Herausforderungen bei VW

Die Umgestaltungen in Cariad sind jedoch nur ein Teil eines größeren Bildes. Das Unternehmen steht vor der Herausforderung, eine vollständige Neuausrichtung vorzunehmen. Dies betrifft nicht nur die interne Struktur, sondern auch das Grundverständnis von Fahrzeugsoftware und ihre Beziehung zu anderen Marken wie VW, Audi, Porsche, Seat und Skoda. Zukünftige Elektrofahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen hängen stark von dieser Software ab.

Das Fahrzeugbetriebssystem, zu dem auch Aspekte wie Infotainment und Vernetzung gehören, hat sich als entscheidender Faktor für den Kauf eines Autos herausgestellt. Während Herbert Diess einmal stolz Cariad im VW-Konzern positionierte, soll es nun laut Blume zu Anpassungen kommen. Blume legt Wert auf Zusammenarbeit und möchte mit externen Partnern wie Bosch, Mobileye, Qualcomm und Horizon Robotics arbeiten, um die Entwicklungsrate zu beschleunigen. Das bedeutet jedoch nicht das Ende von Cariad. Tatsächlich wird das Unternehmen in verschiedenen globalen Märkten, insbesondere in China, weiter ausgebaut.

Die Bedeutung von Cariad für Volkswagen wird durch die Verschiebung des Produktionsbeginns von Audi Q6 e-tron und Porsche e-Macan verdeutlicht. Die Elektroautos werden voraussichtlich erst 2024 ausgeliefert, da die Software noch in Arbeit ist. Ein weiterer kritischer Punkt ist das völlig neue Betriebssystem 2.0. Dieses soll autonome Fahrfunktionen auf Level 4 ermöglichen, aber die Entwicklung hat sich verzögert. Ursprünglich für 2026 geplant, wird dieses Projekt jetzt voraussichtlich erst 2028 abgeschlossen sein.

Quelle: Auto Motor Sport – Blume verpflichtet Software-Guru für Cariad

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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M.E.:

Yep, eine einheitliche, offene(!) Software Plattform muss her.
Ev. wäre Automotive Grade Linux ein guter Ansatz…

Norbert Seebach:

Meine Rede: VW-Verarbeitungsstandard und IT-Features wie TESLA – das wäre eine Kombi, die VW ganz nach vorne bringen könnte.

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