Hildegard Wortmann verlässt Audi, Marco Schubert folgt

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Audi steht derzeit vor einer Phase des Umbruchs. Mehrere Führungswechsel haben für Aufsehen im Unternehmen gesorgt, wobei der Abgang von Marcus Keith, dem bisherigen Chefentwickler für Elektronik und Innenraumdesign, besonders hervortrat. Keith, eine bekannte Persönlichkeit bei Audi, arbeitete eng mit der Softwareeinheit Cariad der Konzernmutter Volkswagen zusammen. Als sein Weggang Ende August bekannt wurde, herrschte in Ingolstadt Unruhe. Und es scheint keine Ruhe einzukehren. Nun verlässt Hildegard Wortmann, die seit 2019 als Vertriebsvorständin und als öffentliches Gesicht von Audi agierte, das Unternehmen.

Wortmann habe sich mit Audi auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung geeinigt, wie die Heilbronner Stimme zuerst berichtete und Audi am folgenden Tag per Pressemitteilung bestätigte. Die Gründe für Wortmanns Abgang scheinen vielfältig zu sein. Seit Oliver Blume im September 2022 den Vorstandsvorsitz von Volkswagen übernommen und Wortmann aus dem Konzernvorstand entfernt hatte, wurde über ihren möglichen Weggang spekuliert.

Zudem wird berichtet, dass ihre Ergebnisse und eine umstrittene Umstellung auf Direktvertrieb nicht die erhofften Erfolge brachten. Insbesondere die Verkaufszahlen bereiteten Sorgen: Im ersten Halbjahr 2024 verkaufte Audi weltweit nur 833.000 Autos – ein Rückgang von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders kritisch ist die stagnierende Nachfrage nach Elektroautos: Lediglich 77.000 E-Autos wurden verkauft, während Konkurrent BMW mehr als doppelt so viele absetzte. Die Verkaufszahlen des neuen Q6 e-tron, der eine neue Generation von Elektroautos einleiten sollte, enttäuschten ebenfalls.

Ehemaliger Mitarbeiter von Wortmann, Marco Schubert, soll es künftig für Audi richten

Die schwächelnde Marktleistung wird auch auf Wortmanns Führungsstil zurückgeführt, wie das Manager-Magazin berichtet. Ihre Führungsweise wurde demnach als streng und fordernd beschrieben. Sie selbst sah dies als notwendig an, um das Unternehmen voranzubringen. Ihr wurde jedoch auch ein harter Umgangsstil nachgesagt, der im Team nicht immer auf Zustimmung stieß.

Vornehmlich bei großen Händlern häuften sich zuletzt Beschwerden, dass Kunden zunehmend zu BMW abwandern würden. Dirk Weddigen von Knapp, Präsident des Audi-Händlerverbands, sprach in einem Podcast von „massiven Fehlern“ im Vertrieb. Nun soll Wortmanns Nachfolger, Marco Schubert, der Anfang September seinen Posten antritt, die Situation verbessern. Schubert kennt Audi gut, verließ das Unternehmen jedoch 2021 im Streit – ebenfalls unter Wortmanns Führung. Danach fand er als Europa-Chef bei Porsche eine neue Aufgabe. Die Rückkehr von Schubert wird als Versuch gesehen, wieder Stabilität in die Marke zu bringen.

Schubert übernimmt den Posten in einer schwierigen Phase für Audi. Die operative Umsatzrendite des Unternehmens lag im ersten Halbjahr 2024 bei lediglich 4,3 Prozent, während Audi-Chef Döllner eine zweistellige Marge anstrebt. Zusätzlich muss Schubert den Absatz neuer Modelle ankurbeln und die Fehler der Vergangenheit im Vertrieb ausbügeln. Im Unternehmen herrscht das Bedürfnis nach mehr Ruhe und Stabilität. Die Rückkehr von erfahrenen Managern wie Marco Schubert könnte ein Schritt in diese Richtung sein. Doch Schubert muss sich beweisen und die Herausforderungen angehen, die seine Vorgängerin hinterlassen hat. Immerhin stehen ihm neue Modelle zur Verfügung, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wecken könnten.

Quelle: Automobilwoche – Hildegard Wortmann verlässt Audi / Manager-Magazin – Beben bei Audi – Vertriebschefin Hildegard Wortmann geht

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Theo Leclerc:

Ich habe immer noch die legendären Fotos von ihr auf dem Fahrersitz in Audi Concept Cars vor einigen Jahren in Erinnerung: „Vorsprung durch Beine“:)

Theo Leclerc:

Die Dame galt als „nicht einfach“, das war auch schon vorher zu ihren BMW-Zeiten so. Aber klar, solche Ebenen in Konzernvorständen und drumherum bekommt man auch nicht „einfach“. Es war davon zu hören, dass hier und da ‚Blut gespritzt‘ sei.

Luni:

Der Frau trauert keiner im Unternehmen hinterher. Wer so auftritt schadet einem Unternehmen nur. Ob die Produkte unattraktiv sind ist Ansichtssache, preislich sicherlich. Es wird oft über die Ingenieure und Entwickler hergezogen, letztens entscheidet der Vertrieb darüber ob es so gebaut wird. Sind also auch für den schlechten Verkauf verantwortlich.

MMM:

„Die Verkaufszahlen des neuen Q6 e-tron, der eine neue Generation von Elektroautos einleiten sollte, enttäuschten ebenfalls.“

Kann nicht überraschen, wenn die TV-Werbung sich alleine um das Glasdach beim Audi A5 – einem Verbrenner – dreht.
Q6? Fehlanzeige.
A6? Fehlanzeige.
Weiß überhaupt jemand, dass Audi Elektroautos baut?

Gastschreiber:

Liegt doch einzig an den Konditionen, die gegeben werden. Listenpreise sind Schall und Rauch. Aktuell ist eben BMW, gerade im Businessbereich, mit den Modell i4 und i5 das „Kassenmodell“. Marktanteil lässt sich in einem bestimmten Umfang durch Preise steuern.
Technisch finde ich den Q6 e-tron nahezu alternativlos im Businesssegment, der A6 e-tron dürfte noch passender sein. 800V Systeme und hohe Reichweiten, das wird gewünscht und hat aktuell kaum ein Anbieter im Programm. Mit einer etablierten Servicestruktur wird die Luft noch dünner.

Dr. Kralle:

… noch dazu vollkommen überteuert wie der Q6 und der Q8 Etron. Letzteres hatte ich als Dienstwagen angefragt und bei den Raten dankend abgelehnt. Im Nachhinein bin ich sogar froh, da er nicht state-of-the-art ist („Fortschritt durch Technik“). Schade eigentlich. Ich bin jedenfalls gespannt auf den neuen A6 Etron. Vielleicht schafft es Audi damit, seine E-Autos an den potentiellen Kuinden zu bringen.

Yoyo:

Statt „Fortschritt durch Technik“ heißt es jetzt „Rückschritt duch altgediente Köpfe“?
Bin mal gespannt.

Christian:

Unattraktive Produkte zu verkaufen, ist halt nicht einfach.

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