E-Autos im Rallyesport? Kein Problem!

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Stellantis

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 4 min

Die Stellantis-Gruppe will E-Autos auch im Rallyesport etablieren und hat dafür bereits einige Erfahrungen mit dem Opel Corsa-e gemacht. Die wohl wichtigste Erkenntnis des ADAC Opel Electric Rally Cup „powered by GSe“ laute nach einer aktuellen Pressemitteilung: Elektrischer Rallyesport funktioniere unproblematisch – Opel beweise dies bereits seit dem Jahr 2021 mit den Elektroautos und der Ladeinfrastruktur genauso wie mit dem Ablauf der gesamten Rallye. „Ein sportlicher Wettbewerb, der Spaß macht und auf die Zukunft ausgerichtet ist„, schreibt Stellantis. Die am Cup beteiligten 100 kW (136 PS) starken, technisch identischen Opel Corsa Rally Electric seien robust, schnell und zuverlässig, die Cup-Wertungsläufe hart umkämpft.

Die positive Wahrnehmung für den weltweit ersten elektrischen Rallye-Markenpokal steige stetig, nicht zuletzt auch im Ausland. Davon zeugen auch Teilnehmer aus sieben verschiedenen Nationen (Deutschland, Österreich, Frankreich, Niederlande, Spanien, Schweden und Rumänien), die in der aktuellen Saison um Punkte, Preisgeld und Trophäen kämpfen. Die diesjährigen Wertungsprüfungen finden demnach in fünf Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Tschechien) statt. Bewerber für weitere Auslands-Gastspiele in der Saison 2024 sollen im wahrsten Sinne des Wortes Schlange stehen.

Fast so schnell wie höhere Klasse

Die flotten Opel-Stromer glänzten auf den diversen Schotter- und Asphalt-Pisten mit eindrucksvoller Performance. Dank 260 Newtonmeter Drehmoment, ausgewogenem Fahrwerk und einer sehr ausgewogenen Balance sollen die Wertungsprüfungs-Zeiten der seriennahen Markenpokal-Fahrzeuge teilweise auf dem Niveau der rund 30 kW (40 PS) stärkeren Rally5-Autos liegen. Bei der Rallye Vosges Grand-Est im Juni verloren die Elektro-Renner auf die nochmals stärkeren und mehr als 154 kW (210 PS) leistenden, konventionell angetriebenen Rally4-Boliden laut Stellantis im Schnitt nur zwei Sekunden pro Kilometer.

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Auch die Dauerhaltbarkeit der Opel Corsa Rally Electric sei bemerkenswert. Bis dato habe der ADAC Opel Electric Rally Cup 20 Veranstaltungen absolviert. Einschließlich der diversen Einsätze als Vorausfahrzeuge sowie der Testevents für die Teams lagen bisher rund 2000 intensivste Wertungsprüfungs-Kilometer sowie mehr als 5000 Kilometer auf den Verbindungsetappen an. „Der Dauerläufer im Feld, ein Test- und Einsatzfahrzeug von Opel Motorsport, hat in dieser Zeit 13.000 Kilometer im Renntempo abgespult. Dabei zeigen sich bisher auch jene Komponenten, die unverändert aus dem Serienfahrzeug stammen, wie etwa Batterie, Inverter und Elektromotor, als höchst verlässlich“, schreibt Stellantis.

Akkus halten lange durch

Vor allem die Hochvolt-Batterie trotze problemlos den Strapazen der harten Rallye-Einsätze. Eine Analyse der 50 Kilowattstunden fassenden Batterie-Einheit des angesprochenen Testträgers ergab demnach eine noch immer anliegende Speicherkapazität von 96 Prozent. Die Sorge mancher Außenstehender, nach zwei Jahren oder noch früher stünde ein Austausch der Batterie an, habe sich als unbegründet erwiesen. „Wir gehen von einer Haltbarkeit der Akkus von 20.000 WP-Kilometern aus, nach heutigen Erkenntnissen eher noch mehr. Das entspricht mindestens 15 durchschnittlichen Rallye-Jahren oder der achtfachen Strecke an gefahrenen Straßenkilometern im normalen Alltagsbetrieb. Da ist die Batterie definitiv kein limitierender Faktor für die Lebensdauer der Fahrzeuge“, betont Opel Motorsport-Chef Jörg Schrott.

Seit seinem Rallye-Debüt sei der Corsa Rally Electric kontinuierlich weiterentwickelt worden. Das hohe und sofort anliegende Drehmoment des Serienmotors und die extrem harten Belastungen durch Sprünge, Wellen und Cuts im Rallye-Einsatz machten Anpassungen im Bereich der Kraftübertragung erforderlich. Anstelle des ursprünglich eingesetzten Torsen-Differenzials komme nun eine Lamellensperre zum Einsatz. Auch die Antriebswellen seien verstärkt, die Getriebe modifiziert worden.

Darüber hinaus seien zahlreiche Optimierungen der Software der Fahrzeuge erfolgt, insbesondere in Bezug auf das Batteriemanagement. „Indem wir die Batterien nun permanent im optimalen Temperaturfenster halten, konnten wir nicht nur die Reichweite unserer Autos verlängern, sondern auch die Ladeperformance verbessern“, erklärt Schrott. Der Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent „State of Charge“ gehe nun in rund 25 Minuten vonstatten.

„Emotionen ohne Emissionen“

Konzeption und Umsetzung der Ladeinfrastruktur stellten generell eine der größten Aufgaben der gemeinsamen Pionierleistung von ADAC und Opel dar. „Die stetige Weiterentwicklung sämtlicher Komponenten dieses Projekts war ein komplexer und vielschichtiger Prozess, insbesondere beim Thema Laden“, sagt Opels-Motorsport-Chef Schrott: „Wir haben mit jeder Veranstaltung, mit jedem Kilometer dazugelernt. Das Ergebnis ist, dass wir heute auf den Serviceplatz kommen, die Infrastruktur steht, die Teams stecken die Ladekabel in die Charging Cubes, und der Strom fließt mit 100 kW. Alles funktioniert problemlos – und das europaweit und unter den stetig wechselnden Bedingungen im Rallyesport sowie den regionalen Besonderhe–iten.“

Aus dem ambitionierten, einer gemeinsamen Vision entsprungenen Pionierprojekt sei so in den gut vier Jahren seit dem ersten Entwurf ein hochattraktiver Rallye-Markenpokal entstanden, der Zuschauer und Teams gleichermaßen begeistere. „Denn abseits der nackten Zahlen und Fakten bleibt eine weitere wichtige Erkenntnis: Elektrischer Rallyesport funktioniert nicht nur – er sorgt für große Emotionen ohne Emissionen“, schreibt Stellantis.

Quelle: Stellantis – Pressemitteilung vom 12.09.2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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