Opel Corsa: E-Rallye-Erfahrungen für die Serie

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Wolfgang Gomoll
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Der Opel e-Rally Cup hat sich als Talentschmiede in der Motorsportszene etabliert. Doch beim rein elektrischen Markenportal sammeln die Techniker und Ingenieure auch Erfahrungen, die nützlich für die Serienmodelle sind.

Selbst in der Asphalt-Version hätte es die enge Spitzkehre in sich! Wir fliegen auf einer Schotterpiste mit knapp 80 km/h auf die Haarnadel zu. Das kann nicht gut gehen. Wir sehen uns schon im Unterholz, doch dann schießt uns der Rat des Opel e-Rally Cup-Champs 2022 Timo Schulz durch den Kopf. „Auf Schotter immer die Fahrspuren der anderen suchen, da gibt es am meisten Grip.“

Wir beherzigen den Rat des Rallye-Fahrers und folgen den in den Boden eingefrästen Fährten. Mit dem linken Fuß hämmern wir auf das Bremspedal, lösen kurz vor dem Einlenken den Druck und zielen auf den Scheitel der Ecke zu. Kurz vor dem Wendepunkt reißen wir den langen Hebel in der Mitte des Elektro-Renners nach hinten. Die Hydraulikbremse blockiert die Hinterräder sofort und blitzschnell schwingt das Heck des Opels um die Ecke, schnell Gegenlenken und rauf aufs Gas. Denn schon wartet die nächste Links-rechts-Kombination.

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Auch die meisten wir. Denn der Opel Corsa Rally Electric stellt den Piloten auch bei dieser Herausforderung vor keine unlösbare Aufgabe. Der Opel Elektro-Renner agiert gutmütig und teilt stets höflich mit, was das Heck oder der Vorderwagen gerade im Schilde führen. Klar, mit 100 kW / 136 PS, einem Drehmoment von 260 Newtonmetern und einem Gewicht von 1475 Kilogramm ist der Opel Corsa Rally Electric kein Geschoss auf vier Rädern. Das ist gewollt. Der Fan soll sich wiederfinden und sich mit der ganzen Veranstaltung identifizieren. Das fängt mit dem Fahrzeug an. Kein überteuertes Tuning, der Opel Corsa Rally Electric ist nah an der Serie. Der Automatikhebel ist ein sichtbarer Beweis für dieses Ansinnen.

„Wir beweisen, dass die Serientechnologie auch unter den Extrembedingungen des Rallyesports sehr gut funktioniert“, zieht Opel Motorsportchef Jörg Schrott in der dritten Saison des Markenpokals zufrieden Bilanz. Auch die Serienmodelle profitieren von diesem Motorsport-Event. Ein Opel Corsa Rally Electric hat bereits 10.000 Kilometer unter Höchstbelastung abgespult und die Batteriekapazität ist immer noch bei 96 Prozent. Die Rallye-Stromer werden nicht geschont und so Schwachstellen schonungslos aufgedeckt.

Bei einer Rallye klappte auf einmal das Laden nicht mehr richtig. Der Grund war die immense Staubentwicklung. „Wir mussten alles abdichten, dann hat es wieder funktioniert“, erzählt Jörg Schrott. Was sich auch als wichtig erwiesen hat, ist die Kühlung der Batterie. Wie anspruchsvoll die Sonderprüfungen für die Elektro-Renner sind, zeigt die Tatsache, dass im Wettkampf-Einsatz die Reichweite des Corsa-e von über 300 Kilometern auf rund 60 km schrumpft. Trotzdem sind die Corsa e-Rally jetzt in der Lage, rund 90 Prozent der Wertungsprüfungen zu absolvieren, die Rallye-Boliden mit Verbrennungsmotor fahren. Im Jahr 2021 waren es noch rund 65 Prozent.

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Auch das Laden der Autos ist eine logistische und technische Herausforderung. Rallyes finden in der Regel nicht in dicht besiedelten Gebieten statt, sondern dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Bevor Opel den e-Rally -Cup aus dem Taufbecken gehoben hat, haben die Rüsselsheimer verschiedene technische Möglichkeiten durchexerziert, um dann die beste zu finden. Schließlich kommen die sportlichen Stromer während einer Rallye bisweilen im Minutentakt an die Stromtankstelle und im Sinne der Fairness müssen alle Fahrzeuge mit dem identischen Batterieladestand wieder auf Bestzeitenjagd gehen. Wenn 18 Corsa-e an der Ladestation hängen, können laut den Opeltechnikern in der Spitze schon mal zwei Megawatt gezogen werden.

Die Lösung lautet Baustrom, das gut ausgebaute Knotennetz in Deutschland und die Möglichkeit, die Mittelspannung des öffentlichen Stromnetzes zu nutzen. Dennoch muss das Stromtanken immer stabil und zuverlässig stattfinden, egal wie die Bedingungen auch sind.

Das Wort Härtetest ist für den Opel Corsa Rally Electric durchaus wörtlich zu nehmen. Wenn die E-Renner ohne Rücksicht auf Verluste über Stock und Stein geprügelt werden, sind Kollateralschäden unvermeidlich. „Es sind schon Autos in Mauern gefahren, aber das Sicherheitssystem hat immer funktioniert“, freut sich Jörg Schrott. Brennende Boliden wären sicher keine gute Werbung für den Rüsselsheimer Autobauer. Bei jeder negativen Wendung würden die budgetbewussten Stellantis-Manager sofort den Stecker ziehen. Opel betreibt die Rennserie natürlich auch aus Eigennutz, sprich Marketing.

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Der Opel e Rally Cup ist keine elitäre Veranstaltung für Gentleman-Driver, sondern eine Talentschmiede und ein Sprungbrett für junge, talentierte Fahrer. Das funktioniert aber nur, wenn der Sport bezahlbar ist. Deswegen kostet ein Opel Corsa Rally Electric vergleichsweise vernünftige 54.900 Euro, wer die ganze Saison bestreiten will, muss noch mal mit rund 60.000 Euro rechnen. Der Einsatz lohnt sich: Timo Schulz gewann in der vergangenen Saison die Nachwuchsserie, ergatterte sich einen Platz im Opel Rallye Junior Team und kämpft jetzt in einem Opel Corsa Rally4 in der Europameisterschaft der European Rally Championship (JERC) gegen starke internationale Konkurrenten.

Dass die Opel-Youngster da auch mithalten können, beweist der Champion des ersten ADAC Opel e-Rally Cup 2021, Laurent Pellier. In dem 156 kW / 212 PS starken Corsa Rally4 dominierte der Franzose die Junior-Europameisterschaft 2022 mit fünf Siegen in sechs Läufen. Die sportliche Strahlkraft dieser Veranstaltung soll die ganze Marke in ein günstiges Licht tauchen. In Zukunft werden auch wieder die Buchstaben GSe eine größere Rolle spielen. Das sind gute Aussichten für Opel-Fans.

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Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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