CATL will Batterietausch für E-Autos nach Europa bringen

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der weltgrößte Hersteller von Batterien für Elektroautos, CATL, will seine Technologien für Batterietausch und Recycling nach Europa bringen. Das kündigte Jiang Li, Vorstandssprecher des chinesischen Konzerns, im Gespräch mit der Financial Times an. Ziel sei es, einen Beitrag zu nachhaltigeren Lieferketten für die Elektromobilität zu leisten.

Besonders großes Potenzial sieht CATL im Batterietausch-System: Dabei tauschen Fahrer von Elektroautos leere Batterien innerhalb weniger Minuten gegen vollgeladene aus – das senkt nicht nur die Ladezeit auf ein Minimum, sondern verringert auch die Anschaffungskosten für E-Autos, da die Batterien nicht mehr im Besitz der Kunden sind. Allerdings wird dafür eine Batteriemiete fällig, die beim Hersteller Nio, der die Technologie ebenfalls anbietet, je nach Batteriekapazität zwischen 169 und 289 Euro im Monat kostet und somit über einen Zeitraum von knapp sechs Jahren die Mehrkosten für den Akku im Vergleich zum Kauf bereits übersteigt. Die Kaufakkus gibt es bei Nio für 12.000 bzw. 21.000 Euro, die Mehrkosten für den Akku im Vergleich etwa zu Verbrenner-Varianten fallen bei anderen Herstellern jedoch deutlich moderater aus. Bei BMW etwa kostet der rein elektrische i4 ab 57.600 Euro, der günstigste Benziner ist ab 53.300 Euro zu haben, der günstigste Diesel ab 56.100.

Bislang hat sich das Konzept außerhalb Chinas nur langsam verbreitet, nicht zuletzt wegen der hohen Investitionen in Infrastruktur. Doch die geopolitischen Spannungen und der weltweite Boom bei E-Autos rücken neue Lösungen in den Fokus. Nio betreibt bereits 60 Swap-Stationen in Europa – unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien. Auch Stellantis erprobt die Technik, etwa im Carsharing-Angebot Free2move in Spaniens Hauptstadt Madrid.

CATL verfolgt allerdings deutlich ambitioniertere Pläne: Noch 2025 sollen in China 1000 neue Tauschstationen entstehen – mittelfristig will man auf 10.000 ausbauen. Ein ähnliches Modell könne dann auch auf Europa übertragen werden, so Li. Gespräche mit europäischen Autoherstellern liefen bereits.

Doch nicht nur das Tauschsystem, auch das Recycling steht im Fokus: CATL will seine Rücknahme- und Verwertungstechnologie – laut eigenen Angaben mit einer Rückgewinnungsquote von 100 Prozent bei Nickel, Kobalt und Mangan – ebenfalls nach Europa bringen. Das Sammeln gebrauchter Batterien über zentrale Stationen erleichtere die Rückführung enorm. Gleichzeitig mahnt das Unternehmen jedoch, dass hohe Regulierungsauflagen und Kosten in Europa eine profitable Umsetzung erschweren könnten.

In China arbeitet CATL bereits mit über einem Dutzend Nutzfahrzeugherstellern zusammen, um Tauschsysteme auch für den Lkw-Verkehr zu etablieren. Rund 300 Stationen entlang der wichtigsten Transportachsen sind geplant – perspektivisch will das Unternehmen über 150.000 Kilometer des nationalen Fernstraßennetzes abdecken.

„Was wir jetzt brauchen, ist ein Kipppunkt – und der Moment ist gekommen“

Für CATL steht fest: Ohne internationale Zusammenarbeit lässt sich die Transformation zu nachhaltigen Batterie-Lieferketten nicht realisieren. „Wir wollen nicht nur mit einem Hersteller Geld verdienen – wir wollen Wissen teilen“, betonte Li. Das gelte vor allem in Forschung und Entwicklung. CATL ist bereits über Joint Ventures mit Tesla, Ford und Stellantis verbunden und investiert unter anderem 4,1 Milliarden Euro in ein gemeinsames Batteriewerk in Spanien.

Ein langfristiges Ziel verfolgt CATL mit Unterstützung der Ellen MacArthur Foundation: den Aufbau einer echten Kreislaufwirtschaft. „Was wir jetzt brauchen, ist ein Kipppunkt – und der Moment ist gekommen“, so die Stiftung. Ob dieser Impuls aus China nach Europa überspringt, dürfte auch an der regulatorischen Offenheit der EU liegen.

Quelle: Financial Times – CATL to bring battery-swapping technology to Europe

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Robinson:

Warum sehen Sie es als Problem? Besser ein altes Auto (Verbrenner) mit 4000 Verschleißteilen durch die Gegend rollen lassen, wo dann die Reparaturen in die Tausende gehen? Zusätzlich zur Unzuverlässigkeit und Umweltverschmutzung, versteht sich.

Peter:

Wie war das gestern im Video von Byörn Nyland, der Taxifahrer im Interview hat bei einem Swap einen 100kW Akku der 2. Gneration bekommen und seitdem swapt er nicht mehr und läd nur noch am Schnellader.

Rolando:

Das ist genauso wie mit dem Wasserstoff. Es wird weiterhin probiert aber es scheitert definitiv.

Philipp:

Das nennt man den Schuss ins Knie. Gut dass du aufpasst und deine Firma öffentlich ins korrekte, schlechte Licht richtest.

Daniel W.:

Probleme dürfte es beim Verkauf der E-Autos mit Batteriemiete geben, wenn der Käufer dann 2.028 bis 3.468 Euro Batteriemiete im Jahr zahlen soll.

MMM:

Man könnte ja annehmen, dass jemand aus den bereits gemachten Erfahrungen gelernt hätte, dem ist scheinbar nicht so.
Dann bitte.
Wie heißt es: das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes.

Michael Neißendorfer:

Danke für den Hinweis, wir haben die Passage angepasst, damit die Kostenstruktur bei Nio deutlicher wird. Schöne Grüße, Michael

Roman L.:

Zitat: „..somit über die Zeit die Kosten für den Akku im Vergleich zum Kauf um ein Vielfaches übersteigt.“
Die erwähnte „über die Zeit“ sind rechnerisch dieser Aussage nach min. 12,18, 24,.. Jahre. Ein Vielfaches eben. Ein paar wenige Lang-Langzeit-Besitzer könnte es geben.

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