Audi: Kunden „sollte nicht nur der Maximalwert der Ladeleistung interessieren“

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Audi AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Die Alltagstauglichkeit von Elektroautos ist ein entscheidendes Kaufkriterium. Vor allem für Langstreckenfahrer, die oft an Schnellladesäulen Strom beziehen, ist eine hohe Ladegeschwindigkeit von großer Bedeutung. Silvia Gramlich, Entwicklung Ladedauer und Ladeeffizienz bei Audi, erklärt in einem vom Hersteller selbst veröffentlichten Gespräch, wie das komplexe Batteriekonzept in den e-tron genannten E-Modellen, auf das wir in einem früheren Beitrag bereits eingegangen sind, für eine „außergewöhnliche Ladeperformance“ sorge.

Bei der Alltagstauglichkeit seien zwei Aspekte wichtig: „Zunächst mal, dass das E-Auto über Nacht zu Hause wieder vollständig aufgeladen werden kann.“ Selbst die e-tron Modelle mit großer Batterie seien dank des dreiphasigem Onboard-Charger mit 11 kW Leistung in knapp neun Stunden von 0 auf 100 Prozent geladen. Der zweite Aspekt sei eine „gute Langstreckentauglichkeit – darauf wurde bei der Entwicklung des e-tron von Anfang an viel Wert gelegt“, so Gramlich.

Audi habe ein „ausgeklügeltes Batteriekonzept“ entwickelt, „welches das Schnellladen mit Gleichstrom mit 150 kW Leistung ermöglicht“. Das sei im Vergleich zum Wettbewerb „ein guter Wert, aber noch lange nicht die ganze Wahrheit.“ Den Kunden aber „sollte nicht nur der Maximalwert der Ladeleistung interessieren, sondern vielmehr, wie diese im Laufe eines Ladevorgangs verläuft und gegebenenfalls gedrosselt werden muss, weil sich die Batterien – physikalisch bedingt – erwärmen.“ Bei Audi e-tron ermögliche ein „aufwändiges Thermomanagements eine im Vergleich zum Wettbewerb außergewöhnliche Ladeperformance über den gesamten Zeitraum des Ladevorgangs.“

Da die Ladeleistung „über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau“ sei, sollen Audi-Kunden ihr Elektroauto „sehr schnell vollladen können“. Als Faustformel für den e- tron 55 und e-tron Sportback 55 gelte: „Bei einem Ladebeginn bei 5 Prozent Ladezustand reichen zehn Minuten Ladezeit im Idealfall an einer Schnellladesäule für bis zu 110 Kilometer Reichweite nach WLTP“, nach knapp 30 Minuten werde die 80 Prozent-Marke erreicht und die Komplettladung dauert circa 45 Minuten, erklärt Gramlich.

Bei einem Test des ADAC konnte sich die Ladestrategie von Audi tatsächlich deutlich gegenüber den ebenfalls getesteten Fahrzeugen von Mercedes, Renault, Opel und Nissan behaupten. Innerhalb von 30 Minuten tankte der e-tron Strom für 305 km. Der Mercedes-Benz EQC schaffte nur 216 km. Renault Zoe, Opel Ampera-e und Nissan Leaf kamen auf nur gut 150 km. Nicht getestet allerdings hat der ADAC Elektroautos von Tesla. Die sind in etwa genau so schnell. Noch ein Schippchen drauf legt der Porsche Taycan. Und auch der VW ID.3 lies bei einem Test der Ingenieurberatung P3 Automotive die Audi-Stromer hinter sich.

Quelle: Audi — Pressemitteilung vom 05.06.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Markus Gust:

Wer jetzt noch daran zweifelt, dass Audi beim Laden einen guten Job macht, dem ist nicht mehr helfen. Überall liest man darüber und irgendein Funken Wahrheit, muss ja daran sein. Aber das macht halt noch kein vernünftiges E- Auto aus. Wer kann sich so ein Teil in der Anschaffung und vor allem im Unterhalt leisten? Darüber spricht nämlich niemand. Dieser Vergleich hinkt gewaltig, wenn ich dann auch noch Autos für Normalsterbliche dem gegenüber Stelle. Viel vernünftiger in heutiger Zeit ist Sparsamkeit zu bezahlbaren Preis. Für Audi wäre es von Vorteil, nicht nur auf die Oberschicht zu schauen, sondern ihr Potential für die Masse zu nutzen. Die Zeiten ändern sich und Schlachtschiffe als e- Tron sind längst überholt. In der Stadt sind Panzer fehl am Platz und auf der Autobahn ist es lästig, alle paar Kilometer, die super schnelle Ladegeschwindigkeit nutzen zu müssen, weil das Ding säuft, wie es groß ist. Masse will bewegt werden und das ist in heutiger Zeit irgendwie kontraproduktiv. Audi hat da irgendwie nicht dazu gelernt, sondern einfach nur den Erfolgszug SUV fortgesetzt. Dass diese Art Fahrzeug, aber inzwischen kleiner und sparsamer geworden ist, siehe Kona oder e- Niro, ist anscheinend noch nicht in In- gold- Stadt angekommen. Vielleicht liegt’s ja auch daran, dass man irgendwann Mal anfangen sollte, das Thema E- Mobilität ernst zu nehmen.

Strauss:

Gut für Audi, diese guten und schnellen Werte beim Aufladen. Nur wie sich dies auf die Lebenszeit der Batterie auswirkt, kennt man noch nicht. Die einen sind besser beim laden und die anderen im Verbrauch.

Harry:

Exakt. Ich kann die blöde Leier mit dem Langstreckenfahrern ohne nennenswerte Pausen nicht mehr hören.
Das ist nix als ein Strohmann-Argument, das die Verbrenner-Industrie dem Otto Normalverbraucher eingetrichtert hat. Nur 2% der Deutschen Fahrer sind übrigens mehr als 100km pro Tag unterwegs.

KaiGo:

Es gibt ja mittlerweile viele Tests die belegen, dass Audi beim E-Tron bei der Ladegeschwindigkeit einen verdammt guten Job gemacht hat. Bei 5-80% ist der Taycan zwar schneller, aber auf 100% ist der E-Tron wieder deutlich schneller weil er auch im oberen Bereich schneller lädt und vorher auch die 150kW quasi bis 80% hält. Das ist schon gut und das kann so glaube ich kaum ein anderes Auto. Vorallem kann man sich danach richten.
Was natürlich nicht gut ist, das ist der Verbrauch der Kisten. Wenn Audi eine Limousine oder einen Kombi mit ähnlicher Ladekurve bringen würde, würden wir wohl von 400km und mehr in 30min reden. Schön wars natürlich, wenn das ganze dann auch noch bezahlbar wäre.

Egon Meier:

Warte mal ein bisschen .. der Skoda Enyaq hat sowas (je nach Motorisierung mit 1000 oder 1200 kg Anhängelast) – Er ist für Anfang nächsten Jahres angekündigt.
Preis .. ganz sicher erheblich unter MY und etwas unter m3 aber größer als der letztere und richtiger Klappe.
Gerüchte möchte ich hier ungern weiter reichen aber es gibt zur Vorstellungen reichlich Berichte – auch hier im Ticker.

MEB-Plattform

Sebastian Henßler:

Haben es angepasst. Danke für den Hinweis.

Daniel:

Der Mercedes schafft nur 2016km? Welche Ziffer hat sich da denn eingeschlichen?

Martin Walter:

Dann muss ich wohl nach Deutschland umsiedeln. In der CH gibt es keine Langstrecken für einem Audi e tron. Nüzt das gesamte Marketing nichts.

Leonhard Heine:

Nach 5 Jahren E-Smart (Zweitwagen ) würde ich gerne wieder ein E-Auto als „Erstauto“ erwerben. Allerdings sollte auch eine Anhängekupplung möglich sein (nicht nur für Fahrradträger ).
Dies ist im bezahlbaren Segment noch nicht der Fall!

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