Audi-Chef Markus Duesmann verteidigt große SUVs und erntet Kritik

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Felix Katz
Felix Katz
  —  Lesedauer 6 min

In der Vergangenheit hat Audi-Chef Markus Duesmann bereits des Öfteren mit polarisierenden Aussagen bei verkehrspolitischen Themen für Aufsehen gesorgt. So zeigte er sich erst kürzlich offen für ein Tempolimit und auch für Fahrverbote. Nun aber verteidigt er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Zeit“ die hohen Verkaufszahlen von besonders schweren Autos wie SUVs. Wie passt das zusammen?

Eigentlich weiß Markus Duesmann, was er tut und auch was er sagt. Der 53-Jährige ist nicht erst seit gestern ein hochrangiger Manager in der Automobilbranche. Er studierte Maschinenbau und ist promovierter Diplom-Ingenieur. So war er nicht nur Motorenkonstrukteur bei Daimler, sondern später auch Entwicklungsingenieur bei BMW. Darauf stieg er zum Vorstandsmitglied des Münchener Autobauers auf und schließlich wechselte er im April 2020 zum VW-Konzern und wurde zum Vorstandsvorsitzenden der Audi AG berufen.

Also ein echter Petrolhead, der es momentan nicht leicht haben dürfte. Steht er doch ständig zwischen den Stühlen: Auf der einen Seite vertritt er die Interessen eines riesigen Autokonzerns, auf der anderen Seite muss er sich mit denjenigen auseinandersetzen, die scharfe Kritik an der Automobilbranche und der Politik dahinter üben. Nur logisch, dass Aussagen zum liebsten Kind der Deutschen, dem Auto, für Furore sorgen – hüben wie drüben.

Tempolimits und autofreie Tage habe Duesmann nicht gefordert, auch wenn es so rübergekommen sein soll, antwortet der T-Chef auf die Frage der Wochenzeitung Zeit, die auf kürzlich getätigte Aussagen abzielt: „(…)Ich hatte gar kein Tempolimit gefordert, auch wenn das vielfach berichtet wurde. Ich fahre selbst gerne schnell. Ich liebe unsere freie Gesellschaft und war schon immer gegen Verbote“, heißt es zu Beginn des Interviews. Man müsse aber in dieser außergewöhnlichen Situation, damit meint er die Chipkrise, die Corona-Pandemie und auch den Ukraine-Krieg, Maßnahmen in Erwägung ziehen und dazu zählen auch Tempolimits, wenn nötig. Auch wenn er, wie er selbst sagt, grundsätzlich gegen Verbote sei. Kein Tempolimit zu haben, das sei immerhin ein Ausdruck von Freiheit in Deutschland.

Audi-Chef Markus Duesmann verteidigt große SUVs und erntet Kritik
Der Audi Q8 zählt zu den Flaggschiffen der Marke. Ihn gibt es mit unterschiedlichen Antriebsvarianten | Bild: Audi

Komfort, Sicherheit und Batterien erhöhen das Fahrzeuggewicht

Das kann man sehen, wie man will. Der oder die eine findet diese Aussage gut, andere wiederum nicht. Für alle, die jetzt ihren Kleber aus der Schublade holen, um sich irgendwo aus Protest festkleben möchten, hat Duesmann jedoch kein Verständnis. „Wir sind eine Demokratie und müssen offen diskutieren. Aber andere zu nötigen, geht mir viel zu weit“, sagt er mit Nachdruck. Der Wunsch nach individueller Mobilität sei riesig und wird auch in Zukunft groß bleiben – und Audi werde ihn so CO₂-neutral wie möglich erfüllen. Zur Verteidigung gibt er zu Protokoll: „Unsere Werke werden wir bis 2025 auf CO₂-neutralen Betrieb umstellen.“ Entscheidend werde aber sein, wo die ganze Energie hierfür herkommt. Eine Lösung sei der Ausbau erneuerbarer Energien. Hier passiere momentan noch nicht genug, mahnt der CEO.

Ob die Lösung tonnenschwere Boliden mit großen Akkus im Boden sind, bleibt fraglich. Markus Duesmann, der laut Zeit selbst einen E-Tron GT mit 2,5 Tonnen Gewicht fährt, verteidigt die Daseinsberechtigung von schweren Autos, insbesondere SUVs. Weil diese immer mehr Technik mit sich bringen, die auch zur Sicherheit des Verkehrs beitragen würden. So zieht er den Vergleich zwischen älteren, leichten Autos wie dem Golf in Wechselwirkung mit der Unfallstatistik sowie neuen, sichereren Autos mit viel mehr Sicherheit und Assistenz.

Laut Duesmann starben früher mehr als 20.000 Menschen bei Verkehrsunfällen, im Jahr 2021 wäre diese Zahl auf 2.500 gesunken. Vor allem, weil Autos „viel sicherer, komfortabler und größer“ geworden sind. Da nun auch noch Batterien mit großer Reichweite hinzukommen, steige das Gewicht der Autos weiter. Batterien haben eine geringere Energiedichte als Benzin oder Diesel, weshalb große Akkus momentan noch unabdingbar seien. Hier sei das letzte Wort aber noch nicht gesprochen, denn der Audi-Manager erklärt, dass man „intensiv an Batterien mit höheren Energiedichten“ arbeite, um das Gewicht der Fahrzeuge wieder senken zu können. Diese könne seiner Meinung auch geschehen, wenn die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werde, so dass man öfter laden kann. Wo die Zeit hierfür herkommen soll, wird allerdings nicht näher erläutert.

Audi-Chef Markus Duesmann verteidigt große SUVs und erntet Kritik
Markus Duesmann sitzt im neuen Audi Q8 E-Tron, der Facelift-Variante des bisherigen SUVs E-Tron (Sportback) | Bild: Audi

„Das Klimaproblem ist nur technologisch zu lösen“

Das Problem, wenn man es so nennen mag, seien die Kunden, die entscheiden, was sie kaufen möchten. Und das seien eben oftmals große SUVs, weil sie für die Insassen ein besonderes Gefühl von Sicherheit vermitteln. Dass kleinere Fahrzeuge bei Audi keine Zukunft haben, begründet Duesmann damit, dass man mit dem Budget haushalten müsse und Angebots-Überschneidungen im Konzern minimiert werden könnten: „Es ist eben nicht für jede Marke richtig, in allen Fahrzeugsegmenten vertreten zu sein“, sagt er weiter im Interview.

VW, Skoda und Seat hätten für Kleinwagen-Fans dennoch das richtige Angebot. Dass gerade SUVs so stark polarisieren, kann Duesmann nicht nachvollziehen: „Ich finde diese Autos nicht massig, sondern schön“, erklärt er. Dafür erntet er jede Menge Kritik, wie einige der über 230 Kommentare zum Zeit-Artikel zeigen. Es gäbe ja auch viele Menschen und Familien, die viel transportieren müssen. Und dafür biete Audi zunehmend elektrische SUVs „mit einem guten Wirkungsgrad“ an.

Der Manager sieht sich bestätigt: Audi habe im Jahr 2021 knapp 60 Prozent mehr E-Autos verkauft als zuvor, heißt es weiter. Die Nachfrage wachse enorm, weil für Elektroautos (noch) keine Kfz-Steuer bezahlt werden muss, sie zudem mit niedrigen Unterhalts- und Reparaturkosten glänzen können und zudem ein angenehmes Antriebserlebnis bieten. Duesmann ist sich sicher: „Die E-Autos werden sich mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur durchsetzen. Es gibt auch keine Alternative, um aus der Klimakrise rauszukommen.“

Nachdrückliche Worte eines Ingenieurs, der auf seiner Karriereleiter viele Jahre mit der Entwicklung und Optimierung von Verbrennungsmotoren verbracht hat. Da macht Markus Duesmann auch keinen Hehl daraus. Im weiteren Gespräch zeigt er sich von der Idee des Verbrenners begeistert: „Der Verbrenner hat den heutigen wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland möglich gemacht und ist eine fantastische Technologie, die wir irgendwann im Museum bestaunen werden. Ich habe die Technologie geliebt, sie ist eine der komplexesten, die man sich vorstellen kann, ein Wunderwerk.“

Dennoch, so sagt er, seien die Tage des Verbrennungsmotors gezählt. Jetzt seien batterieelektrische Fahrzeuge so weit, dass sie alltagstauglich sind. Dass man von fossilen Rohstoffen weg müsse, sei definitiv klar. Und, dass die EU beschlossen hat, ab 2035 den Verkauf von Verbrennern zu stoppen, sei eine gute Nachricht für Audi. Es sei technisch umsetzbar und passe auch zur Strategie der Ingolstädter. Die planen ohnehin, bereits zwei Jahre früher, also 2033, den letzten Verbrenner zu bauen. Duesmann ist der Ansicht, das Klimaproblem sei nur technologisch zu lösen, nicht aber über Verbote. Dies würden die Menschen nämlich nicht akzeptieren.

Quelle: Audi

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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Läubli:

Das wäre auch eine faire Variante… leider relativ kompliziert lösbar.

MKU:

In Freiburg war mal geplant, den Parkraum wirklich nach genutzter Fläche zu vermieten. Ein Twizzy würde dann weniger zahlen als ein Amarok

Läubli:

Ja, so ist eben das Leben, das sieht man am besten bei Tesla, da wird immer und immer wieder auf den selben einzigen FSD und Phantombremsungen rumgekaut…. ist aber längsten, längstens durchgekaut und mittlerweile halbwegs behoben. :)

Mr.Hu:

So zeigte er sich erst kürzlich offen für ein Tempolimit und auch für Fahrverbote.

Die Sache ist doch mittlerweile echt durchgekaut. Seine Aussage wurde damals für eine tolle Überschrift aus dem Zusammenhang gerissen und bis jetzt gibt’s das in manchen Artikeln noch zu lesen?

Läubli:

Ja, der Kunde kann momentan nur unter Limousine (wenige) und SUV’s (fast alle) auswählen, wenn es um BEV Neuwagen geht, bis auf ein paar unwichtige Ausnahmen – und die Fahrer drin werden immer arroganter, vor allem gegenüber Velofahrern nehme ich das selbst oft so wahr.

Die SUV’s waren für die Autoindustrie die beste Erfindung der letzten Jahrzehnte, aber für unsere Umwelt gleichfalls die schlechteste.
Die meisten Menschen wollen, wenn man sie fragen würde, etwas für die Umwelt tun, die meisten tun aber genau das Gegenteil, wenn sie einen SUV fahren!
Das ist schlecht, egal ob bei Verbrennern oder BEV’s. SUV-Fahrer sollten meiner Meinung nach krasser besteuert werden und zwar im Quadrat, nicht proportional, gemessen am FZ-Gewicht. Eine Verkehrssteuer nach Fahrzeuggewicht wäre am besten begründbar, schließlich beanspruchen/schädigen die schwereren Fahrzeuge auch die Straßen am meisten.
Das wäre aus meiner Sicht die fairste KFZ-Besteuerung! Nur, die Sache hat noch einen Hacken: da wohl fast jeder Politiker einen SUV fährt… können wir wohl nur davon träumen, sowas zeitnah zu verwirklichen. Wir in der Schweiz sind jedenfalls schon mal dran. ;)

MKU:

Das kann nur die Sicht eines Automanagers sein.
Meine Ansprüche an ein Auto sind eher die, die ein Sion oder ein Kombi erfüllen würde mit ca. 350 km Reichweite bei jedem Wetter und vernünftigen Ladezeiten. Da ist die Auswahl aktuell noch ziemlich dünn. Da fühl ich mich auch etwas verarscht, wenn gesagt wird, dass der Kunde die Wahl hat.

Und ja, genötigt fühle ich mich auch regelmäßig, wenn die Autos neben mir im Verkehr immer größer werden. Nach den SUVs kommen ja gerade die Pick-Ups. Normalerweise bin ich als Radfahrer und Fussgänger unterwegs. Je breiter das Auto, um so weniger Platz bleibt mir. Über die Autos rüber schauen ist auch oft unmöglich. Gleichzeitig beschleunigen diese Fahrzeuge immer schneller. All das reduziert meine Sicherheit und geht zu lasten meiner Freiheit mich sicher im Verkehrsraum zu bewegen.

Läubli:

Ja schon… allerdings erleben wir das nicht so schnell, wie etliche etwa denken möchten. Das dauert ganz sicher noch Jahrzehnte, bis es soweit ist, wie du schreibst. Also ruhig locker bleiben. ;)

Läubli:

„Duesmann ist der Ansicht, das Klimaproblem sei nur technologisch zu lösen, nicht aber über Verbote. Dies würden die Menschen nämlich nicht akzeptieren“

Genau da und bei der allgemeinen Ansicht der BEV’s hat der Manager Recht… aber, dass ein sicheres Auto ein SUV sein muss, sehe ich ganz anders. Klar, bietet Größe und Gewicht Sicherheit, zumindest für die Insassen, aber auch eine Limousine kann genauso sicher sein… und ist obendrein für Velo und Fußgänger viel sicherer als jeder, vorne auch noch so „weicher“ SUV. Ebenfalls können ALLE Assistenzsysteme der SUV’s genauso ein einer Limousine eingebaut werden, das ist kein Grund zur Diskussion.

Ich persönlich finde, ein SUV ist als BEV ein absoluter Gegensatz und eigentlich ein Ökologisches No-Go! Nur, wie wollen wir unsere verwöhnte Gesellschaft davon abhalten, weiter SUV fahren zu wollen.
Wer aber ein kleines Bisschen ökologisch denkt und seinen eigenen Fußabdruck zu reduzieren versucht – der fährt ganz sicher KEINEN SUV, auch keinen mit Akku!

Djebasch:

Wenn man die Autonome Technik soweit hat wird es eh nur noch Fahrzeuge zum Rufen und Busse mit freier Streckenplanung geben.

Peter Bigge von Berlin:

… und es gibt immer noch eine Steigerung zu SUVs, Busse a la T5, Sprinter und Co., die saufen noch viel mehr.
Aber wie will auch die Futurfamily die 8 Milliarden Mensch in Zukunft artgerecht transportieren :-)

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