Audi-Chef Duesmann: „Elektrifizierung ist nicht die größte Herausforderung“

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Audi AG

Felix Katz
Felix Katz
  —  Lesedauer 4 min

Wie kann die deutsche Automobilindustrie die Elektrowende meistern? Stimmen die politischen Rahmenbedingungen und wie groß ist die Herausforderung des Klimawandels? Diese Fragen erläuterte Audi-CEO Markus Duesmann kürzlich auf dem WirtschaftsWoche-Gipfel in Schwäbisch Hall. Klar ist: Die Ingolstädter werden bis 2033 die Produktion von Verbrenner-Autos einstellen.

Bevor er vor knapp zwei Jahren Audi-Chef wurde, hielt Markus Duesmann nach seinem bestanden Maschinenbau-Studium als Diplom-Ingenieur an der FH Münster (1991) so einige verantwortliche Positionen in der Automobilindustrie inne. Er konstruierte unter anderem bei Mercedes-Benz den V12-Serienmotor und arbeitete für BMW in der Formel 1. Nun hat Duesmann weitaus schwierigere Aufgaben vor sich: Er muss quasi das Lenkrad herumreißen und die Marke mit den vier Ringen zum Elektromobilitätsdienstleister umbauen. Beim „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall bekräftigte er laut dem Branchenmagazin WirtschaftsWoche (WiWo)„Ab dem Jahr 2026 werden wir nur noch rein elektrische Modelle bauen. Und 2033 beenden wir die Produktion von Verbrennungsmotoren“.

Elektroautos seien seiner Meinung nach mit Abstand die effizienteste Technologie der individuellen Mobilität. So macht Audi Tempo beim Wechsel der Antriebstechnologie und streicht laut Magazin Auto Motor Sport das Programm in den unteren Segmenten zusammen. Hier heißt es: „A1 und Q2 bekommen keine Nachfolger, der nächste A3 wird ein Elektroauto“. Der letzte Verbrenner aus Ingolstadt soll übrigens ein SUV sein. Plug-in-Hybride fungieren weiterhin als Brückentechnologie und sollen den Einstieg ins vollelektrische Fahren erleichtern. Damit haben sie auch für die nächsten Jahre ihre Berechtigung. Trotzdem sei das Ziel, auf 100 Prozent E-Autos zu gehen. Erst dann sei man CO2-neutral, heißt es weiter.

Audi-Chef Duesmann: "Elektrifizierung ist nicht die größte Herausforderung"
Markus Duesmann am Elektrosportler Audi E-Tron GT

„Eigentliche Bedrohung ist der Klimawandel“

In Schwäbisch Hall erklärte der CEO laut WiWo, dass jedoch nicht die Elektrifizierung der Autoindustrie die größte Herausforderung sei. Auch nicht die Digitalisierung und die möglicherweise bevorstehende Automatisierung von selbst fahrenden Autos oder neue Wettbewerber aus USA und China. „Unsere eigentliche Bedrohung ist der Klimawandel, so Duesmann. Bereits zuvor äußerte sich Duesmann auf einer anderen Klimakonferenz zum Thema: „Der Klimawandel kommt durch die fossilen Kraftstoffe, die wir aus der Erde holen. Das muss aufhören. Wir brauchen eine fossilfreie Gesellschaft.“ Der Klimawandel schließe schließlich auch die Energiewirtschaft und Stromerzeugung mit ein. Die Autoindustrie könnte hierfür nicht alleine in die Verantwortung genommen werden, erklärt der Audi-Chef. So gibt er bei der WirtschaftsWoche klar zu verstehen: „Es gibt nur einen Weg, vom fossilen CO2 wegzukommen. Und der führt immer über elektrischen Strom. Wenn die Elektrizität also Dreh- und Angelpunkt ist, braucht es klimaneutrale Energiewirtschaft, Energieerzeugung und Energieverbrauch. Und auch angemessene Strompreise.“ Man verfüge über Geothermie und Windkraft im Norden, über Sonne im Süden und Wasserkraft in den Bergen – die Voraussetzungen wären seiner Meinung nach gegeben. Und Duesmann ist überzeugt, dass Politik und Wirtschaft diese Herausforderung gemeinsam schaffen können.

Der Volkswagen Konzern habe die finanzielle Stärke, um auf all die technologischen Fragen Antworten zu liefern. Insofern ist Duesmann überzeugt, dass der Standort Deutschland, die deutsche Automobilindustrie und der Volkswagen Konzern eine gute Chance haben, auch in zehn Jahren die Nummer eins zu sein. „Wir sind in China heute noch sehr gut aufgestellt und der Volkswagen Konzern ist dort Marktführer. Insofern ist mir vor der Zukunft nicht bange, doch wir beobachten mit großem Interesse, was dort passiert. Denn die E-Mobilität bietet auch neuen Wettbewerbern die Chance, Autos zu zeigen, die respektabel sind“, erklärt er in einer Sendung auf spiegel.de.

Audi-2021-Grafik-E-Autos
Audi beschleunigt Transformation zur Elektromobilität

„Die EU muss der Autoindustrie etwas Zeit lassen“

Schwieriger werde das Unterfangen jedoch durch die Politik, die ein scharfes Tempo vorgibt. So hatte die EU-Kommission die CO2-Grenzwerte für Neuwagen vergangenes Jahr noch einmal verschärft. Auf dem Branchengipfel erklärte der CEO: „Entscheidend sei, dass die ambitionierten Grenzwerte nicht ständig weiter angepasst würden. Die EU muss der Autoindustrie auch etwas Zeit lassen.“ Vor allem, weil die Entwicklungszyklen recht lang sind und die Hersteller große Mühe haben, Schritt zu halten. Dies könnte die Autohersteller teuer zu stehen kommen, da empfindliche Strafen drohen, wenn die CO2-Flottenwerte über den Vorgaben liegen.

Es ist nicht zu leugnen, dass es vor allem für die Autoindustrie schwierige Zeiten sind. Nicht nur die Corona-Pandemie, nicht nur die anstrengende Transformation zur Elektromobilität. Auch der Chipmangel lähmt das Vorankommen, so hat Audi im Jahr 2021 rund 100.000 Autos weniger bauen können. Dennoch rechnet Duesmann damit, dass die deutschen Autohersteller und Zulieferer in den kommenden fünf Jahren mehr als 220 Milliarden Euro in E-Mobilität und Elektrifizierung investieren werden. Das Ziel ist klar: „Wir glauben, dass wir als europäische Automobilhersteller auch Weltmarktführer für Elektromobilität sein können“, erklärt der Topmanager weiter.

Quelle: Audi, Spiegel, WirtschaftsWoche

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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Ronald:

Also ehrlich, selten so einen Quatsch gelesen. Den Fahrzeugbestand auf BEV umrüsten. Eine größere Ressourcenverschwendung ist kaum vorstellbar.
Ganz abgesehen davon, dass ein auf einen Verbrenner ausgelegte Karosseriestruktur dafür gar nicht ohne weiteres geeignet ist.
Und jetzt bitte keine Beispiele nach dem Motto:bei Oldtimern geht es doch auch…

Silverbeard:

OK., also Audi wird eine Luxusmarke für große Luxusautos…
Wer will schon als gutsituierter Single luxuriös in einem kleinen Auto unterwegs sein. Da reicht dann auch die Holzklasse…
Übrigens: Ist schonmal jemand auf gefallen, wie gut sich der Fiat 500 verkauft?

Helmuth Meixner:

Diese BEV braucht man doch nicht umrüsten oder? Reicht die Leistung und der Akku immer noch nicht? Das Motto müsste lauten, VORSPRUNG DURCH NOCH MEHR TECHNIK

Helmuth Meixner:

Für Kettenfahrzeuge gibt das nicht. Der LEO fährt immer noch mit DIESEL, damit wir aus Russland grünes Erdgas kommen. Die EU braucht das Gas dringend, damait hier weiter spekuliert werden kann. Der E-LEOPARD ist noch nicht fertig. Das Fahrzeug wiegt 65 t. der AkkU 130 t….. Damit kann er sogar im Winter 10 KM weiterfahren.

Helmuth Meixner:

Da schwurbeln und dichten einige Leute über Dinge, die sie gar nicht wissen können und wenn sie etwas davon wissen könnten, so wird weitergeschwurbelt auf Teufel komm raus.
Was sagt den der Audimann?
„Eigentliche Bedrohung ist der Klimawandel“ Ja was denn sonst? JEDE Treibstofftechnik, Jeder Antriebsart sollte genutzt werden, wenn es dem Klima nützt. Darum geht es doch. Ginge es NUR um CO2 so müsste zuerst mal die KOHLE aus dem Strom weg, aber natürlich auch bei allen anderen Verwndungsarten. Am Wichtigsten von Allen wäre SPAREN. Vom Sparen aber ist wie immer schon üblich kaum die Rede. Sieht man die Palette der E-Mobilangebote, so versteht man diese E-Mobilität ohnehin nicht. Die hochgelobten Kisten können nicht Power genug haben. Die Akku werden nur ernst genommen, wenn sie 2 Pottwalbabys wiegen und der STROM muss trotz KOHLE grün geredet sein. Ist er nicht grün mischt man halt Erdgas hinzu. ÖKO-ERDGAS natürlich. LÜGEN, dafür ist man sich nicht zu schade. Die werden nicht mal erwähnt Bei machnen Akku-Märchen wird es sogar dem Baron zu Münchhausen übel, aber die Lügen hören nicht auf. Bald kommt der ÖLO-GRÜNSTROM aus dem Braunkohletagebau. Hauptsache man kann AKKU-Karren mit 600 KW an Rand der Autobahnen herumstehen lassen. An diesen Ladesäulen die nut Platz für die dringend notwenigen Truck verbrauchen. Wenn kommen Putins Panzer mit AKKU zu uns? Das fragt kaum Jemand angesicht der Tastsachen die aktuell ablaufen? North-Stream 2 wird kaum noch erwähnt, obwohl das Gas doch grün zertifiziert werden soll?

Ralf K.:

Lippenbekenntnis würde ich das eher nennen. Gerede.
Es fehlen die Taten: Stopp der Produktion von Verbrennungsmotoren und komplexen Doppelkupplungsgetrieben. Und dann entweder das Schließen der Motoren- und Getriebewerke, oder deren Transformation zu Komponentenproduktion von BEV, Ladeinfrastruktur, EE-Gewinnung, Hausspeicher.
Und parallel fehlt das deutliche Abspecken der Autos. Weg mit Q7, Q8, kommender Q9. Umkonstruktion des A4, A5, A6, A7 und A8 zu modernen effizienten Fahrzeugen nach Vorbild des Lightyear One, gern auch weiter mit Kombi-Variante.
Anerkennung eines globalen Tempolimits von ca. 140 km/h. Und Änderung der Dimensionierung darauf.
Sofortige Einstellung der ganzen RS und S-Modelle. Die braucht kein Mensch, nicht mal batterieelektrisch.
Prüfung der Adaption auf LiFePO4-Zellchemien.
Herr Duesmann hat so viele Stellschrauben, wo er sofort was machen kann. Stattdessen redet er lieber auf „Klimakonferenzen“.

Ralf K.:

Der Klimawandel kommt durch die fossilen Kraftstoffe, die wir aus der Erde holen. Das muss aufhören. Wir brauchen eine fossilfreie Gesellschaft.“

Ich dachte ja, Audi beschäftigt dafür Ingenieure, um konkrete Lösungen für den Vorsprung durch Technik anzubieten. Herr Duesmann, stellen Sie nicht immer neue Forderungen, wo andere irgendwas machen sollen. Beschäftigen Sie stattdessen ihre Belegschaft für die Lösungen!

Und bitte bauen Sie nicht immer neue Autos. Kümmern Sie sich auch um den großen Audi-Bestand mit attraktiven Umrüstangeboten auf BEV-Antriebe.

Ralf K.:

Polo, Ibiza, Fabia reichen doch – statt A1.
Und T-Cross/T-Roc, Arona, Kamiq – statt Q2.

Den jeweils vierten Aufguss davon braucht es da nun wirklich nicht. Das bringt auch für den Kunden keinen Mehrwert. Aus meiner Sicht könnte VW da noch deutlicher aufräumen in der Modellpalette über die ganzen Marken.

VestersNico:

„Wir brauchen eine fossilfreie Gesellschaft“ – ja nun, wer sich die Vita von Duesmann anguckt (bsp.-weise Leiter Formel I Abt.), der denkt sich: ein Freund der TU München, bibliophil beheimatet im Verbrenner-Geschehen der Autoindustrie. Ein Dinosaurier? Ach nee… siehe oben. Oder schafft sich da einer selbst ab?

Jan:

Schneller umstellen hätte die Autoindustrie in jedem Fall. Es ist aber eine ziemlich westlich zentrierte Weltsicht, wenn Du nichts von China schreibst, außer dass dort die Umsätze anfallen. China hat sich zum Mekka der Elektromobilität entwickelt. Nicht nur wegen Startups wie Nio, Xpeng, WM oder etablierten Playern wie BYD, auch die chinesische Politik mit früheren, kontrolliert abgebauten Unterstützungsleistungen und die vielen chinesischen Kunden – China, nicht USA oder Europa treiben das Thema doch voran. (Sorry, Norwegen, ihr seid zu klein.) Selbst Tesla produziert und verkauft dort einen Großteil der Fahrzeuge.

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