Volta Trucks steht nach Neustart erneut vor dem Aus

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volta Trucks hatte sich für den Neustart viel vorgenommen. Nach der ersten Insolvenz im Oktober 2023 sollte ein überarbeitetes Geschäftsmodell das Unternehmen zurück in die Spur bringen. Man war „stärker und fokussierter denn je“, doch dies scheint sich nicht bewahrheitet zu haben, wie Sustainable Truck & Van berichtet. Diese haben eine Nachricht über das erneute Scheitern aufgegriffen, die auf LinkedIn von Carla Detrieux, zuständig für Geschäftsentwicklung bei Volta, gepostet wurde.

In ihrem Beitrag blickt Detrieux auf fünf intensive Jahre zurück. Sie beschreibt, wie engagiert das Team gewesen sei, wie viel Herzblut in das Projekt geflossen sei – und wie enttäuschend das Ende nun sei. In ihren Worten schwingt Wehmut mit, aber auch Stolz auf das, was man gemeinsam aufgebaut habe. Die Firma, so schreibt sie, stehe nun wieder vor der Schließung.

Noch vor wenigen Wochen war die Stimmung deutlich optimistischer. Volta hatte öffentlich keine Details genannt, doch im Hintergrund liefen Gespräche mit potenziellen Investoren. Laut interner Aussagen stand ein neues Finanzierungsmodell kurz vor dem Abschluss. Es schien, als sei man auf einem guten Weg, frisches Kapital zu sichern und dem E-Lastwagen eine zweite Chance zu geben. Doch dieser Schritt kam offenbar nicht zustande.

Nach außen gab sich das Unternehmen bis zuletzt kämpferisch. Man sprach vom Wiederaufbau im sogenannten „Phoenix-Modus“ – ein Bild, das suggerieren sollte, Volta könne wie ein Phönix aus der Asche zurückkehren. Hinter den Kulissen hatte sich ein kleiner Kreis ehemaliger Mitarbeitender zusammengefunden. Sie wollten die Idee von Volta am Leben halten, das Konzept weiterentwickeln und Investoren überzeugen. Ziel war ein Geschäftsmodell, das stärker auf Partnerschaften setzte und in kleinen Schritten wieder Fahrt aufnehmen sollte. Doch das wirtschaftliche Umfeld und die fehlende Unterstützung von außen machten diese Pläne zunichte.

Volta Trucks war ursprünglich mit der Vision gestartet, emissionsfreie Lieferfahrzeuge für den Stadtverkehr zu entwickeln. Dabei setzte man auf ein neuartiges Design, das Sicherheit und Sichtfeld des Fahrers verbessern sollte. Das Innenleben wurde auf Ergonomie optimiert, die Technik auf urbane Bedürfnisse zugeschnitten. Erste Prototypen wurden 2021 vorgestellt, der Serienstart mehrfach verschoben. Auch Produktionspartner wurden gewechselt. All das verzögerte die Entwicklung und kostete Vertrauen – bei Investoren wie bei Kunden.

Ein Vorreiter in puncto Design und Vision, doch die Umsetzung scheiterte

Bereits beim ersten Insolvenzverfahren hatte sich gezeigt, wie schwer es jungen Marken im Nutzfahrzeugbereich fällt, sich gegen etablierte Anbieter durchzusetzen. Volta war zwar ein Vorreiter in puncto Design und Vision, doch in der Umsetzung mangelte es an Stabilität und Verlässlichkeit. Der Markt für elektrische Nutzfahrzeuge wächst zwar, bleibt aber hart umkämpft. Kunden setzen oft auf erprobte Technik, Liefersicherheit und flächendeckenden Service – Punkte, bei denen Start-ups kaum mithalten können.

Die nun erneut gescheiterte Rettung von Volta Trucks zeigt, wie schwer ein Comeback unter schwierigen Rahmenbedingungen ist. Trotz Engagement, Ideenreichtum und einem kleinen Kreis an Unterstützern reichte es nicht für einen nachhaltigen Neustart.

Quelle: Sustainabletruckvan – Volta Trucks goes out business, again. It’s another sad news for the e-truck sector

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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