US-Strafzölle: GM will keine Jahresprognose abgeben

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General Motors

Tobias Stahl
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Der US-amerikanische Autobauer General Motors (GM) will angesichts des Strafzoll-Wirrwarrs von US-Präsident Donald Trump keine Jahresprognose abgeben – trotz guter Zahlen im ersten Quartal. Die Zuwächse zum Jahresanfang könnten allerdings mit der Nervosität einiger Kunden und den entstehenden Vorzieheffekten zusammenhängen.

Anfang April meldete GM einen Anstieg der US-Verkaufszahlen im ersten Quartal um 17 Prozent. Laut Unternehmensangaben verzeichneten alle vier Marken des Unternehmens – Chevrolet, Buick, Cadillac und GMC – zweistellige Zuwachsraten. Diese wurden vor allem durch eine steigende Nachfrage nach Pick-ups und Crossover-SUVs befeuert. GM verzeichnete allerdings auch beim E-Auto-Absatz ein Plus von 94 Prozent. Chevrolet ist damit die am schnellsten wachsende Hersteller von Elektroautos in den USA, angetrieben durch die elektrischen Varianten der Crossover-SUVs Equinox und Blazer.

General Motors will weitere Entwicklung abwarten

Trotz der positiven Entwicklungen zog der US-Autobauer allerdings Ende April seine Jahresprognose zurück. Angesichts der angekündigten Strafzölle von US-Präsident Donald Trump und den damit verbundenen Unsicherheiten traut GM sich nun keine Prognose mehr zu, wie Reuters berichtet. In einem ungewöhnlichen Schritt habe GM seine Investorenanrufe auf Donnerstag verschoben, da das Unternehmen die möglichen Änderungen der US-Zollpolitik abwarten wolle. Trump hatte am Dienstag mit Blick auf die Strafzölle für Autohersteller teilweise zurückgerudert, nachdem Autohersteller die Pläne des Präsidenten massiv kritisiert hatten. Auch andere börsennotierte Konzerne haben angesichts der Zoll-Unsicherheiten ihre Prognosen zurückgezogen oder keine Prognosen für das laufende Jahr abgegeben.

Im Januar hatte GM für 2025 noch einen Nettogewinn zwischen 11,2 und 12,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert, dabei wurden etwaige Auswirkungen der Automobilzölle jedoch nicht berücksichtigt. „Die künftigen Auswirkungen der Zölle könnten erheblich sein“, sagte GM-Finanzvorstand Paul Jacobson laut Reuters. „Wir sagen den Leuten, dass sie sich nicht auf die vorherige Prognose verlassen sollen, und wir werden sie aktualisieren, wenn wir mehr Informationen über die Zölle haben.“ GMs Kosten sind im Vergleich zum Vorjahr um 400 Millionen US-Dollar (rund 350 Millionen Euro) gestiegen, was auf höhere Lohn- und Garantiekosten zurückzuführen sei, so Jacobson weiter.

Vorzieheffekte: US-Autokäufer zeigen sich wegen möglicher Preissteigerungen nervös

Der Hersteller pausiert zudem seine geplanten Aktienrückkäufe, bis mehr Klarheit über die wirtschaftliche Lage herrscht. Im Februar hatte das Unternehmen beschlossen, in der ersten Jahreshälfte 2025 Aktien im Wert von 2 Milliarden US-Dollar zurückzukaufen. Der Konzernumsatz, der im ersten Quartal um 2,3 Prozent auf 44 Milliarden Dollar gestiegen war, ist wohl zumindest teilweise auf Vorzieheffekte zurückzuführen: Kunden tätigten geplante Fahrzeugkäufe früher, um die befürchteten Preissteigerungen durch die Zölle zu umgehen. Erst Anfang April hatte Trump 25-prozentige Zölle auf Autos verhangen, die laut einer Studie des Center for Automotive Research die Kosten für die US-Autohersteller in diesem Jahr um voraussichtlich etwa 108 Milliarden US-Dollar erhöhen würden. Inzwischen hat Trump die Zölle dahingehend abgemildert, dass einige Abgaben auf ausländische Bauteile für Fahrzeuge aus US-amerikanischer Herstellung gesenkt wurden. Auch Doppelzölle sollen Trump zufolge verhindert werden.

Seit Jahresbeginn hat die GM-Aktie um rund 12 Prozent nachgegeben.

Quellen: General Motors – Pressemitteilung vom 29.04.2025 und 01.04.2025 / Reuters – GM pulls forecast due to tariffs as nervous consumers rush to buy

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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