Wie Porsche in Chile E-Fuels produziert

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Porsche

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der Höhepunkt der Eröffnungsfeier für die neue E-Fuel-Anlage Haru Oni im chilenischen Punta Arenas war die Betankung eines enzianblauen Porsche 911 mit dem neuen, fast kohlenstoffneutralen Kraftstoff durch Barbara Frenkel, die Beschaffungsvorständin der Porsche AG. Keine fünf Sekunden später vollführte der Neun-Elfer einen kleinen Drift. Am Steuer saß Michael Steiner, Forschungs- und Entwicklungsvorstand von Porsche, der zu diesem Anlass ebenfalls nach Chile gereist war.

Eigentlich sollte er für die wartenden Presseleute und Fotografen nur eine oder zwei Runden um den Sockel der gigantischen Windturbine drehen. Doch Steiner ist nun einmal ein Auto-Enthusiast und ein Porsche 911 ist eben ein Porsche 911. Überblickend, dass sich auf der anderen Seite der Windturbine keinerlei Publikum befand, entschloss er sich kurzerhand, hinter der Turbine einen kleinen Drift hinzulegen.

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Dieser kleine Moment fasst zusammen, was an den Gestaden der Magellanstraße im windigen Patagonien vor sich geht. Porsche hat dort in das Unternehmen HIF (Highly Innovative Fuels) investiert, das diese industrielle E-Fuel-Anlage als eine der ersten der Welt gebaut hat, um „Benzin“ auf völlig neue Weise herzustellen.

Porsche begann bereits vor einigen Jahren mit der Suche nach einem synthetischen Kraftstoff, der einen nahezu CO2-neutralen Betrieb von Verbrennungsmotoren ermöglichen würde. Getreu den Worten von Ferry Porsche, dass er den Sportwagen, von dem er träumte, nicht finden konnte und so beschloss, ihn sich selbst zu bauen, konnte auch der Sportwagenhersteller nicht das E-Fuel finden, von dem er träumte. So investierte Porsche mehr als 100 Millionen US-Dollar und brachte sein Know-how im Projektmanagement sowie seine umfangreichen Erfahrungen mit Hochleistungsmotoren ein, um HIF bei der Entwicklung von E-Fuels zu unterstützen.

„Das ist wie ein synthetischer Baum“

Die Anlage ist nahe Punta Arenas gelegen – ein Ort, an dem Windturbinen bis zu viermal häufiger mit Spitzenleistung laufen als an den windreichsten Orten in Deutschland. Zur Herstellung von E-Fuel wird im ersten Schritt Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Letzterer wird an die Atmosphäre abgegeben. „Das ist wie ein synthetischer Baum“, erklärt einer der Ingenieure in Chile. Der Wasserstoff wird dann mit CO2, das ansonsten in der Atmosphäre verbleiben würde, zu Methanol verbunden. In einem abschließenden Verfahren entsteht aus dem Methanol Benzin.

Selbst wenn man das Endprodukt in den erwarteten industriellen Größenordnungen den ganzen Weg zurück nach Europa transportieren sollte, wäre der erzeugte CO2-Ausstoß äußerst gering – insbesondere in Relation zu der Menge an CO2, die der Atmosphäre bei der Herstellung des Kraftstoffs entzogen wird.
Auch wenn sich Porsche nach wie vor der Elektromobilität verschrieben hat und im Jahr 2030 bei seinen Neuauslieferungen einen vollelektrischen Anteil von mehr als 80 Prozent anstrebt, sind noch sehr viele der im Laufe der Jahre produzierten Porsche-Fahrzeuge auf der Straße. Mit dem in dieser Pilotanlage hergestellten Kraftstoff können die Motoren dieser Wagen noch weit bis in die Zukunft laufen, ohne fossile Brennstoffe zu benötigen.

Noch wichtiger sei, wie Steiner anmerkt, „dass es nicht nur um Porsche geht. Heute fahren weltweit etwa 1,3 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auf den Straßen. Laut den Prognosen wird sich diese Zahl in den nächsten 15 Jahren nicht gravierend verringern, trotz des Aufschwungs der Elektromobilität.“ Und außerdem wurde bei der Eröffnungsveranstaltung nicht nur über Autos, sondern auch viel über den Bedarf für diesen regenerativen Kraftstoff in der Luft- und Schifffahrt gesprochen.

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Anfangs sollen jedoch sämtliche jährlich in Haru Oni produzierten 130.000 Liter für den Porsche Mobil 1 Supercup sowie weltweit andere Leuchtturm-Projekte wie die Porsche Experience Center verwendet werden. Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass Haru Oni 55 Millionen Liter und schon zwei Jahre später die zehnfache Menge Kraftstoff produzieren wird.

Haru Oni bezeichnet Porsche als ein Zeichen der Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel, für eine nachhaltigere Zukunft – und vielleicht auch unter der klangvollen Begleitung eines Sechszylinder-Boxermotors.

Quelle: Porsche – Pressemitteilung vom 14.02.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Birger:

Natürlich soll es bitte umgesetzt werden, aber wenn man jetzt schon Ackerflächen mit Solarparks zubaut und Nahrungsflächen dafür opfert, wo sollen dann noch die anderen Flächen her kommen? 0,2 % Bundesfläche ist ja auch nicht grade wenig. Alles auf die Dächer? Und Solar alles gut und schön, aber es fehlen doch für die Wintermonate die Speichermöglichkeiten, grade zu der Zeit, wo der meiste Strom heute schon gebraucht wird und dies wird mit zunehmenden E Autos und Wärmepumpen noch mehr. Ich finde es schade diese Punkte wegzuwischen oder nicht richtig zu beachten. Erst mal machen und wenn es dann Probleme gibt überlegen wie diese behoben werden? Man muss da echt kritisch bleiben und nicht alles einfach abtun. Da haben wir hier aber bestimmt alle kein Überblick drüber.

MuXXe:

Da bin ich doch mit meiner Schätzung von 2x 160GW durch Wind und Solar für den Anfang garnicht so schlecht.
Bei dir klingt das nun wieder so als wäre das nicht erstrebenswert. Warum soll das deiner Meinung nach unbedingt woanders umgesetzt werden um unseren Energiehunger zu stillen?

Birger:

Habeck hat heute grade gesagt, das sich durch die E Mobilität und Wärmepumpen bis zum Jahr 2045 verdoppeln wird! Dann mal zu mit Windrädern und Solarplatten.

Daniel W.:

… E Mobilität wäre verheerend! Es braucht einen klimaneutralen Mix.

A) Vergleich von BEV, FCEV und E-Fuel-Verbrenner:

Grafik auf ADAC-Webseite:

(Strom – z.B. Windkraftanlage – 3 MW Leistung, 2000 Stunden Volllast pro Jahr)

Strom – BEV – 3-MW-Windkraftanlage versorgt 1.600 Fahrzeuge

Wasserstoff – FCEV – 3-MW-Windkraftanlage versorgt 600 Fahrzeuge

eFuel – ICE – 3-MW-Windkraftanlage versorgt 250 Fahrzeuge

B) Erklärung der Grafik:

FCEVs benötigen gut das 2,5-Fache an PV- und Windkraftanlagen im Vergleich zu BEV, also auch das das 2,5-Fache an Material, Platz und Fachkräften.

Bei E-Fuels sind es sogar mehr als das 6-Fache an Material, Platz und Fachkräften.

C) Fragen:

Warum soll der Mix klimaneutraler sein, wenn H2 und E-Fuels viel mehr Material brauchen und damit einen viel höheren CO2-Fußabdruck verursachen?

Was ist bei E-Mobilität verheerend, wenn weniger Resourcen und weniger Platz gebraucht sowie ein viel kleinerer CO2-Fußabdruck verursacht werden?

MMM:

Stimmt teilweise, zumindest was Feinstaub angeht sind BEV aktuell nicht wesentlich besser als ICEV.
Bei den anderen Emissionen und beim Gesamtaufkommen allerdings schon. Da sind eFuels auch gar keine Verbesserung.
1x Windrad = 1x Emissionen
7x Windrad = 7x Emissionen + Schiff + Verladehafen + Entladehafen…

MMM:

Das ist nicht negativ speziell für das BEV, sondern gleichartig für alle Fahrzeuge.

MMM:

„Klimaneutral“ gibt es gar nicht.
Es gibt nur „wenig schädlich“, alles andere ist Marketing-Mist.
Und 7x „wenig“ ist dann eben nicht mehr so „wenig“, sondern schon „mehr“.

MMM:

Stimmt nicht.
Der Anteil der LPG-Gaslieferungen per Schiff am Gesamtverbrauch ist insgesamt gering, aber es kam halt auf jeden m³ an. Aus Norwegen z.B. kommt viel mehr, das macht aber in den Nachrichten nicht so viel her, weil das quasi unsichtbar abläuft.
Immerhin musste man dafür keine Naturschutzregelungen aufweichen.

Diese „Notstandsregeln“ werden bei eFuels auch keine Anwendung finden, da
1) noch mehr Terminals gebraucht würden
2) der Notstand ja eindeutig absehbar ist und es daher auch frühzeitig richtig Gegenwind geben wird.

MMM:

Die Solarstory ist ja bekannt, die hat mit Porsche eFuels aber nicht viel zu tun.
Die eFuels werden ja auch nicht aus Deutschland kommen, sondern… aus Chile. Wäre dann auch egal, wenn sie aus China kämen. Man lässt Porsche eh nur mitspielen. Sollte man dort unten auf eFuels oder auf Porsche irgendwann keine Lust mehr haben, geht der Ofen rel. schnell wieder aus.

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