„Mobilize“-Projekte: Miet-Auto, Cityflitzer und rollende Powerbank

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Wolfgang Plank

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Die Verteilung im Konzern scheint klar: Renault und Dacia kümmern sich um die Autos – für so ziemlich alles andere rund um die E-Mobilität gibt es „Mobilize“. Da findet sich das übliche Angebot zum komfortablen Laden – aber mit dem Projekt „Limo“ widmet sich das Unternehmen auch den immer beliebter werdenden flexiblen Bestellfahrten, dem sogenannten Ride-Hailing.

Zu diesem Zweck kann man – auch nur für Monate – einen Wagen mieten und diesen ähnlich einem Taxi für Fahrdienste anbieten. Ab kommendem Jahr auch in Deutschland. Eher ungewöhnlich für eine Renault-Initiative: Das ausersehene E-Auto stammt nicht aus heimischer Produktion, sondern wurde als JMEV zusammen mit Renaults chinesischem Joint-Venture-Partner Jiangling Motors in Nanchang entwickelt.

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Herausgekommen ist eine 4,67 Meter lange Stufenheck-Limousine mit reinem E-Antrieb und einer WLTP-Reichweite von gut 400 Kilometern. Der Wagen soll die künftige Ridehailing-Kundschaft mit 150 PS ans Ziel bringen – mit maximal Tempo 140, aber wenn es sein muss auch mit einem Spurt aus dem Stand auf 100 in unter zehn Sekunden. Am Schnelllader, so heißt es, lässt sich in 40 Minuten Energie für 250 Kilometer Reichweite in den 60-kWh-Akku ziehen.

Und warum kein elektrischer Megane? Die Leute würden für derlei Zwecke genau diese Art von Fahrzeug bevorzugen, sagt Mobilize-Chefin Clotilde Delbos – mit langem Radstand und üppigem Platz im Fond. Aktuell gebe es aber auf dem europäischen Markt und auch im eigenen Unternehmen kein vergleichbares Angebot. Nicht ausgeschlossen sei allerdings, dass irgendwann einmal auch E-Autos französischer Provenienz verwendet würden.

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Offiziell gefallen ist zudem die Entscheidung für eine Palette von elektrischen Kleinstfahrzeugen – einem dem Ur-Smart vergleichbaren City-Flitzer namens „Duo“, wahlweise auch als Lasten-Version „Bento“ mit einem Kubikmeter Laderaum sowie einem das Dreifache fassenden Mini-Transporter „Hippo“ für die letzte Meile. Die nicht nur praktischen, sondern auch charmant designten Fahrzeuge sollen ab 2023 innerhalb der Renault-Gruppe gebaut werden. Auch sie wird es allerdings nicht zu kaufen geben, sondern nur im Miet-Verhältnis.

Bleibt trotz aller Blicke in die Zukunft mindestens einer Richtung Ende. Was sinnreich tun mit all den in die Jahre gekommenen Akkus von Renault Zoe und Co.? Recyceln direkt nach dem Einsatz im E-Auto wäre zu früh, sagen Fachleute – und so schenkt ihnen Mobilize zusammen mit dem Berliner Start-up „betteries“ erst einmal ein zweites Leben.

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Zu diesem Zweck landen gebrauchte Zellen in der „Re-Factory“ der Renault-Gruppe im französischen Flins – und verlassen sie in stapelbaren Akku-Packs, die großen Legosteinen ähnlich auf eine Art Sackkarre montiert werden, in der sich Wechselrichter und Ladegerät befinden. Je nach Anzahl (maximal vier) dieser „betterPacks“ bietet das System bei 230 Volt eine Leistung von zwei bis fünf kW und eine Kapazität von 2,3 bis 9,2 kWh. Eine Version für Kraftstrom ist in Vorbereitung. Die rollende Powerbank ersetzt damit übliche Generatoren – hat aber den entscheidenden Vorteil, dass sie keine Abgase ausstößt und darum auch in geschlossenen Räumen verwendet werden kann.

Bei „betteries“ sieht man unterschiedlichste Anwendungsmöglichkeiten – vom Einsatz auf Baustellen und bei Dreharbeiten über mobile Küchen bis zu Elektro-Booten. Auch schlüsselfertige Lösungen für Dreirad-Fahrzeuge wie Ape oder Tuk-Tuk sind in Arbeit. Und da ein „betterPack“ nur gut 30 Kilo wiegt, kann er von zumindest kräftiger Hand einfach getauscht werden.

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Mit der offiziellen Zertifizierung rechnet man bei „Mobilize“ noch in diesem Jahr. Aktuell laufe die Vorbereitung auf die Serienfertigung, heißt es. Geschätzter Preis: Rund 1000 Euro für den Ladewagen und je 800 pro Akku-Pack. Weil man die Idee aber genau da braucht, wo das übliche Stromnetz zumindest grobmaschig ist, soll es für Entwicklungsländer Sonderkonditionen geben.

Um die zehn Jahre, schätzt man bei „betteries“, könnten die Second-Hand-Akkus auf diese Weise noch Dienst tun, deren CO2-Abdruck um bis zu 20 Prozent senken – und nebenbei ein kleines bisschen die Welt verbessern.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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