Kräftiger Ausbau im Ionity-Netz?

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Wolfgang Plank
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  —  Lesedauer 2 min

Beim europäischen Lade-Netzwerk Ionity läuft es nicht rund. Statt der bis Ende 2020 geplanten 400 Ladestationen sind aktuell nur etwa 330 in Betrieb, dass die bis Ende 2021 versprochenen 430 Stationen ans Netz gehen, gilt als unwahrscheinlich. Und das bei steigenden Verkaufszahlen für E-Fahrzeuge. Bei den Autobauern sorgt man sich mittlerweile, dass es an den Ladestationen verstärkt zu Staus kommen könnte. Genau das aber sollte verhindert werden, damit potenzielle Kunden von E-Autos nicht verschreckt werden. Immerhin wurde das Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Ford, Daimler und Volkswagen gegründet, auch Hyundai und Kia sind mittlerweile an Bord.

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg prüft Ionity derzeit, sein Ladenetz „erheblich“ auszubauen. Die Hersteller hinter dem 2017 gegründeten Joint Venture würden darüber nachdenken, das Unternehmen mit zusätzlichem Kapital auszustatten. Diskutiert werde ein Wachstumsplan für eine schnelle Expansion mit Hochleistungs-Ladeinfrastruktur.

Alle Partner sollen bisher jeweils rund 200 Millionen Euro beigesteuert haben. Zusätzliche Gelder würden neue Schnelllader in Städten und an weniger frequentierten Fernstraßen ermöglichen, heißt es. Derzeit konzentriert sich Ionity auf viel befahrene Schnellstraßen und unterhält nur vereinzelt Ladepunkte in Städten. Die beteiligten Hersteller verfolgen mit Ionity eine Premium-Strategie, seit 2020 kostet eine Kilowattstunde 79 Cent. Andere Anbieter sind deutlich günstiger.

Für den Durchbruch in den Massenmarkt wird eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur als unabdingbar angesehen. BMW-Chef Oliver Zipse hat in seiner Rolle als Präsident des europäischen Herstellerverbands ACEA kürzlich erklärt, die verzögerte Installation in der EU gefährde den Erfolg von Elektroautos ernsthaft. Die Politik müsse schnell aktiv werden und ihren Mitgliedsstaaten verbindliche Ziele für den Hochlauf vorgeben. Auch VW-Chef Herbert Diess hatte im Dezember seine Unzufriedenheit mit dem Tempo bei Ionity öffentlich kundgetan: Man liege ein Jahr hinter dem Zeitplan.

Konkurrenz für Ionity könnte demnächst sogar intern entstehen. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, planen Porsche und Audi ein eigenes Netz mit zusätzlichen Premium-Services. Die Hoffnung der Verantwortlichen: Die neuen Stationen könnten kleine Markenzentren werden, eine Mischung aus Gastronomie und ­Autohändler. Die Rede ist von 200 Stationen. Für eine gute Idee halten das allerdings nicht alle. Es brauche nicht noch mehr geschlossene Ladenetze nach dem Vorbild von E-Auto-Pionier Tesla, so die weit verbreitete Meinung. Erst kürzlich hat sich Thomas Ingenlath, Chef der Volvo-E-Auto-Submarke Polestar gegen „exklusive Ladeclubs“ ausgesprochen.

Quelle: ecomento.de / Manager Magazin / Bloomberg

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Tom:

…aber eben nur im Abo mit Grundgebühr!

Tom:

…auch aus der Gruppe der Eigentümer kommend wirst du aber spätestens nach 1, 2 Jahren monatliche Grundgebühren zahlen. Ansonsten wirst du abgezockt! Für Menschen die aber weniger oft lange Strecken fahren und viel zuhause laden können rechnet sich weder irgend ein Abo, noch sind 79cent fair!

Johannes:

Ab welcher Grundgebühr pro Monat gelten die 29 Cent pro kWh?

Matthias Geiger:

Ionity fährt hier eine Premium Strategie die aus meiner Sicht so zum scheitern verurteilt ist.
Mit 79 ct/kWh laden die Kunden zurecht nicht bei Ionity. EnBW ist ausgestiegen und der ADAC mit der ABAC EnBW Mobility+ Card sollte sich im Interesse der Autofahrer vom Ionity Konzept deutlich distanzieren.

Peugeot Ion Fahrer:

Eben Peter, da wir einen kleinen Peugeot IOn fahren, der nicht zum Ladeverbund zählt, wird mich IONITY auch nicht sehen ! Mit einer solchen Preispolitik wird die E-Mobilität in D abgewürgt. Ich hatte die Hoffnung, das wir keine zwei Klassengesellschaft einführen würden. Leider Fehlanzeige …

Niko:

Finde ich gut, dass Ionity Druck bekommt den Ausbau zu beschleunigen. Zwar ist das – wie Tesla – ein Exklusiv-Club für Luxus Autos. Aber so ist das nunmal in unserer Gesellschaft. Was beim Luxus Verbrennungsmotor die PS sind ist halt beim eAuto insbesondere auch das Ladenetz.

Aber Fastnet, EnBW und Co sind auch sehr gut und mit 39 ct im EnBW+ Tarif auch in einem für viele bezahlbaren Preisbereich

Quaster:

Eben, die Masse kann’s aber nicht. Und Subventionen, Beihilfen bezahlen wir alle, auch Deine Anlage!
Und Nachts funzt keine Anlage auf dem Dach.

Roma:

Eigentlich lächerliche Zahlen die Ionity hier abliefert.
Entweder steckt da zuviel Politik darin, die Mrd. Konzerne im Rücken sind sich nicht einig, oder die Kerzen sind schlicht nicht die hellsten.
Für die schlechten Konditionen will dort aber e kaum wer laden, aber traurig, dass gerade mal 336 Stationen, also ca. 1700 Ladepunkte am Start sind.

Eine Firma, die seit Jahren pleite ist, schafft mehr als 3x soviele, zuverlässige Ladepunkte, und das auch noch ohne bis zu 50% Steuergelder dafür einzustecken.

Roma:

Toll, wie mit Steuergeldern der Allgemeinheit gedient wird, mit Wucherpreisen.

Anonymous:

Um diesem düsteren Zukunftsszenario mal etwas positives zu entgegnen:
Bei Benin, Diesel und Wasserstoff kann der Staat beliebig hohe Steuern erheben.
Bei BEVs die zu über 90% zu Hause geladen werden sind wir beim Nachtstrom (Grünstrom) von Naturenergie immerhin nur bei 19Cent.
Da fehlen aber noch 400% bis zum heutigen Preis von Ionity.

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