Das Wettrennen um die Batterieproduktion: Europas Streben nach Selbstständigkeit

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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
  —  Lesedauer 3 min

Die Batterietechnologie entwickelt sich rasant weiter und ist dabei, die Elektroautomobilindustrie weiter umzukrempeln. Das ist auch nötig, denn die Skepsis hinsichtlich der Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit von Batterien besteht weiterhin. Doch derzeit findet eine bemerkenswerte Verschiebung statt: Asiatische Gigafabriken ziehen zur Produktion ihrer Batterien nach Europa.

Frankreich hat einen großen Schritt in Richtung dieser neuen industriellen Revolution gemacht. Regionen, die bisher eher für ihre strukturelle Schwäche bekannt waren, wie Nordfrankreich, werden zu Hightech-Produktionsstandorten umgewandelt. Könnte eine ähnliche Transformation auch für das Ruhrgebiet in Deutschland möglich sein? Investitionen gibt es in Europa überall. Jetzt hat Frankreich eine weitere große Investition verkündet.

Im Juli letzten Jahres begeisterte die Demonstration der Sicherheit und Haltbarkeit von ProLogiums Festkörperbatterien den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Zehn Monate später stand Macron neben ProLogiums CEO Vincent Yang in Dunkerque, um anzukündigen, dass ProLogium die nordfranzösische Hafenstadt für seine erste E-Auto-Batterie-Gigafabrik außerhalb Taiwans ausgewählt hat. Die Errichtung dieser Fabrik ist Teil von Macrons Plänen, die arme, ehemalige Kohlebergbauregion nahe Belgien in ein Zentrum für die EV-Batterieindustrie zu verwandeln.

Ein Wettrennen um Europas Batterieproduktion

Die Ansiedlung der Gigafabriken in Frankreich ist das Ergebnis einer großzügigen Subventionspolitik und persönlicher Lobbyarbeit durch Macron. Neben ProLogium planen Chinas Envision AESC, das französische Start-up Verkor und das ACC-Konsortium, an dem Mercedes und Stellantis beteiligt sind, Gigafabriken in der gleichen Region zu errichten.

Die Entscheidung, europäische Standorte für die Batterieproduktion zu wählen, steht im Einklang mit dem Bestreben der Automobilhersteller, die Kontrolle über ihre Lieferketten zu stärken und die Batterieproduktion näher an ihre Fertigungsstandorte zu verlegen.

Die europäischen Regierungen begrüßen diese Entwicklung, da sie befürchten, dass die milliardenschweren Subventionen des US-Inflationsreduktionsgesetzes zur Reduzierung von Emissionen und zur Stärkung der heimischen Fertigung Investitionen in die USA umleiten könnten. Daher präsentiert Frankreich die Umwandlung seines einst industrialisierten Nordens in ein Gigafactory-Hub als Sieg für die europäische Wirtschafts- und Fertigungssouveränität angesichts der starken Konkurrenz aus den USA und China.

Dennoch liegt Frankreich im Hinblick auf die Anziehungskraft für Batteriehersteller noch hinter Deutschland. Frankreich hat 169 GWh an geplanten oder bestehenden Standorten, im Vergleich zu Deutschland mit 545 GWh und Ungarn mit 215 GWh. Doch Frankreich holt auf, teilweise dank seiner Großzügigkeit bei der Vorfinanzierung von Projekten.

Um die Festkörperbatterie-Fabrik von ProLogium zu sichern, die eine Gesamtinvestition von 5,2 Milliarden Euro und die Schaffung von 3000 Arbeitsplätzen mit sich bringt, hat Frankreich Anreize im Wert von mehr als 1 Milliarde Euro geboten. Darüber hinaus hat Macron persönlich für die Lockerung der EU-Beihilfevorschriften lobbyiert, um die Art von Subventionen, die Washington der Industrie unter dem Inflation-Reduction-Act (IRA) anbietet, in den EU-Mitgliedstaaten zu ermöglichen.

Ein neuer Hoffnungsschimmer für strukturschwache Regionen?

Diese Umwandlung von strukturschwachen Regionen in Hightech-Produktionsstandorte könnte auch für andere europäische Länder, darunter Deutschland, ein Weg sein. Die Frage ist, ob Regionen wie das Ruhrgebiet, die in der Vergangenheit unter Strukturproblemen gelitten haben, von ähnlichen Investitionen in Batterietechnologien profitieren könnten.

Trotz aller Fortschritte sind jedoch auch Bedenken zu berücksichtigen. Kritiker argumentieren, dass Frankreich sich den Launen von Unternehmen aussetzt, die Regierungen gegeneinander ausspielen, um mehr öffentliche Gelder zu gewinnen. In der Tat könnte die Verlagerung der Batterieproduktion nach Europa ebenso gut eine temporäre als eine dauerhafte Entwicklung sein.

Die Dynamik der Batterietechnologie und die Verlagerung der Produktion nach Europa sind dennoch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Elektromobilität und die damit verbundene Industrie im Kommen sind. In diesem Sinne bleibt das Wettrennen um die Batterieproduktion spannend – sowohl für die Länder als auch für die Automobilindustrie selbst.

Quelle: Reuters – France rolls out the red carpet for EV battery factories

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Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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Helmut L.:

„Könnte eine ähnliche Transformation auch für das Ruhrgebiet in Deutschland möglich sein?“
Das wird nicht stattfinden, weil der Industriestrompreis in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten viel zu hoch ist: Folge jahrzehntelanger falscher Politik.

Kliko:

Aber nicht in Österreich denn unsere Politiker schlafen wie immer nein sie sind ja für den scheiss EFuels

MKU:

Aufgrund der Verfügbarkeit von EE halte ich Standorte an der Küste für wahrscheinlicher. Strukturschwach stimmt da aber meistens.

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