VW stoppt Produktion in Dresdner Manufaktur

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen beendet Ende des Jahres die Auto-Produktion in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Damit endet ein Kapitel, das mit dem Phaeton begann und zuletzt den ID.3 prägte. Ein Nachfolgeplan für den Standort liegt noch nicht vor. Zwar laufen Gespräche, doch klare Entscheidungen fehlen bislang, wie die Automobilwoche berichtet.

Die Technische Universität Dresden verhandelt demnach derzeit mit Volkswagen und dem Land Sachsen über ein mögliches Folgeprojekt. Im Raum steht ein Innovationscampus, der neue Technologien voranbringen soll. Ein Treffen Anfang Juni brachte Vertreter von VW, TU Dresden, Stadt und Freistaat an einen Tisch. Die Initiative ist jedoch noch nicht spruchreif. Ein unterschriebener Vorvertrag existiert bislang nicht.

Volkswagen selbst bestätigt lediglich die geplante Einstellung der Produktion. Man prüfe derzeit alternative Nutzungsmöglichkeiten, auch gemeinsam mit externen Partnern. Mehr wolle man aus Rücksicht auf laufende Abstimmungen mit dem Betriebsrat aktuell nicht sagen. Die Universität äußert sich etwas konkreter. Ziel sei, in Bereichen wie Robotik, Chipdesign, KI und Kreislaufwirtschaft neue Forschungsansätze zu entwickeln – eng verzahnt mit der Industrie.

Wie viel Raum die TU tatsächlich benötigt, ist offen. Zur Diskussion steht die Hälfte der Flächen. Dafür sei laut Insidern ein jährlicher Mietbetrag von rund 3,5 Millionen Euro denkbar. Sollte weniger Fläche genutzt werden, könnte dieser Betrag sinken. Eine Beteiligung von VW an gemeinsamen Projekten wäre denkbar. Genannt wird eine Summe von rund drei Millionen Euro pro Jahr aus dem Forschungsetat des Konzerns.

Gläserne Manufaktur Dresden: Entscheidung soll bis Sommer 2025 fallen

Klarheit bis zum Sommer – dieses Ziel nennt die Universität. Ob es eingehalten werden kann, ist ungewiss. Die beteiligten Partner sehen darin ein sportliches Vorhaben. Unklar bleibt auch, wie sich der Wandel auf die rund 320 Beschäftigten auswirkt. Für sie gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Doch was nach dem Produktionsende konkret geschieht, weiß derzeit niemand.

Bereits in der Vergangenheit mussten Mitarbeitende aus Dresden für ihre Arbeit ins Werk nach Zwickau pendeln. Dort läuft die Produktion jedoch ebenfalls nicht auf Hochtouren. Neue Aufgaben in unmittelbarer Nähe könnten den Druck verringern. Der Betriebsrat sieht die Lage sehr ernst. Eine reine Forschungsnutzung würde keine ausreichende Beschäftigungsperspektive bieten.

Denkbar wäre deshalb auch eine Kombination aus Forschung und praktischer Anwendung. Die TU Dresden hätte durch den Standort am Großen Garten zwar einen prestigeträchtigen Forschungsort. Doch entscheidend ist die Möglichkeit, Erkenntnisse direkt an realen Abläufen zu testen. Eine Verbindung von Theorie und Praxis gilt als besonders wertvoll. Auch das touristische Interesse an der Manufaktur spielt dabei eine Rolle.

Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich: eine Demonstrationsfertigung. Dabei würden Autos für Ausstellungszwecke gebaut und danach wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Für Besucher wäre das ein Blick in die Produktionswelt, für Forscher ein Zugang zu realen Prozessen. Die Rückführung der Materialien könnte zudem wichtige Erkenntnisse für Recycling und Kreislaufwirtschaft liefern.

Auch die Fertigung von Kleinserien oder Spezialmodellen wurde ins Spiel gebracht. In früheren Aussagen nannte der Betriebsrat sogar Lamborghini als möglichen Kandidaten. Diese Lösung würde zwar nicht die volle Kapazität ausschöpfen, könnte aber Arbeitsplätze sichern und die Verbindung zu Premium-Produkten erhalten. Die nächsten Wochen dürften entscheidend sein. Ob Forschung, Produktion oder eine Mischung – Dresden braucht einen Plan, der wirtschaftlich tragfähig ist und den Menschen vor Ort eine Perspektive bietet.

Quelle: Automobilwoche – VW: Für die Gläserne Manufaktur in Dresden bahnt sich eine Lösung an

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Achim:

Sommer 2025 – das ist ja schon jetzt sozusagen. Dementsprechend müssten die Verhandlungen bereits auf der Zielgeraden sein.

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