Toyota bZ4X im Test: Noch viel Luft nach oben

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Daniel Krenzer

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  —  Lesedauer 5 min

Zwar sind die Japaner vom Auto-Weltmarktführer Toyota schon lange Vorreiter von hybriden und besonders sparsamen Verbrennerautos und ebenfalls Pioniere der wasserstoffelektrischen Fahrzeuge. Doch vollelektrisch agiert Toyota bislang noch sehr behutsam. Wir haben uns näher angeschaut, was mit dem Toyota bZ4X das erste vollelektrische Modell der Marke (von Nobel-Tochter Lexus gab es bereits den UX300e) auf dem europäischen Markt so kann – und was vielleicht (noch) nicht.

Als Testwagen vorgefahren ist die Version mit Frontantrieb und 150-kW-Elektromotor (204 PS) mit Comfort-Paket und Metallic-Lackierung und einem Listenpreis von etwas mehr als 55.000 Euro. Folgende Dinge sind beim Test besonders aufgefallen:

Pluspunkte des Toyota bZ4X

Verarbeitung und Komfort: Der bZ4X ist sauber verarbeitet und bietet – ganz Toyota – auch reichlich Komfort. Zwar gibt es viel Hartplastik, doch auch Stoffelemente und Klavierlack sind zu finden, insgesamt fühlen sich Fahrer und Mitfahrer durchaus wohl. Der Kofferraum ist mit 452 Litern Fassungsvermögen angenehm groß, durch die SUV-Form passen auch hohe Gegenstände gut hinein. Auch vorne gibt es einige Ablagen und Verstaumöglichkeiten, sodass das Fehlen des Handschuhfachs weitgehend zu verschmerzen ist.

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Fahreigenschaften: Zwar sind 150 kW Leistung für ein knapp 4,70 Meter langes und gut zwei Tonnen schweres Fahrzeug nicht überbordend viel, dennoch fährt sich der bZ4X selbst mit dem Vorderradantrieb stets agil und schwimmt auch auf der Autobahn ordentlich mit – zumindest bis zu den 160 Stundenkilometern, die das Fahrzeug zulässt. Dabei liegt der Wagen satt auf der Straße, die Federung ist ausgewogen und angenehm. Da lassen sich auch lange Strecken sehr gut aushalten.

Verbrauch und Reichweite: Trotz seiner 1,60 Meter Höhe ist der bZ4X als Fronttriebler recht sparsam unterwegs, während die Allradversion – wir testeten zu Beginn des Jahres den weitgehend baugleichen Subaru Solterra – nicht sonderlich effizient unterwegs war. Nur mit den beiden vorderen Rädern angetrieben hielt sich der Verbrauch aber in akzeptablen Grenzen. Laut Bordcomputer sind Fahrten abseits der Autobahn von um die 15, 16 kWh auf 100 Kilometer gut machbar, auf der Autobahn klettern die Werte auch mal auf 26,5 kWh. Kombiniert verzeichneten wir knapp 20 kWh Verbrauch – nicht berücksichtigt sind dabei allerdings die Ladeverluste. Mit dem 64 kWh netto fassenden Akku sind also einigermaßen vernünftige Reichweiten drin – auf der Autobahn ist etwa nach 200 bis 250 Kilometern ein Nachladen fällig.

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Die Sicherheit: Die Assistenzsysteme für ein sicheres Fahren agieren zuverlässig, als Fahrer fühlt man sich jederzeit gut beschützt – und zudem umfassend informiert, weshalb das Fahrzeug hin und wieder eingreift.

Minuspunkte des Toyota bZ4X

Die Ladeleistung: Ja, Toyota hat nachgebessert. Nachdem beim Subaru Solterra (und somit auch beim bZ4X) Anfang des Jahres die Ladegeschwindigkeit noch erschreckend niedrig war, dümpelt sie nun nicht mehr die meiste Zeit bei unter 30 kW herum. Berauschend ist das Ladeerlebnis aber leider immer noch nicht. Im Optimalfall (also mangels Batterievorkonditionierung auf der Autobahn durch mehrfach starkes Rekuperieren und Beschleunigen aufgewärmter Akku und weniger als 20 Prozent Restakku) kletterte die Ladeleistung mal kurz über 120 kW, um sich dann aber sehr schnell bei knapp 80 kW und ab etwa 60 Prozent Ladestand schon unter 60 kW zu beruhigen. Wer nicht bei 80 Prozent weiterfahren will, der braucht für jedes weitere Prozent reichlich Geduld, da wird dann wieder unter 30 kW gedümpelt. Bei kaltem Akku sowieso. Immerhin sind die neu bestellten bZ4X inzwischen fürs dreiphasige AC-Laden vorbereitet und schaffen somit an normalen Ladesäulen inzwischen 11 kW statt zuvor nur 6,6 kW. Seltsamerweise braucht das Ladekabel aber immer ein wenig manuelle Zuwendung, um am Ende auch zu verriegeln.

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Die Navigation: Immerhin zeigt die Navigation neben vielen anderen Dingen auch an, wo sich Ladestationen befinden. Hauptaugenmerk liegt aber auf herkömmlichen Tankstellen, auch wenn die in zumindest noch sehr vielen Fällen bei einem vollelektrischen Fahrzeug nicht weiterhelfen. Den Ladestand ignoriert das Navi dabei gänzlich. 280 Kilometer bis zum Ziel, aber nur noch 200 Kilometer Reichweite? Ist dem Navi egal. Dem Fahrer aber nicht…

Der Tacho: An sich ist es eine pfiffige Idee, statt eines Head-up-Displays einfach den gesamten Tacho etwas höher hinter das Lenkrad zu legen. Dumm nur, wenn der Fahrer die vielseitig einstellbaren Sitze perfekt nach seinen Wünschen eingestellt hat, um dann festzustellen, dass er nun raten muss, wie schnell er eigentlich ist – vom Tacho sind im falschen Winkel nur noch Bruchteile zu sehen. Aber am Ende ist das ja gar nicht so schlimm, weil:

Das Gebimmel: Die neuen EU-Vorgaben, die vor allem von asiatischen Herstellern akribisch umgesetzt werden, sind einfach zum Heulen. Wie war neulich bei Kollegen so schön zu lesen? „Man wähnt sich am Steuer eher an einer Supermarktkasse„, hieß es. Schon ab zwei Stundenkilometern (Tacho, nicht GPS) zu viel (und oft liegt die Verkehrszeichenerkennung überdies auch noch gehörig daneben) ertönt ein Protestklingeln. Ein neues Tempolimit, ein Schulterblick, der als vermeintliche Unaufmerksamkeit des Fahrers gewertet wird und wer weiß was noch alles löst jeweils einen Hinweiston aus. Rabimmel, rabammel, rabumm – leider nicht nur an Sankt Martin.

Fazit

Der Toyota bZ4X ist mit Blick auf die klassischen Tugenden wie Komfort und Wertigkeit ein richtig gutes Auto. Bloß ist er leider als Elektroauto eher eine Enttäuschung – zumindest für diejenigen, die auch mal mehr als 200 Kilometer an einem Tag fahren wollen. Toyota tut sich ganz offensichtlich noch schwer damit, sich auf die Elektromobilität in Reinform einzustellen. Das ist schade, aber zumindest hat der Hersteller nachgebessert, seitdem das Fahrzeug auf dem Markt ist.

Es bleibt also zu hoffen, dass nachfolgende vollelektrische Modelle der Japaner wettbewerbsfähiger werden. Derzeit ist Toyota bei Hybriden zwar weiterhin absolut erstklassig, stromert aber beispielsweise der Konkurrenz aus Südkorea noch deutlich hinterher. Vielleicht ist es ja Absicht, dass man sich den Namen des Models so schlecht merken kann.

Disclaimer: Das Testfahrzeug wurde für zwei Wochen kostenlos vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Ein erster ausführlicher Testbericht ist bereits in der Fuldaer Zeitung erschienen.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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