VW ID.Buzz LR GTX im Test: Der geräumige Power-Bulli

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Daniel Krenzer

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  —  Lesedauer 6 min

Mehr Elektro-Bulli geht nicht: Mit dem VW ID.Buzz GTX mit langem Radstand hat die aktuelle Spitzenversion des sympathischen Elektro-Vans für zwei Wochen zum Test vorbeigeschaut. Gut 1100 Kilometer legten wir in ihm bei zumeist sehr winterlichem Wetter zurück. Getestet haben wir die Variante als Sechssitzer, auch sieben Sitzplätze sind möglich.

Angetrieben wird das sportliche Familiengefährt von einem 250 kW (340 PS) starken Allradantrieb, die Nettokapazität des Akkus beträgt 86 kWh. Mit langem Radstand ist der ID.Buzz 4,96 Meter lang, 2,21 Meter breit inklusive Spiegel und knapp 1,93 Meter hoch. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 Stundenkilometern, der Sprint von 0 auf 100 Stundenkilometer ist in flotten 6,5 Sekunden zu meistern. Für die Sicherheit hat Euro NCAP volle fünf Sterne vergeben.

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Wie immer sind uns während der Testzeit einige Dinge besonders aufgefallen:

Die Pluspunkte des VW ID.Buzz LR GTX

Die Familienfreundlichkeit: Gerade für Familien bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Vorne sitzt es sich entspannt und in Vollausstattung massiert durchaus angenehm, doch auch in Reihe zwei und drei herrscht üppige Beinfreiheit selbst für Erwachsene. Überall gibt es gute Ablagemöglichkeiten, Getränkehalter und USB-Ladeports, die Temperatur ist hinten unabhängig von den vorderen Plätzen wählbar. Der Zustieg zur hinteren Reihe erfolgt wahlweise durch die Mitte oder bei Umklappen der Sitze in Reihe zwei seitlich.

Selbst mit allen sechs Sitzplätzen passen noch mehrere große Reisetaschen oder Rücksäcke in den Kofferraum, in dessen unterem Teil zwei Schubfächer zum Beispiel für die Ladekabel und weiteren Kleinkram zu finden sind (ausstattungsabhängig). Die Schiebetüren rechts und links helfen dabei, dass beim Ein- und Aussteigen keine benachbarten Autos eine zu energisch geöffnete Türe abbekommen. Wie die Heckklappe bewegen sich auch die Seitentüren mühelos elektrisch.

Noch mehr Platz im Kofferraum gibt es, wenn die dritte Sitzreihe umgeklappt wird. Auch die zweite Reihe lässt sich umlegen – oder die Sitze auch ganz ausbauen. So entstehen bis zu 2469 Liter Ladevolumen – zum Beispiel, wenn man den ID.Buzz zu zweit als Camper nutzen möchte. Das Umklappen geht dank dafür vorgesehener Ösen innerhalb von Sekunden. Einen Frunk gibt es konstruktionsbedingt indes nicht, vor der Windschutzscheibe geht es schnurstracks runter. Mehr als ein großes VW-Logo und eine kecke Fahrzeugfront ist dort nicht zu finden. Um Scheibenwasser nachzufüllen, lässt sich die vordere Blende von Innen aus öffnen und dann aufklappen. Beliebt bei Kindern dürfte auch das große Panoramadach sein, das am einfachsten auf Sprachbefehl hin klar oder milchig eingestellt werden kann. Am Testwagen gab es zudem die optionale ausklappbare Anhängerkupplung, an der gebremst bis zu 1600 Kilo gezogen werden dürfen.

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Die Agilität: Als GTX hat der VW ID.Buzz ordentlich Zug drauf. Überholmanöver auf der Landstraße gelingen spielend einfach, und auf dem Auffahrtstreifen der Autobahn dürfte so mancher auf der Fahrspur überrascht sein, wie flink sich der Bulli einordnen kann. Bis Tempo 160 zieht der VW-Bus bei Bedarf kräftig nach vorne, ehe er abgeriegelt wird. Aufgrund seiner baulich bedingten Windanfälligkeit reicht das aber völlig. Dank des schweren Akkus liegt der Elektro-Bulli jedoch satt auf der Straße, und in der Stadt erfreut man sich an einem angenehm geringen Wendekreis. Und wenn es doch mal eng wird, parkt der Buzz auch recht souverän eigenständig ein.

Zudem gibt es mehrere Fahrmodi, wobei Sport am meisten Performance aus dem ID.Buzz holt und Eco einen sparsameren Betrieb ermöglicht. Alle Einstellungen lassen sich aber auch individualisieren. Im B-Modus gibt es zudem eine deutlich stärkere Rekuperation, dieser kann unabhängig von den Fahrmodi per Gangwahlhebel ausgewählt werden.

Die Sympathiewerte: Mit seinem etwas frechen „Gesicht“ zieht der Elektrobulli immer wieder erfreute Blicke auf sich. Mehrfach sahen wir erhobene Daumen, einmal blieb sogar ein Lieferwagen neben uns stehen, als wir gerade an einer AC-Ladesäule einparkten, und der Fahrer jubelte und fast schon frenetisch zu. Ein Bulli von VW war früher etwas Besonderes, ein Symbol der Freiheit und ein praktischer Weggefährte. Volkswagen ist es aus unserer Sicht sehr gut gelungen, diese Werte in das Zeitalter der Elektromobilität mitzunehmen.

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Das Lademanagement: Ebenfalls gut ist das Lademanagement im größten Elektro-VW. Die Präferenzen bei den Ladesäulen unterwegs lässt sich vergleichsweise gut auswählen, die Batterievorkonditionierung lässt sich neben der Navigation auch manuell aktivieren – braucht aber je nach aktuellen Temperaturen mit bis zu 50 Minuten seine Zeit. Und schön wäre es, wenn es auch über die Sprachsteuerung funktionieren würde, aber wie diese „laut ChatGPT“ verrät, hat sie keine Ahnung, wie das gehen soll. Dafür ist die Ladeperformance dann selbst im Winter sehr ordentlich. Als Höchstwert haben wir 170 kW abgelesen, und auch bei Minusgraden sahen wir von 20 bis mehr als 70 Prozent eine recht konstante Ladekurve mit mehr als 100 kW Ladeleistung. In der Spitze sollen sogar 200 kW Ladeleistung und 145 kW im Schnitt von 10 bis 80 Prozent möglich sein.

Die Minuspunkte des VW ID.Buzz LR GTX

Der Verbrauch: Ein VW-Bus war noch nie sonderlich windschnittig, und das ist auch die Elektro-Variante nicht. Zudem mit leistungsstarkem Allradantrieb bestückt und im Winter gefahren war es uns mit dem Testwagen auf der Autobahn fast unmöglich, auf einen Verbrauch von weniger als 30 kWh zu kommen. Auf einer längeren Landstraßenfahrt standen 27 kWh zu Buche, bei richtig flotter Fahrt ging es aber auch mal nah an die 50 kWh. Kombiniert nach knapp 1100 Kilometern mit einigen Tempofahrten zeigte der Bordcomputer am Ende 30,4 kWh an. Wer da öffentlich laden muss, muss sich auf gut 20 Euro pro 100 Kilometer im Winter gefasst machen. Mit Strom von zuhause geht es dafür mit weniger als 10 Euro voran – aber so einen Bulli zieht es nun einmal auch in die Ferne.

Apropos Ferne: Durch den hohen Verbrauch muss zwar im Winter gut alle 250 Kilometer eine Ladesäule angesteuert werden, dank der vernünftigen Ladeleistung kommt man aber dennoch gut voran. Und gerade wer mit Kindern reist, der wird tendenziell sowieso mehr Pausen brauchen, als der ID.Buzz auf der Fahrt in den Urlaub nachladen muss.

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Der Preis: So viel Elektroauto mit so viel Platz und Komfort hat freilich seinen Preis. Los geht es für die Version mit langem Radstand als GTX bei knapp 75.000 Euro. Bei voller Hütte an Ausstattung wie im Testwagen sind es dann schon etwa 87.000 Euro. In der Kurzversion ohne Allrad geht es aber bei unter 50.000 Euro los. Für viele Familien wird ein Elektro-Bulli aber wohl ein schöner Traum bleiben. Oder man leiht ihn sich mal übers Wochenende – ein freudiges Grinsen bei den Passagieren und Passanten ist nahezu garantiert.

Fazit

Ein tolles Elektroauto ist der VW ID.Buzz geworden. Und als GTX in der Langversion verbindet er gekonnt Raumangebot, Komfort und Fahrfreude. Dass sich der Elektro-Bulli trotzdem bislang nicht überragend gut verkauft, dürfte dem doch recht hohen Preis geschuldet sein – zumal der Innenraum zwar sehr funktional und komfortabel, nicht aber gerade hochwertig wirkt. Wer sich den Traum eines Elektro-Bullis jedoch verwirklicht, der kann sich auf sehr angenehmes Reisen freuen – und viel gute Laune, die ihm entgegensprüht.

Transparenz-Hinweis: Das Testfahrzeug wurde uns von Volkswagen für zwei Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt. Unsere hier niedergeschriebene ehrliche Meinung beeinflusst dies jedoch nicht.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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