Wie Renault die Produktionskosten von E-Autos halbieren will

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Renault-Gruppe hat die Einführung eines Plans für die tiefgreifende Umgestaltung ihrer Industriebasis angekündigt. Dieser Plan ist Teil der Revolutionsphase von Renaulution, dem 2021 vorgestellten strategischen Plan, die Renault-Gruppe zu einem auf festem Fundament stehenden Automobilhersteller der nächsten Generation zu machen.

Das Ziel ist, die Produktionskosten pro Fahrzeug bis 2027 bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor um 30 Prozent und bei Elektroautos um 50 Prozent zu senken, so Renault in einer aktuellen Mitteilung. Der Plan soll zudem dazu beitragen, die Fahrzeugentwicklungszeiten von drei auf zwei Jahre zu verkürzen. Außerdem will Renault in Europa bis 2030 CO2-neutral produzieren, bis 2050 überall auf der Welt.

Re-Industry ist ein 360°-Transformationsplan. Ziel ist es, auf unseren Stärken aufzubauen und das, was wir bereits gut können, voranzutreiben, unsere gesamte industrielle Basis neu zu erfinden und die höchsten Standards in Sachen Exzellenz zu erreichen“, sagt Thierry Charvet, Chief Industry & Quality Officer der Renault Group. „Unsere Basis wird agiler, tugendhafter und wettbewerbsfähiger und ermöglicht es uns gleichzeitig, schneller auf Kundenerwartungen zu reagieren.“

Ein Plan, die Fahrzeugproduktion neu zu erfinden

Die gesamte Automobilindustrie befindet sich derzeit an einem Wendepunkt, und die Renault-Gruppe bezeichnet sich selbst als gut aufgestellt, um diese Herausforderung zu meistern. Der Konzern habe bei seinen Qualitätsergebnissen gute Fortschritte erreicht und die Zuverlässigkeit seiner Fahrzeuge deutlich erhöhen können. Seine Industriestandorte führen laut eigener Aussage regelmäßig die Rankings im Harbor Report an, einer unabhängigen Studie der globalen Automobilindustrie, in der die Produktivität von Industriestandorten verglichen wird. Die Renault-Gruppe ist demnach einer der drei weltweit führenden Hersteller in Bezug auf Energieeffizienz und industrielle CO2-Emissionen.

Die Renault-Gruppe war auch der erste Hersteller, der ein Industrial Metaverse eingerichtet hat, und sie ist entschlossen, durch die weitere Beschleunigung der Digitalisierung ihrer industriellen Basis und den Ausbau der Fähigkeiten ihrer Belegschaft einen Schritt voraus zu bleiben. Darauf aufbauend hat der Re-Industry-Plan das Ziel, alle traditionellen Bereiche der industriellen Leistung zu stärken und gleichzeitig die Produktion durch die Entwicklung innovativer Prozesse neu zu erfinden. So strebt der Konzern beispielsweise eine Produktionszeit von neun Stunden für den kommenden Kompaktstromer Renault 5 an.

Drei Milliarden Datensätze pro Tag

Mit 12.000 weltweit verbundenen Systemen, zwei Millionen hochgeladenen Daten pro Minute und drei Milliarden pro Tag sorge das Industrial Metaverse der Renault Group für eine intelligentere, schnellere und bessere Produktion und verringere gleichzeitig die Kosten und den CO2-Fußabdruck industrieller Prozesse. Im Jahr 2023 habe Metaverse der Gruppe Einsparungen in Höhe von 270 Millionen Euro gebracht, vor allem durch den Einsatz vorausschauender Wartung bei Installationen. Durch die Verbindung nicht nur der Arbeitsplätze, sondern des gesamten Ökosystems (Transport, Lieferanten, usw.) will die Renault-Gruppe die Lieferzeiten der Fahrzeuge um 60 Prozent und den CO2-Fußabdruck der Fahrzeugproduktion um die Hälfte verringern.

Auch durch künstliche Intelligenz sieht sich die Gruppe in der Lage, einen vorausschauenden Ansatz für den Energieverbrauch zu implementieren und so den Energiebedarf von Industriestandorten zu senken. Mithilfe des Ecogy-Portals, einer selbst entwickelten agilen, vernetzten Lösung, sei Renault in der Lage, den Verbrauch kontinuierlich zu überwachen und bei Abweichungen sofort zu reagieren. Die Renault-Gruppe will den Energieverbrauch ihrer Industriestandorte bis 2025 um 40 Prozent senken und habe seit 2019 bereits die Hälfte dieses Ziels erreicht.

Wie Renault künstliche Intelligenz einsetzt

Heute nutzt die Renault-Gruppe für ihre industrielle Basis mehr als 300 betriebliche Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI), die auf der Analyse von Bild und Ton basieren. Die Anwendung POK.AI.OK beispielsweise bettet Konzepte der künstlichen Intelligenz in autonome Steuerungssysteme mit industrieller Sichtprüfung ein. Dieses zugängliche und intuitive System erfülle die wachsenden Herausforderungen der Qualitätskontrolle, Compliance und Rückverfolgbarkeit. Der Einsatz an mehreren Standorten für verschiedene Anwendungsfälle habe bereits positive Auswirkungen auf Produktivität und Qualität gehabt.

Renault-Elektroauto-Produktion-Künstliche-Intelligenz-Digitalisierung
Renault

Ziel ist es, bis 2025 gut 3000 KI-Anwendungen umzusetzen. Diese Projekte sollen auch den industriellen Einsatz neuer Technologien wie dem Software Defined Vehicle, der Leistungselektronik und der Montage von Batterien und Elektromotoren unterstützen. Sie sollen durch eine schnellere Verarbeitung ebenfalls zu kürzeren Fahrzeugproduktionszeiten beitragen wie weitere Innovationen. In der Lackiererei etwa können bereits vor der Serienreife eines neuen Modells Schulungen mittels Virtual Reality durchgeführt werden.

KI-Algorithmen erleichtern den Mitarbeitern auch die Vorausplanung und ermöglichen es Supply-Chain-Experten, Logistikabläufe zu optimieren und zu steuern. Der von der Gruppe entwickelte Supply Chain Control Tower sei in der Lage, die Versorgung von Industriestandorten sicherzustellen, indem er in Echtzeit die Position und den Inhalt aller zwischen den Lieferanten und den Werken verkehrenden LKW anzeigt. Außerdem könne er Versorgungsrisiken erkennen, die mit dem Wetter oder dem Verkehr verbunden sind.

Der Plan zur Umgestaltung der industriellen Basis der Renault-Gruppe unterstreicht laut eigener Aussage das Engagement der Gruppe für Innovation und die Mobilität der Zukunft – und stelle gleichzeitig den nachhaltigen Betrieb ihrer Industriestandorte sicher.

Quelle: Renault – Pressemitteilung vom 07.12.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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