Renault bereitet E-Plattform mit Hybridoption vor

Cover Image for Renault bereitet E-Plattform mit Hybridoption vor
Copyright ©

Renault / Clément Choulot / DPPI

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Renault arbeitet an einer neuen Architektur, die elektrische Antriebe und Plug-in-Hybridtechnik miteinander verbindet. Die geplante Basis soll künftige Kompakt- und Mittelklassemodelle tragen und langfristig sowohl die CMF-C/D-Plattform für Verbrennungsmodelle als auch die AmpR-Medium-Struktur ersetzen.

Fabrice Cambolive, CEO der Marke, erklärte am Rande der Präsentation des neuen Twingo in Paris, man setze weiterhin auf ein eigenständiges Elektroauto-Layout. Gleichzeitig sei es sinnvoll, zusätzliche Reichweitenkonzepte vorzubereiten, falls der Markt Übergangslösungen brauche. Er sagte, man könne die kommenden Modelle „mit Range-Extendern ergänzen“, sollten sich E-Antriebe nicht wie erwartet durchsetzen.

Dieser Schritt markiert eine Veränderung im strategischen Kurs. Bislang nutzte Renault für Elektroautos weitgehend dedizierte Plattformen, mit Ausnahme einiger Nutzfahrzeugmodelle und des in China produzierten Dacia Spring. Die europäische Industrie steht nun vor der Frage, ob neue Architekturen ausschließlich elektrisch ausgelegt sein sollen oder flexibel genug, um auch Hybridkonzepte zu ermöglichen. Die Entscheidung fällt in einem Umfeld, in dem der Markt für emissionsfreie Antriebe wächst, aber mit einer geringeren Geschwindigkeit als von Herstellern und politischen Entscheidungsträgern prognostiziert. Zugleich bleibt ungewiss, ob die EU an der Vorgabe festhält, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen.

Hersteller ringen um die richtige Antriebsstrategie

Mehrere Wettbewerber haben sich für Multi-Energie-Plattformen entschieden, die unterschiedliche Antriebsarten erlauben. BMW, Mercedes und Stellantis verfolgen diesen Weg, während etwa Volkswagen oder Hyundai und Kia separate Architekturen für ihre Elektroautos nutzen. Renault kündigte bereits 2023 an, eine neue Elektroplattform für Kompakt- und Mittelklasseautos zu entwickeln, die die Kosten um rund 40 Prozent senken soll und ab 2028 in Serie geht. Die ersten Modelle sollen Nachfolger von Megane und Scenic sein, ergänzt durch eine Serienversion des Embleme-Konzepts, das 2024 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde.

Für künftige Plug-in-Hybridversionen innerhalb dieser Architektur plant Renault laut Cambolive ein serielles Konzept. Dabei dient der Verbrennungsmotor als Generator, der Energie für den Elektromotor bereitstellt oder die Batterie lädt. Diese Anordnung unterscheidet sich von klassischen Plug-in-Hybriden, die zwei Antriebsquellen mechanisch koppeln. Der Konzern könnte dabei auf die Zusammenarbeit mit dem Joint Venture Horse zurückgreifen, das mit Geely entwickelt wurde. Horse präsentierte kürzlich einen kompakten Vierzylinder, der speziell als Range-Extender ausgelegt ist.

Aktuell bietet Renault nur im Spitzenmodell des Rafale einen Plug-in-Hybrid an und setzt ansonsten auf Vollhybride und rein elektrische Antriebe. Doch bei strengeren CO₂-Vorgaben ab 2030, die einen Flottenwert von fünfzig Gramm pro Kilometer vorsehen, dürfte der Bedarf an zusätzlichen elektrifizierten Antriebsvarianten steigen. François Provost, CEO des Konzerns, sagte beim Twingo-Termin, man müsse „eine fortgeschrittene Plug-in-Hybrid- oder Range-Extender-Lösung in Betracht ziehen“, um die Ziele für 2035 zu erreichen. Im Kleinwagensegment bleibt Renault bei getrennten Plattformen für elektrische und konventionelle Antriebe. Die starke Marktposition in diesem Bereich rechtfertigt laut Cambolive den parallelen Ansatz.

Quelle: Automotive News Europe – Renault bereitet E-Plattform mit Hybridoption vor

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Kommentare (Wird geladen...)

Ähnliche Artikel

Cover Image for Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Sebastian Henßler  —  

Michael Jost kritisiert Technologieoffenheit als Ausrede: Wer alle Wege offenhält, geht keinen konsequent – nur das Elektroauto führt zur Klimaneutralität.

Cover Image for So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

Sebastian Henßler  —  

Volvo EX30 Cross Country bleibt ein City-Stromer, wirkt stabiler und vielseitiger. Offroad-Design, solide Reichweite und starke Ladeleistung runden ihn ab.

Cover Image for Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Daniel Krenzer  —  

WLTP- und Testverbräuche hin oder her: Das sind die sparsamsten E-Autos, wenn man auf ihren realen alltäglichen Einsatz schaut.

Cover Image for Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Daniel Krenzer  —  

Nun steht fest, bis zu welchem Haushaltseinkommen die neue E-Auto-Förderung genutzt werden könnte. Es geht dabei nicht nur um E-Autos.

Cover Image for Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

Cover Image for Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.