Wie Porsche den Elektro-Sportwagen Mission X entwickelt

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Porsche

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Es ist ein Traum“, sagt Designchef Michael Mauer, auf die Entwicklung des nächsten potenziellen Hypercars von Porsche angesprochen, das pünktlich zum 75. Jahrestag der Sportwagenmarke vorgestellt wurde. Die für den Mission X eigens entwickelte Exterieurfarbe Rocketmetallic bezeichnet Porsche als Novum: Abhängig vom Blickwinkel changiert ihr Braunton ins Dunkle. Nur eines von vielen Highlights bei dieser spektakulären Neuinterpretation eines Porsche-Hypercars, so der Sportwagenhersteller in einer aktuellen Mitteilung.

Trotz – oder gerade wegen – des Anspruchs von Porsche, alle Konzeptstudien auch technisch umsetzen zu können, sei das Projekt ein Marathon im Sprinttempo gewesen: „Wir haben praktisch bis zur letzten Sekunde an der Studie gearbeitet“, sagt Mauer. Die Entscheidung für das Projekt mit dem Arbeitstitel XS23 wurde Mitte 2022 getroffen. Die alles entscheidende Frage zu Beginn sei gewesen: Was wäre das richtige Symbol für die nächsten 75 Jahre von Porsche? Die Wahl fiel schnell auf das nächste Hypercar in der Ahnenreihe vom 959 über den Carrera GT und den 918 Spyder – und zwar mit rein elektrischem Antrieb.

Der Anspruch sei gewesen, die Proportionen trotz neuester Hochleistungstechnologie möglichst kompakt zu halten. „Wichtig war es uns, dem Auto eine klare visuelle Botschaft mitzugeben: ‚Ich bin mehr als nur ein Hypercar, meine Gene liegen im Motorsport‘“, erklärt Mauer. Neben Rennwagen wie dem 919 Hybrid, der zwischen 2014 und 2017 in Le Mans Geschichte geschrieben hat, dienten den Designern auch die großen Ikonen der 1970er-Jahre als Inspiration.

An den Porsche 917 etwa erinnern etwa die Leichtbau-Glaskuppel mit Exoskelett, die nach vorne oben öffnenden Le-Mans-Türen und das Daytona-Fenster. „Das alles sind Anklänge an unsere glorreiche Motorsport-Vergangenheit“, sagt Mauer. Bei den Scheinwerfern wiederum zeigt sich, wie Tradition mit Innovation zu Neuem verschmilzt. Werden die Elemente der 4-Punkt-Lichtsignatur für gewöhnlich horizontal ausgeführt, sind sie im Mission X nun vertikal angeordnet – inspiriert von historischen Porsche-Rennfahrzeugen wie dem 906 oder 908.

Porsche-Sportwagen-Mission-X-Elektroauto
Porsche

Das Fahrzeug bezeichnet der Sportwagenhersteller als ein kompromissloses Hypercar. Und doch wurde der Innenraum nicht nach dem Vorbild eines funktionalen Rennwagen-Cockpits gestaltet. Man müsse visuell niemandem beweisen, dass man auf dem Nürburgring die schnellste Runde fahren könnte, sagt Mauer. Statt Alcantara wurde im Interieur Stoff verarbeitet, das Leder farblich abgestimmt. „Unser Augenmerk lag auf der Designqualität, den Materialien, der bestmöglichen Integration aller Elemente“, sagt der Designchef.

Mit dem Team aus dem Bereich Colour & Trim wurde eine harmonische Gesamtkomposition abgestimmt. So ist das Fahrzeug bewusst in dem gedeckten, zurückhaltenden Braunton Rocketmetallic lackiert anstatt in einer Signalfarbe. Farbwelten, die oft bei Luxusmodemarken zum Einsatz kommen und ein dezentes Understatement vermitteln sollen. Die Leichtbauelemente aus Carbon wurden hierzu passend eingefärbt, sodass man sie erst auf den zweiten Blick erkennt.

Mission-X-Porsche
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Was auch auffällt beim Mission X, sind die großzügigen Flächen. „Viele moderne Hypercars bestehen ja fast nur noch aus Löchern“, lacht Mauer. „Der Mission X dagegen hat vergleichsweise viele glatte, ungebrochene Flächen.“ Die Anmutung beschreibt er als fast skulptural, monolithisch. Typisch Porsche eben. Typisch ist auch die Liebe zum Detail. Wird der E-Sportler mit der angedachten Hochleistungsbatterie und 900-Volt-Systemarchitektur geladen, pulsieren neben den Frontleuchten auch die Lichtbänder sowie der Start-Stopp-Button im Innenraum – und das „E“ im Porsche-Schriftzug.

Ein Traumwagen, der Realität werden könnte?

Die Möglichkeit, Ideen auszuprobieren, wieder zu verwerfen und weiterzudenken, gehöre bei der Entwicklung eines Konzeptautos zur Tagesordnung – ohne den Druck einer Serienproduktion, aber mit ganz eigenen Herausforderungen, wie Mauer berichtet: „Die Prototypen werden bei uns in der Werkstatt gebaut, fast alle Teile eigens hergestellt – und manchmal passen sie eben nicht so, wie sie sollten. Ich weiß nicht, wie oft wir mit dem Einfärben der Carbonteile experimentiert haben, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren.“

Ingenieure, Renntechniker, Aerodynamiker und Spezialisten aus vielen anderen Bereichen haben das Projekt begleitet, um sicherzustellen, dass der Porsche Mission X zumindest theoretisch umsetzbar ist. „Wir haben damit ein Fenster zur Zukunft geöffnet. Und unser Verständnis von Nachhaltigkeit ist es, dass selbst unsere Studien genügend Substanz haben, um den weiteren Weg der Marke zu beeinflussen.“

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Sollte die Konzeptstudie grünes Licht erhalten, was wären die nächsten Schritte? Mauer antwortet offen: „An der Aerodynamik müssen wir noch einmal feilen“. Um das schnellste straßenzugelassene Auto auf der Nürburgring-Nordschleife zu werden, müsse die Karosserie optimiert werden, in Feinabstimmung in hunderten Stunden im Windkanal. Die Front des Autos mit den Scheinwerfern sei ästhetisch weit fortgeschritten, auch das Interieur sei in ähnlicher Form umsetzbar. „Ein Traumwagen, der Realität werden könnte“, erklärt der Hersteller in seiner Mitteilung.

Quelle: Porsche – Pressemitteilung vom 25.09.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Feist, Michael:

Toller Bericht und tolle Bilder. Besonders gefällt mir aber auch, dass die Modelliermaschinen meines Arbeitgebers der Firma Kolb Design Technology. Unsere Modelliermaschinen fräsen präzise die Formen in Clay, die die Designer mit handwerklichem Geschick und Liebe entwickeln.

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