Ora Lightning Cat: Tesla Model 3 und BMW i4 Konkurrent – ein Fahrbericht

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Wolfgang Gomoll
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  —  Lesedauer 5 min

Die Great-Wall-Submarke Ora erhöht die Schlagzahl: Nach der freundlich dreinblickenden Funky Cat, greift die dynamische Lightning Cat zum Jahreswechsel etablierte Elektro-Platzhirsche wie das Tesla Model 3 und den BMW i4 in Deutschland an.

Great Wall Motor streckt seine Fühler nach Europa aus. Nicht nur mit Autos wie der optisch verspielten, aber technisch erwachsenen Ora Funky Cat, sondern auch durch die Kooperation mit BMW beziehungsweise Mini beim neuen vollelektrischen England-Flitzer. Da können sie in München noch so vehement auf die eigene Entwicklungsarbeit pochen, ein Teil der Technik kommt aus China. Da wundert es nicht, dass Ora jetzt die Schlagzahl erhöht, ehe der neue Mini sein Debüt gibt.

Ora Lightning Cat noch Ende 2023 in Deutschland erwartet

Nach der Funky Cat, macht sich die größere Lightning Cat bereit, in Europa für Furore zu Sorgen. Zum Jahreswechsel 2023/24 soll die sportliche Katze in Deutschland landen. Die Basis für den Elektrosportler Oras L.E.M.O.N-Plattform, die Batterie hat eine Kapazität von 83,5 Kilowattstunden, was für bei der Allrad-Version für 705 Kilometer reicht (New European Driving Cycle / NEDC), bei der Basisversion sind es 63,5 kWh und 555 Kilometer.

Dass Ora ab jetzt nur als Submarke unter der Mutter GWM fungiert, zeigt, dass die Chinesen es ernst meinen. Schluss mit dem Eigenleben der Marken. GWM wird nicht mehr verschämt versteckt, sondern prangt an dem Heck eines jeden Oras, so auch an dem der Lightning Cat, die in Australien Ora Sport heißt. Wer des Mandarins mächtig ist, entdeckt schnell eine spezielle Besonderheit: Am Heck, das mit elliptischen Rückstrahlern eine Mischung aus Porsche Panamera und Bentley Continental ist, steht nicht „große“, sondern „lange“ Mauer.

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Dass wir uns schon mit einem solchen Detail befassen, zeigt, dass die Designer einiges richtig gemacht haben. Angeblich hat ein Formgeber die Ora Lightning Cat entworfen, der auch schon in Zuffenhausen den Bleistift geschwungen hat. Dass diese Mischung aus dem Kugelaugen-Kindchenschema-Antlitz der Funky Cat und der dynamischen coupéhaften Silhouette eines Porsche Panamera auch in der Alten Welt gut ankommt, zeigt der Auftritt des Prototyps auf dem Pariser Pariser Autosalon im Herbst vergangenen Jahres, wo der Lightning Cat die Herzen entgegenflogen.

Vor allem die Besucher aus Großbritannien und Deutschland waren von dem Konzeptauto angetan, und selbst die traditionell patriotischen Franzosen schürzten bewundernd die Lippen. Rahmenlose Fenster und schnörkellose Linien ergeben einen Cw-Wert von lediglich 0,22. Im Gegensatz zu Autos wie dem VW ID.7 oder dem Hyundai Ioniq 6 unterwirft sich der Ora nicht so offensichtlich dem Diktat der Aerodynamik. Der Heckspoiler fährt auch nur bei Bedarf und eine Geschwindigkeit von über 70 km/h aus.

Porsche Designeinflüsse lassen sich nicht verleugnen!

Außen hui, innen pfui? Nicht wirklich. Das Zuffenhausener Sportwagenambiente weht auch durch den Innenraum. Die drei in sich verschlungenen Instrumente sind ein Markenzeichen der Porsche-Vehikel und die ansteigende Mittelkonsole kennt man ebenfalls aus verschiedenen Modellen mit dem berühmten Wappen auf der Motorhaube. Zumal die Bedienung eine Mischung aus der direkten Eingabe und dem Ansteuern per 12,3 Zoll (ca. 31 cm) großen Touchscreen ist. Das Steuern der Klimaanlage und die Auswahl der Fahrmodi geschieht über Kipphebel und Drehknöpfe, die auf der ansteigenden Mittelkonsole angebracht sind. Über den Monitor erreicht man weitere Funktionen und Einstellungen des Stromers.

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Genug der Vorrede. Jetzt schwingen wir uns hinter das Lenkrad. Trotz der Länge von 4,87 Metern geht es in der Lightning Cat vorn schon eher eng und im Fond so luftig zu, dass auch erwachsene Europäer es sich in der zweiten Reihe bequem machen können. Schließlich sitzt man in China immer noch am liebsten hinten rechts. Bei der Sicherheit und den Assistenzsystemen macht Ora ebenfalls keine halben Sachen: eine hochauflösende Frontkamera, acht Kameras und insgesamt 17 Radarsensoren unterstützen den Piloten beim Rundumblick. Die Sensoren sollen angeblich sogar Hindernisse mit einer Größe von 15 mal 10 Zentimeter erkennen, die bis zu 50 Meter entfernt sind. Ist dass der Fall, vermeidet der Notbremsassistent, wenn nötig, eine Kollision. Auch bei den automatisierten Fahrfunktionen sind die Ambitionen der Chinesen groß: Ob Robo-Manöver wie der automatische Spurwechsel auf der Autobahn in dieser Form in Deutschland demnächst angeboten werden, steht noch in den Sternen.

Dynamischer Stromer mit genügend Power

Zumal die Lightning Cat auf der Straße eine gute Figur abgibt und sich durchaus dynamisch bewegen lässt. Selbst die Lenkung hat ihre asiatische Zurückhaltung abgelegt und ist mittlerweile mitteilsamer. Klar fehlt zu Präzision und der Rückmeldung eines Porsche noch ein ganzes Stück, aber im Gegensatz zu einigen anderen Fahrzeugen aus dem Reich der Mitte ist das ein deutlicher Fortschritt. Wir sind in der 150 kW / 204-PS-Version mit Vorderradantrieb und einem Drehmoment von 340 Newtonmetern unterwegs und fühlten uns nicht untermotorisiert, aber zum Tesla-Model-3-Killer fehlt dieser Version die Verve.

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Daran ändert auch der Klang eines Sechszylinder-Verbrennungsmotors, der beim Beschleunigen aus den elf Lautsprechern der Harmon-Kardon-Soundanlage den Innenraum beschallt, nichts. Immerhin carvt der BEV flott um die Ecke, auch wenn sich der Vorderwagen in schnell genommenen Kurven etwas neigt. Auf der anderen Seite ist das Fahrwerk der 2,2 Tonnen schweren Katze nicht kompromisslos auf prügelharte Sportlichkeit getrimmt.

Um dem BMW i4 eDrive35 bei der Power Konkurrenz zu machen, rüsten die Chinesen bei der Lightning Cat auf. Also wird es auch eine Performance-Version mit Allradantrieb geben, der 300 kW / 408 PS und ein maximales Drehmoment von 680 Newtonmetern gleichermaßen zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Bei dieser vorläufigen Top-Version soll der Sprint von null auf 100 km/h in 4,3 Sekunden erledigt und der Vortrieb bei 180 km/h beendet. sein. Wenn es um das Laden der Akkus geht, bauen die chinesischen Ingenieure eine hohe Mauer um sich auf, da sich die kleine Schwester Funky Cat nicht gerade als schnelle Stromtankerin erwiesen hat, aber bis zum Deutschlandstart ist noch etwas Zeit, um das auszumerzen

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Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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