Ländlicher Raum bremst E-Mobilität aus – trotz Potenzial

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

In ländlichen Regionen ist das eigene Auto meist unerlässlich. Viele Menschen auf dem Land sind jedoch zögerlich, wenn es um den Umstieg auf ein Elektroauto geht. Die Gründe liegen oft bei den Kosten. Zwei Drittel der Hausbesitzer:innen auf dem Land sehen die hohen Anschaffungspreise als größte Hürde. Auch fehlende Ladepunkte und eine zu geringe Reichweite werden häufig genannt.

Trotz dieser Bedenken zeigt sich auch eine gewisse Offenheit. Vor allem dann, wenn das Laden zu Hause möglich ist. Für 63 Prozent der E-Auto-Besitzer:innen auf dem Land war dies ein zentrales Kriterium beim Kauf. Das Potenzial für kostensparendes und klimafreundliches Fahren ist vorhanden – es muss aber besser genutzt werden.

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Wer auf dem Land ein E-Auto fährt, kombiniert dies oft mit weiteren Technologien. Fast drei Viertel verfügen über eine eigene Solaranlage. Noch mehr besitzen eine Wallbox, also eine private Ladestation. Die Hälfte nutzt zusätzlich einen Stromspeicher. Damit lassen sich Energieflüsse im Haushalt steuern und Stromkosten senken. Bei Hausbesitzenden ohne E-Auto ist dieses Bild ganz anders: Nur drei Prozent verfügen über eine Wallbox, nur etwa jede dritte Person über eine Photovoltaikanlage.

Diese Unterschiede zeigen: Wer sich bereits für ein Elektroauto entschieden hat, denkt beim Thema Energie oft ganzheitlich. Der Einstieg in klimafreundliche Technik erfolgt also nicht isoliert. Stattdessen entsteht ein System aus Erzeugung, Speicherung und Nutzung. Allerdings gelingt dieser Einstieg nicht allen. Besonders Menschen mit begrenztem Einkommen benötigen gezielte Unterstützung.

Ein Förderprogramm für Leasingangebote könnte helfen. Es würde die finanzielle Einstiegshürde senken, ohne langfristig hohe Kosten zu verursachen. Dies fordert auch Carolin Friedemann von der Initiative Klimaneutrales Deutschland. Es gehe darum, Elektromobilität für die breite Mitte der Gesellschaft zugänglich zu machen – nicht nur für Gutverdienende.

Ladeinfrastruktur auf dem Land ausbaufähig

Neben der privaten Ladeinfrastruktur spielt auch das öffentliche Laden eine Rolle. Zwar schreitet der Ausbau voran, doch reicht das noch nicht aus. Derzeit gibt es rund 154.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Ziel der Regierung ist es, bis 2030 eine Million zu erreichen, Energieversorger wie EnBW gehen davon aus, dass auch deutlich weniger öffentliche Ladestationen den Bedarf decken können. Im Durchschnitt dauert es aktuell sieben Minuten, bis man von zu Hause aus zur nächsten Ladesäule gelangt. Das mag in der Stadt ausreichen, auf dem Land sieht es oft anders aus.

Hinzu kommt: Viele Ladesäulen sind nicht rund um die Uhr verfügbar, jedoch sind im Schnitt nur 14,5 Prozent der Ladepunkte gleichzeitig belegt. Wer auf dem Land wohnt, hat vielleicht nicht immer die nötige Flexibilität. Die Folge: Das Auto muss zuverlässig zu Hause geladen werden können.

Ein interessanter Ansatz ist das Laden am Arbeitsplatz. Dort stehen Energie und Infrastruktur häufig in ausreichender Menge zur Verfügung. Zudem fällt die Hauptladezeit oft in die Mittagsstunden – wenn besonders viel Solarstrom erzeugt wird. Wer also während der Arbeit lädt, nutzt Strom, der sonst vielleicht ungenutzt geblieben wäre. Außerdem lassen sich so bis zu 50 Prozent CO₂ gegenüber dem Heimladen einsparen.

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Ein weiteres Argument für private Ladeoptionen ist die Möglichkeit, sie mit intelligenten Systemen zu koppeln. Home Energy Management Systeme (HEMS) und Smart Meter ermöglichen es, Strom gezielt zu verbrauchen. So kann etwa nachts geladen werden, wenn die Preise sinken. Oder es wird genau dann geladen, wenn der eigene Solarstrom zur Verfügung steht. In Ländern wie Großbritannien ist das längst gängige Praxis. Deutschland hinkt hier noch hinterher.

Neben der Technik zählt auch die Alltagstauglichkeit. Viele Befragte geben an, dass die Reichweite der aktuellen E-Autos für ihren Alltag ausreicht. Gerade auf dem Land, wo längere Pendelstrecken üblich sind, überrascht das. Doch offenbar planen viele Fahrten bewusst – oder nutzen das Auto nicht täglich für große Distanzen.

Eine oft unterschätzte Motivation: Der Wunsch nach Unabhängigkeit von steigenden Spritpreisen. Ein Viertel der Befragten nennt genau diesen Grund für die Entscheidung zum E-Auto. Hinzu kommt das Gefühl, langfristig günstiger unterwegs zu sein. Auch das spricht für mehr Unterstützung beim Einstieg.

Die Daten zeigen, dass die Bereitschaft zur Umstellung auf Elektromobilität durchaus vorhanden ist. Doch sie hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Wer eine Solaranlage besitzt, eine Wallbox installiert hat und zusätzlich einen Speicher nutzt, kann günstig laden. Wer all das nicht hat, bleibt oft außen vor. Es braucht also eine gezielte Förderung – technologisch, infrastrukturell und finanziell.

Quelle: Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) – Per Mail am 30.04.2025

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Wolfbrecht Gösebert:

„So schön das [e]lektrisch [F]ahren ist, am Ende zählt eben für die meisten doch die Wirtschaftlichkeit bei der Anschaffung eines KFZ.“

Sinnvoll ist der Begriff »Wirtschaftlichkeit« nur, wenn *alle* Kosten für Kauf UND Betrieb gerechnet werden!

André:

ich nehme mein Trinken und Essen mit – können Sie auch beim eAuto

gnal:

„Viel Geld bezahlen für wenig Reichweite, das passt nicht zusammen.“ Wie sieht den die Berechnung dazu aus?

gnal:

„Also ich fahre seit“ 5 „Jahren elektrisch und weiss mittlerweile“, dass es keine Reichweitenangst gibt. Wer sich selbst nicht planen kann, sollte kein Auto fahren dürfen. Und als Ausgleich entspannt bei „150km/h“ und „mindestens 400km am Stück“! Vorsicht vor solchen Autofahrern!

Jens:

Also ich fahre seit 2 Jahren elektrisch und weiss mittlerweile sehr gut was Reichweitenangst ist. Wenn man immer langsamer fährt und mit 0% Akku ankommt. Das ist kein schönes Fahren.. Auf Kurzstrecken ist es ok, aber Langstrecke/Autobahn ist kein entspanntes Fahren. Deshalb wird mein nächstes erstmal wieder ein Verbrenner, bis es bezahlbare E-Autos (max 35k€) gibt, die bei 150km/h und 0 Grad Außentemperatur mindestens 400km am Stück schaffen.

Autojoe:

Gerade Menschen die am Land wohnen hätten die besten Voraussetzungen für E-Mobilität und nutzen sie dabei am geringsten. Schöne Einfamilienhäuser womöglich auch mit Photovoltaik am Dach aber im Carport stehen ihre Verbrenner. Dort wäre es am einfachsten wird aber von vielen Bewohnern verkompliziert durch angeblich zu geringe Reichweiten bei der jährlichen Urlaubsfahrt in den Süden was bekanntlich nicht zutrifft. Ich habe Verständnis für Menschen welche im städtischen Bereich in großen älteren Mietwohnungen Komplexe wohnen wo es nicht einfach mit dem aufladen ist. Ich wohne z.B. in einer Eigentumswohnung und habe mir bereits vor acht Jahren schon eine Wallbox installieren lassen, musste die Hausgemeinschaft fragen was auch soweit funktionierte bis auf eine Dame welche sich quergestellt hat wegen der ständig in Presse und TV prolongierten Brandgefahr von E-Autos letztendlich jedoch w.o.gab. Wenn man will ist alles möglich, das lamentieren über etwas was es nicht gibt bringt gar nichts.

Spiritogre:

Ja, knapp 600km

Pedro G.:

Als ist die „Hausstrecke“ mehr als 500 km lang ⁉️

Pedro G.:

Die eigene Steckdose ist GUT aber nicht für Mehrparteien Häuser ⁉️

Matthias Rühl:

Ich wohne selbst am Land, also wirklich weit draussen und fahre seit 8 Jahren ausschließlich elektrisch (fast 400.000 km). Bin immer noch Exot. Die Menschen kennen E-Fahrzeuge nicht, bestärken sich gegenseitig in den Vorurteilen und haben daher davor Angst. Zudem kommt, dass über den Bauernverband konventionelle Fahrzeuge, also Diesel und Benziner mit hohen Nachlässen erworben werden können. Mir ist nicht bekannt, dass das auch für E-Fahrzeuge gelten würde.
Ich kenne auch E-Autofahrer, die noch nie bei einer öffentlichen Ladesäule getankt haben, sondern immer nur die eigene Steckdose verwenden.

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