IEA-Bericht zeigt weltweit deutliches Wachstum des E-Auto-Absatzes

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Michael Neißendorfer
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Trotz erheblicher Unsicherheiten ist der Marktanteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden auf dem bestem Weg, bis 2030 weltweit die Marke von 40 Prozent zu überschreiten, da sie immer erschwinglicher werden, wie ein neuer Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA) zeigt. 2025 bereits sollen E-Autos und Plug-in-Hybride – im folgenden zusammenfassend als Elektrofahrzeuge bezeichnet – nach mehreren Jahren robusten Wachstums einen Absatz von 20 Millionen erreichen, was mehr als ein Viertel der weltweit verkauften Autos ausmacht, so die neueste Ausgabe des jährlichen Global EV Outlook der IEA.

Der Bericht zeigt, dass trotz der jüngsten wirtschaftlichen Gegenwinde, die den Autosektor unter Druck gesetzt haben und es immer noch tun, der weltweite Verkauf von E-Fahrzeugen erneut eine weitere Bestmarke erreicht hat. Der Absatz überstieg 2024 weltweit 17 Millionen, was den Anteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden im globalen Automarkt zum ersten Mal auf über 20 Prozent erhöhte, wie zuvor von der IEA prognostiziert. In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 stiegen die Verkäufe von E-Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent. Alle wichtigen Märkte und auch viele kleinere verzeichneten im ersten Quartal neue Rekorde für Neuzulassungen, wobei vor allem Elektroautos zumeist die höchsten Wachstumsraten aufwiesen.

Keine große Überraschung: China behält seine Position als E-Fahrzeug-Marktführer bei, hier machten Elektroautos und Plug-in-Hybride im Jahr 2024 fast die Hälfte aller Autoverkäufe aus und kamen bei 11 Millionen Einheiten auf ein Plus von fast 40 Prozent. In den Vereinigten Staaten stieg der Verkauf von E-Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 10 Prozent und auf einen Marktanteil von etwas mehr als 10 Prozent. In Europa stagnierten die Verkäufe, vor allem aufgrund des rückläufigen deutschen Marktes. Der Marktanteil von E-Fahrzeugen blieb bei etwa 20 Prozent stabil. Außerhalb dieser drei großen Märkte gab es beim Absatz einen Rekordanstieg von fast 40 Prozent auf 1,3 Millionen Einheiten.

„Unsere Daten zeigen, dass Elektrofahrzeuge trotz erheblicher Unsicherheiten weltweit weiterhin einen starken Wachstumspfad aufweisen. Der Absatz stellt weiterhin neue Rekorde auf, mit großen Auswirkungen auf die internationale Automobilindustrie“, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. „In diesem Jahr gehen wir davon aus, dass mehr als jedes vierte weltweit verkaufte Auto elektrifiziert sein wird, wobei sich das Wachstum in vielen Schwellenländern beschleunigt. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden es mehr als zwei von fünf Autos sein, da Elektrofahrzeuge immer erschwinglicher werden.“

Der Bericht enthält auch einen Exkurs zu Elektro-Lkw und deren Betriebskosten. Demnach ist der Verkauf von E-Lkw im vergangenen Jahr weltweit um etwa 80 Prozent gestiegen und machte fast 2 Prozent aller Lkw-Verkäufe aus. Dieses Wachstum wurde durch eine Verdoppelung des Umsatzes in China maßgeblich vorangetrieben, wo die Gesamtbetriebskosten schwerer Elektro-Lkw bereits deutlich niedriger sind als die ihrer Diesel-Pendants.

Elektroautos werden immer günstiger

Auf globaler Ebene ist der Durchschnittspreis von batteriebetriebenen Elektroautos im Jahr 2024 angesichts des wachsenden Wettbewerbs und sinkender Batteriekosten gesunken. In China waren zwei Drittel aller im vergangenen Jahr verkauften Elektroautos günstiger als ihre herkömmlichen Äquivalente, auch ohne Kaufanreize. Die Kaufpreislücke zu herkömmlichen Autos blieb jedoch in den meisten anderen Märkten bestehen. Der durchschnittliche Preis für batterieelektrische Autos in Deutschland blieb beispielsweise 20 Prozent höher als der seines konventionellen Gegenstücks. In den Vereinigten Staaten waren batterieelektrische Autos sogar noch gut 30 Prozent teurer.

Im Betrieb allerdings bleiben E-Autos in vielen Märkten durchweg billiger, basierend auf den aktuellen Energiemarktpreisen. Selbst wenn die Ölpreise auf 40 Dollar pro Barrel fallen würden, würde der Strom eines Elektroautos in Europa beim Laden daheim immer noch nur etwa halb so viel kosten wie der Betrieb eines Benziners oder Diesels.

Heutzutage haben Elektroautos aufgrund der geringeren Kraftstoff- und Wartungskosten über die Lebensdauer des Fahrzeugs oft niedrigere Gesamtbetriebskosten als Verbrenner. Allerdings seien niedrigere Kaufpreise der Schlüssel zu einer breiteren Akzeptanz von E-Autos, so die IEA.

In China schritt die Elektrifizierung von Kleinwagen durch ihre konkurrenzlose Erschwinglichkeit bereits rasant voran. Im Jahr 2024 waren dort fast alle Elektro-Kleinwagen günstiger als Verbrenner, der durchschnittliche Kaufpreis lag bei etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Verbrenners. Dies führte in diesem Segment zu einer fast vollständigen Elektrifizierung von fast 95 Prozent. Allerdings macht das Kleinwagensegment nur einen kleinen Anteil am chinesischen Automarkt aus und erreichte im Jahr 2024 weniger als 10 Prozent des Absatzes. Im SUV-Segment herrscht in China derzeit Preisparität zwischen E-Autos und Verbrennern.

In Europa hingegen haben die Preisstrategien der Autohersteller und der Fokus auf Premium-Modelle mit hoher Gewinnspanne zu einer Stagnation der Preise für Elektroautos geführt. In Deutschland beispielsweise blieb der durchschnittliche Kaufpreis für kleine E-Autos zwischen 2021 und 2023 nahezu unverändert und erreichte ein Plateau von über 50 Prozent an Mehrkosten zu einem vergleichbaren Verbrenner. Ein Trend, der sich allerdings langsam aber sicher umkehrt, aktuell liegen die Mehrkosten bei einigen Modellen nur noch bei rund 15 Prozent.

Quelle: IEA – More than 1 in 4 cars sold worldwide this year is set to be electric as EV sales continue to grow

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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