Das neue Japan-Trio: Fusionieren Honda, Nissan und Mitsubishi?

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Honda

Stefan Grundhoff
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Entsteht hier ein neuer Autogigant? Honda führt derzeit intensive Gespräche mit Nissan; Mitsubishi ist auch am Tisch. Bereits Ende Januar sollen die Weichen gestellt sein, ob aus der Kooperation auch eine Fusion werden könnte. Die Chancen stehen gut, dass ein neuer japanischer Autogigant geboren werden könnte.

Nein, so richtig rund läuft es bei allen drei Automarken nicht. Honda ist durchaus erfolgreich, fährt bei der Elektromobilität jedoch nicht nur deshalb hinterher, weil man lange Zeit an die Wasserstoff-Brennstoffzelle im Auto glaubte. Nissan ist nach dem unrühmlichen Abgang von Lenker Carlos Ghosn im Konzern Renault-Nissan längst das ungeliebte Kind, und Mitsubishi würde Nachfolger Luca de Meo wohl lieber heute als morgen loswerden, um die Franzosen schicker und drahtiger zu machen. Bei Honda hat man verstanden, dass es so wie zuletzt nicht weitergehen kann, denn das Image als grandioser Motorenbauer und Autohersteller, der neben Brot-und-Butter-Autos immer wieder spektakuläre Fahrzeuge (NSX, S 2000, CRX, e) kreiert, ist in den vergangenen Jahren mächtig heruntergerauscht.

Kurz vor Weihnachten verkündeten die drei Autohersteller, dass Nissan Motor Co. Ltd., Honda Motor Co. Ltd. und Mitsubishi Motors Corporation eine Absichtserklärung unterzeichnet hätten, um die Möglichkeiten einer möglichst weitreichenden Zusammenarbeit (Beteiligung, Nutzung von Synergien oder die Gründung einer gemeinsamen Holdinggesellschaft) zu prüfen. Gäbe eine Fusion, so wäre ein möglicher neuer Konzern hinter Toyota und Volkswagen der drittgrößte Autobauer mit einem Volumen von rund acht Millionen Fahrzeugen.

Allerdings droht ein Problem: Die angebotenen Autos überschneiden sich in vielen Segmenten, und alle drei sind auf den gleichen Märkten mehr oder weniger erfolgreich. Ergänzungen gäbe es durch eine Fusion kaum, und insbesondere die Probleme auf dem so wichtigen chinesischen Markt wären nicht gelöst.

Gerade in Europa und in Asien läuft es für Initiator Honda längst nicht mehr so gut wie noch vor Jahren. Selbst in den USA gab es schon bessere Zeiten, wenngleich sich mit Civic und CR-V gleich zwei Modelle unter den zehn meistverkauften Fahrzeugen befinden. Doch auch in den Vereinigten Staaten gerät der japanische Autohersteller zunehmend unter Druck. Gerade der Honda Accord oder der HR-V verkauften sich schon besser und ihnen tun nicht nur Toyota und Lexus, sondern gerade die koreanischen Marken Hyundai und Kia neben Tesla weh.

Die neue Konzerngröße soll Stärke bringen, resistenter gegen Marktschwankungen machen und es ermöglichen, Plattformen sowie Technologien regionaler als bisher zu skalieren. Der zunehmende Protektionismus in China und den USA macht es allein drei Herstellern nicht einfach, da ohne lokale Produktionen und lokale Komponenten wohl mittelfristig nichts mehr geht.

Da kam Honda der angeschlagene Autobauer Nissan in den Sinn und wohl direkt auch die recht orientierungslose Marke Mitsubishi, die in den USA und Europa kaum noch eine nennenswerte Rolle spielt. Renault als inoffizielle Dachmarke äußerte sich zu den Nachrichten über die Kooperationsgespräche wenig überraschend zurückhaltend: „Die Renault-Gruppe nimmt die heutigen Ankündigungen von Nissan und Honda zur Kenntnis, die sich noch in einem frühen Stadium befinden. Als Hauptaktionär von Nissan wird die Renault Gruppe alle Optionen im besten Interesse der Gruppe und ihrer Stakeholder prüfen. Die Renault-Gruppe wird weiterhin ihre Strategie umsetzen und Projekte einführen, die einen Mehrwert für die Gruppe schaffen, einschließlich der bereits im Rahmen der Allianz eingeleiteten Projekte.“

Das sagt alles und auch wieder nichts; zeigt aber, dass Renault wohl nicht ganz abgeneigt ist, sich von Nissan und damit gleichzeitig auch von Mitsubishi zu trennen. Im November hatte Nissan (Geschäftsjahr endet 31. März) sehr mäßige Geschäftszahlen kommuniziert. Demnach war der konsolidierte Nettoumsatz im Zeitraum von April bis September 2024 um 79,1 Milliarden Yen (knapp 500 Millionen Euro) auf 5,98 Billionen Yen (gut 36 Milliarden Euro) zurückgegangen. Das Unternehmen erzielte ein Betriebsergebnis von 32,9 Milliarden Yen (gut 200 Millionen Euro), was einem Rückgang von 303,8 Milliarden Yen entspricht, gut 1,8 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite betrug 0,5 Prozent, während sich der Nettogewinn auf nur noch 19,2 Milliarden Yen belief, gut 120 Millionen Euro. Zudem sank der weltweite Absatz auf 1,6 Millionen Einheiten. Gerade gestiegene Vertriebs- und Betriebskosten hatten den japanischen Autobauer unter Druck gesetzt.

Um dem entgegenzuwirken, wollte Nissan im Rahmen des The Arc-Programms seine Kosten senken, Kapazitäten abbauen und sich von mehreren Tausend Beschäftigten trennen. Nachdem der Techriese Foxconn aus Taiwan schon länger Interesse an Nissan bekundete, um eine echte Autosparte zu haben, bliebe ein mögliches Triumvirat aus Honda, Nissan und Mitsubishi in rein japanischer Hand, was dem japanischen Staat lieber wäre als eine internationale Übernahme.

Honda-CEO Toshihiro Mibe sagte bei der Bekanntgabe der Fusionspläne: „Wir hoffen, dass die Teilnahme von Mitsubishi Motors an den Gesprächen zur Geschäftsintegration von Nissan und Honda zu einem weiteren gesellschaftlichen Wandel führen wird und dass wir in der Lage sein werden, ein führendes Unternehmen bei der Schaffung neuer Werte in der Mobilität durch Geschäftsintegration zu werden. Nissan und Honda werden die Diskussion ab heute beginnen, mit dem Ziel, die Möglichkeit einer geschäftlichen Integration bis etwa Ende Januar im Einklang mit den Überlegungen von Mitsubishi Motors zu klären.“

Die Kooperationsgespräche mit Honda und auch Mitsubishi sollen bei Nissan nicht nur Kosten senken, sondern einen großen Rundumschlag vorbereiten. Der ist dringend nötig, weil Nissan seine elektrische Vorreiterrolle mit dem Leaf als einst meistverkauftes Elektroauto nahezu kampflos aufgegeben hat, während Renault mit seinen Elektroautos zuletzt durchgestartet ist. Derweil spielen Elektromodelle wie der Nissan Ariya auf dem Elektromarkt keinerlei Rolle. Die Gründe sind vielfältiger als der ungünstige Marktstart zu Corona-Zeiten. „Honda und Nissan haben begonnen, eine geschäftliche Integration in Betracht zu ziehen, und werden die Schaffung erheblicher Synergien zwischen den beiden Unternehmen in einer Vielzahl von Bereichen prüfen“, sagt Nissan-CEO Makoto Uchida, „es ist bezeichnend, dass Nissans Partner, Mitsubishi Motors, ebenfalls an diesen Gesprächen beteiligt ist.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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