Erster Eindruck vom ChangAn Deepal S07 – zurückhaltend gut

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Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Mit dem Deepal S07 startet der chinesische Automobilhersteller ChangAn in Europa. Der Mittelklasse-SUV ist für das Unternehmen ein wichtiger Baustein im internationalen Ausbau der Marke – und soll ab dem dritten Quartal 2025 auch in Deutschland erhältlich sein. Ob das Konzept hierzulande aufgeht, wird sich zeigen. Denn auch wenn der S07 technisch fast auf der Höhe der Zeit ist, bleibt die Frage offen, wie viel Aufmerksamkeit ein weitgehend unbekannter Hersteller in einem gesättigten Markt überhaupt erzeugen kann. Eine Frage, der sich auch andere chinesische Marktbegleiter stellen müssen.

Im Rahmen des Europa-Launchs am 21. März 2025 in Mainz hatte ich die Gelegenheit, das Elektro-SUV im Stadtverkehr, auf Landstraßen und einem kurzen Autobahnstück zu testen. Bei sonnigen 15 Grad und angenehmen Fahrbedingungen konnte der S07 unter realitätsnahen Bedingungen zeigen, was in ihm steckt – und an welchen Stellen es noch klemmt.

Technische Daten des ChangAn Deepal S07

  • Reichweite (WLTP): bis zu 475 km
  • Verbrauch (WLTP): ca. 20 kWh/100 km
  • Akkukapazität: 79,97 kWh (netto), brutto nicht spezifiziert
  • Ladeleistung (DC): max. 93 kW (30 auf 80 Prozent in ca. 30 Min)
  • Ladeleistung (AC): 11 kW dreiphasig
  • Leistung: 160 kW (217 PS), 320 Nm
  • Antrieb: Heckantrieb
  • Beschleunigung (0–100 km/h): 7,9 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Optisch wirkt das in Turin, Italien entwickelte Modell durchaus stimmig. Die klaren Linien, bündigen Türgriffe und markanten LED-Signaturen vorne wie hinten passen gut ins europäische Straßenbild. Der erste Eindruck: modern, aber nicht überladen. Die Maße (4,75 m Länge, 1,93 m Breite) positionieren den Deepal S07 in einem Segment, in dem bereits viele Anbieter um Käufer konkurrieren – allen voran das Tesla Model Y oder der Kia EV5. Das macht den Markteintritt nicht leichter.

Im Innenraum setzt ChangAn auf Reduktion. Es gibt kaum physische Tasten – stattdessen dominiert ein sich automatisch drehender 15,6-Zoll-Touchscreen die Mittelkonsole. Dieser reagiert erfreulich schnell, wirkt technisch ausgereift, verlangt aber auch ein gewisses Maß an Geduld. Viele Funktionen sind tief im Menü vergraben, logische Shortcuts müssen „erarbeitet“ und entsprechend der eigenen Vorlieben eingestellt werden. Wer im Alltag schnell auf Rekuperation, Lüftung oder Assistenzsysteme zugreifen will, braucht entweder Übung oder eine gewisse Frustrationstoleranz. Zwar können vier Favoritentasten am Lenkrad individuell belegt werden – doch auch das ist nur ein Teil der Lösung.

Gut gelungen ist das serienmäßige AR-HUD, das Fahrinformationen ins Sichtfeld projiziert. Der Verzicht auf ein klassisches Tacho-Display hinter dem Lenkrad ist hingegen Geschmackssache – zumal sich die Reichweite nur umständlich über ein Untermenü anzeigen lässt und nicht als Kilometerwert im Hauptbildschirm erscheint. Auch kleine Spielereien wie das Begrüßungsstatement „Hi, I’m Deepal“ und darauffolgende Dialoge oder wählbare Geräusche im Außen, die eher an ein chinesisches Konzert, als an ein Auto klingen, wirken eher bemüht als sinnvoll. Oder eben doch zu stark auf den chinesischen Markt ausgerichtet. Wer’s mag – okay. Einen echten Mehrwert bringt das nicht.

Die Sitze vorn sind bequem, gut verarbeitet, bieten Heizung und Kühlung. Hinten fehlt beides. Die Rückbank ist angenehm breit, die Lehne jedoch nicht verstellbar. Das große Panoramaglasdach und die elektrisch steuerbaren Sonnenblenden schaffen ein luftiges Raumgefühl, vor allem in Kombination mit der niedrigen Geräuschkulisse. Dank doppelverglaster Seitenscheiben ist der S07 im Innenraum angenehm leise.

Fahrverhalten des ChangAn Deepal S07

Auf der Straße präsentiert sich der Deepal solide. Der Heckantrieb leistet 160 kW (217 PS), das maximale Drehmoment liegt bei 320 Nm. Die Beschleunigung ist mit 7,9 Sekunden auf 100 km/h ausreichend für den Alltag, aber nicht sportlich. Mag er aber auch nicht unbedingt sein. In Kurven spürt man das Gewicht – das Fahrverhalten bleibt dabei gut kontrollierbar, aber nicht besonders dynamisch. Die Lenkung ist direkt, das Fahrwerk eher auf der straffen Seite. Besonders große Fahrfreude kommt nicht auf, aber auch keine Unzufriedenheit – der S07 fährt sich genau so, wie man es von einem Mittelklasse-SUV erwartet.

Der Akku mit fast 80 kWh netto ermöglicht laut WLTP eine Reichweite von bis zu 475 Kilometern. Der realistische Wert dürfte bei rund 400 Kilometern liegen – das zeigen erste Erfahrungen. Die Ladeleistung ist mit maximal 93 kW DC allerdings unterdurchschnittlich. Im Vergleich zu anderen Modellen im Segment – etwa dem Tesla Model Y mit bis zu 250 kW – wirkt das wenig zukunftsfähig. AC-seitig sind 11 kW möglich, wie üblich bei Fahrzeugen dieser Klasse.

Spannend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Ab 45.000 Euro startet der Deepal S07 in Deutschland, inklusive guter Serienausstattung und sieben Jahren Garantie/ 160.000 km für das Fahrzeug. Beziehungsweise acht Jahre/ 200.000 km für die verbaute Batterie. Das klingt attraktiv – doch bleibt die Frage, ob diese Argumente reichen, um Käufer von etablierten Marken abzuziehen. Denn auch andere chinesische Marken wie BYD, Nio oder XPeng kämpfen hierzulande um Marktanteile – und der Kundenzugang ist für alle herausfordernd.

Kurzfazit zum ChangAn Deepal S07

Was bleibt nach der ersten Fahrt? Der Deepal S07 ist ein gut gemachter, angenehm ruhiger und hochwertig verarbeiteter Elektro-SUV mit starker Software, gutem Raumgefühl und hohem Ausstattungsniveau. Technisch bietet er vieles, was man erwartet – aber kaum etwas, das überrascht. Einige Entscheidungen bei der Bedienlogik und Rekuperation erschweren das Fahren im Alltag unnötig, die Ladeleistung ist ein klarer Schwachpunkt.

Kurzum: Der S07 ist ein solider Einstieg in den europäischen Markt. Ob er sich behaupten kann, hängt weniger vom Produkt selbst ab als von Bekanntheit, Vertriebsnetz und Vertrauen der Kunden. Das wird ChangAn in den kommenden Monaten unter Beweis stellen müssen. Mehr dazu in einem kommenden Artikel.


Disclaimer: Der ChangAn Deepal S07 wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für einige Stunden im Rahmen eines Presseevents von ChangAn zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Floofman:

Ich bin mal kurz fies: Von außen erinnert er mich an Cupra, innen an Tesla, aber halt beides auf Wish bestellt.

Matze:

Ich weiß nicht… Sieht nicht besonders aus. Vielmehr so wie fast alle anderen auch. Und die Parameter sind durchschnittlich. Ladeleistung auch nicht besonders. Kackbraunes Interieur…. Den braucht es nicht. Wäre er günstiger – vielleicht. Aber so…?

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