BYD Deutschland: Händler und Experten sehen Ziele kritisch

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BYD

Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 4 min

Mit mehr als vier Millionen verkauften Elektroautos und Plug-in-Hybriden hat BYD im vergangenen Jahr einen Unternehmensrekord auf dem heimischen Markt aufgestellt. In Deutschland hingegen lief es für den chinesischen Hersteller alles andere als berauschend: Gerade einmal 2891 Elektroautos verkaufte BYD hier, was einem Marktanteil von 0,1 Prozent entspricht. Im Vorjahr waren es immerhin noch 4139 verkaufte Elektroautos. Dennoch hat sich das Unternehmen für 2025 viel vorgenommen und will auf dem deutschen Markt 50.000 Neuzulassungen erreichen.

Strategische Änderungen hatte der chinesische Konzern bereits im vergangenen Jahr vorgenommen. Während in Deutschland seit der Markteinführung die Hedin Automotive als exklusiver Importeur fungiert hatte, steuert BYD den hiesigen Vertrieb wieder selbst und hat das Netzwerk seiner Händler erweitert. In der ungarischen Stadt Szeged baut der Hersteller außerdem sein erstes Pkw-Werk in Europa und könnte dadurch auch die EU-Importzölle umgehen.

BYDs Bestreben, sich auf dem europäischen Markt zu behaupten, zeigt sich besonders deutlich in den Schiffen, die das Unternehmen eigens für den Autoexport baut. Erst kürzlich hat das dritte und bis dato größte Fahrzeugfrachtschiff der Welt die Werft in China verlassen. Auch die Zusammensetzung des Europa-Teams zeigt, wie wichtig der Markt für den Hersteller ist. Im vergangenen Jahr hat BYD unter anderem Vizepräsidentin Stella Li zur Europa-Chefin ernannt. Sie gilt nach Gründer Wang Chuanfu als zweitwichtigste Person im Unternehmen. Eine von mehreren Anwerbungen war die Spitzenmanagerin Maria Grazia Davino, die zuvor CEO bei Stellantis war. Bei BYD ist sie als Regional Managing Director für Deutschland, die Schweiz, Polen, Österreich und Tschechien zuständig.

Händler: Mehr Zeit nötig, bis Zahlen steigen

Während BYD in die Offensive geht, bleiben Händler und Experten weiterhin kritisch, dass die hochgesteckten Ziele auf dem deutschen Markt erreicht werden können. Im Gespräch mit Business Insider hat Henrik Lessèl, Deutschland-Chef der Hedin Automotive, mitgeteilt, dass er zwar mit steigenden Verkaufszahlen rechne, dies aber Zeit brauche:

„Wenn wir in die Vergangenheit schauen, die Japaner haben etwa 20 Jahre benötigt, die Koreaner haben wahrscheinlich zehn Jahre gebraucht. Die Chinesen werden ebenfalls etwas Zeit brauchen, aber sie sind nicht so geduldig. Das heißt, sie werden es vermutlich schneller als in zehn Jahren schaffen.“

Lessèl ergänzt, dass BYD technisch und produktmäßig gut aufgestellt sei und viele Ingenieure habe, die „mit hoher Geschwindigkeit und Qualität“ die Entwicklung vorantreiben würden, um die ehrgeizigen Ziele des Elektroautoherstellers zu erreichen. Das Unternehmen habe kein Qualitätsproblem, aber BYD müsse „ein Gespür dafür entwickeln“, wie die Industrie in Europa, vor allem in Deutschland funktioniert.

BYD muss ein Markenimage aufbauen

Nachholbedarf sieht auch Beatrix Keim, Director beim Center Automotive Research (CAR) in Hinblick auf die kulturelle Anpassung des Autoherstellers, wie sie im Gespräch mit Business Insider geäußert hat. Für Keim, die selbst mehrere Jahre in China gelebt und dort unter anderem für Volkswagen gearbeitet hat, hat BYD die Markenbindung in Europa unterschätzt und seine Vertriebs- und Marketingstrategie nicht auf den europäischen Markt angepasst. Dazu merkt sie an:

„In Europa gibt es eine starke eigene Automobilindustrie. Frankreich, Deutschland, Italien, England – das sind Länder, die sehr viel automobile Geschichte haben. Und darum ist dann auch Markenbindung und das gesamte Image rund um Fahrzeuge extrem wichtig.“

Generell sei der chinesische Hersteller in Deutschland nicht präsent genug gewesen, um seinen Bekanntheitsgrad merklich zu steigern. Dem gegenüber steht die Aussage von Europa-Chefin Li, die im Interview mit AutoBild im August 2024 äußerte, dass BYD „ein bisschen wie das iPhone der Automobilindustrie“ sei und als „eine Premiummarke, führend in Sachen Technologie“ sei und sich dabei auf Umfrageergebnisse bezog. Sie ergänzte, dass Deutschland „kein leichter Markt“ sei und begründete die rückläufigen Verkaufszahlen mit den hiesigen Bedingungen wie hohen Stromkosten, widersprüchlichen politischen Signalen und einer unzureichenden Ladeinfrastruktur.

Die Äußerung, Deutschland sei kein leichter Markt, sieht Keim kritisch und spricht von der „Arroganz der Chinesen“, die glaubten, „dass jetzt alles nach ihrer Pfeife tanzen soll“. Dies sei die Denkweise vieler Unternehmen auf dem chinesischen Markt, jedoch sei „China eben nicht der Nabel der Welt“. Keim ist der Meinung, dass BYD bisher nicht genug Präsenz gezeigt hat, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Der Hersteller müsse sich auf den „sehr etablierten Markt“ einlassen und ein Markenimage aufbauen.

Quelle: Business Insider – Nach einem Flop-Jahr will BYD 2025 den deutschen Markt erobern – warum Händler und Experten skeptisch bleiben

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Thomas Steibl:

Welche Tests von BYD haben Sie sich angesehen? Sicherlich keine im Unfeld von Youtube oder nicht aus Deutschland gesteuerten Medien.
Rundweg wird nämlich gerade BYD eine ausgezeichnete Verarbeitung, im Innenraum und Aussen, zugewiesen. Die Ladeleistung wird jedoch, zu recht, angeprangert.
Ich würde empfehlen sich die Fahrzeuge einmal selbst anzusehen bevor man hier Unwahrheiten verbreitet…möglicherweise von Frust getrieben.
Oder zumindest Berichte ausserhalb der deutschen Medienlandschaft zu konumieren. Die haben nämlich keinen „Schutzauftrag“ für die deutsche Automobilindustrie.

(Btw.:Wenn ich mir da einen ID.3 ansehe…Aber gut ich will jetzt nicht Deutschlands HerziPinki bashen. ;-) )

Pedro G.:

Die in Ungarn produzierten BYD sollten dann auch in Europa verkauft werden ⁉️

Spiritogre:

Oh, keine Panik, ich habe mir diverse Tests von diversen BYD angesehen und die sind bis auf den Seal alle hochgradig grottig. Schlechte Ladeleistung, schlechte Reichweite für ihre Akkugröße, sprich hoher Verbrauch, teilweise äußerst billige Anmutung insbesondere im Innenraum und verlangen VW Preise. Mehr als lachen kann man da eigentlich nicht.

Gastschreiber:

Sicher nur meine individuelle Sicht, aber ein Schritt mehr Autos an den Kunden zu bekommen ist, dass man Interessenten auch Autos zur Verfügung stellt und einen engen und schnellen Kontaktaufbau realisiert.
Ich nutze bspw. gerne die Möglichkeit online eine Probefahrt von einem interessanten Elektroauto zu buchen. Das gelingt hier in meinem Umfeld seit Monaten bei keinem BYD Händler, ich versuche es regelmäßig, auch mit unterschiedlichen Modellen aus dem Portfolio und bei mehreren Niederlassungen. Es gelingt nicht. Wenn das nicht nur mir so geht, dann wäre das ein erster Schritt um etwas mehr Chancen für einen Verkauf zu bekommen.

steinpilz:

BYD muss mit niedrigen Preisen starten. So wie die Japaner und Koreaner nach Europa gekommen sind. Wenn dann über lange Zeit die Zuverlässigkeit besser ist als bei den Europäern, kann man auch die Preise hochziehen ( siehe Toyota)

Carl:

Haha… naja ist halt schwierig wenn man das Produkt nicht kennt… und am Schluss ist Deutschland nur halb so interessant wie hier geschrieben wird. Auch Deutschland ist nicht der Nabel der Welt…

Spiritogre:

Ja, Sätze wie „die Chinesen haben nicht die Geduld wie Japaner und Koreaner um sich einen Ruf aufzubauen“ sind sehr arrogant. Solche Aussagen sind es, die solche Hersteller dann (hoffentlich) auf die Schnauze fallen lassen. Insbesondere, da die meisten BYD weder sonderlich gut aussehen noch technisch irgendwas spezielles bieten sondern in allen Bereichen maximal Durchschnittskost liefern. Wenn man aber nur Durchschnittskost liefert insbesondere als völlig unbekannte Marke, dann kann man nur Kunden anlocken, indem man der günstigste am Markt ist. Von Dacia Preisen sind sie aber sehr, sehr weit entfernt, im Gegenteil, sie versuchen sich mit VW Preisen und das kann nur ins Auge gehen.

Spiritogre:

Und stellen fest, die anderen Hersteller bieten attraktivere Autos für gleiches Geld…

Spiritogre:

Das hat aber nichts mit BYD zu tun, BYD wird nicht gekauft weil die Autos unattraktiv und viel zu teuer sind, für das was sie bieten.

Talis:

Das betrifft aber sämtliche Marken gleichermaßen, hat also nur bedingt etwas mit den geringen Verkaufszahlen von BYD zu tun.

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