BP: Schnellladestationen bald profitabler als Tankstellen

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Das Mineralölunternehmen BP will bis 2030 70.000 Ladestationen für Fahrzeuge installieren. Ein durchaus lohnendes Geschäft, wenn man dem Unternehmen Glauben schenken darf, dass deren Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge kurz davor stehen, profitabler zu werden als das Tanken eines Benzinautos. Der Meilenstein markiert einen bedeutenden Moment für BP, das sich vom Ölgeschäft abwenden und seine Aktivitäten auf den Energiemärkten und im Bereich der Elektrofahrzeuge ausbauen will.

Stand Februar 2021 waren noch nicht alle Ladestationen des Unternehmens profitabel. Zudem erscheint der Weg von derzeit 11.000 Ladestationen auf 70.000 Ladestationen als durchaus sportlich. Mit einem Schrittweisen Ausbau des eigenen BP-Ladenetzes aber durchaus erreichbar. Man wolle sich am Hochlauf der E-Mobilität orientieren. Reuters berichtet, dass das Laden von Elektrofahrzeugen für BP und deren Marktbegleiter seit Jahren ein verlustbringendes Geschäft sei, da sie stark in dessen Ausbau investieren. Es wird nicht erwartet, dass die Sparte vor 2025 profitabel wird, aber auf Margenbasis nähern sich die Schnellladestationen von BP dem Niveau, das sie beim Tanken von Benzin erreichen.

„Wenn ich über eine Tankfüllung im Vergleich zu einer Schnellladung nachdenke, nähern wir uns einem Punkt, an dem die Geschäftsgrundlagen für die Schnellladung besser sind als für den Kraftstoff“, sagte Emma Delaney, Leiterin der Abteilung Kunden und Produkte bei BP, gegenüber Reuters. Darüber hinaus führt sie aus, dass die starke und steigende Nachfrage nach Schnellladegeräten in Großbritannien und Europa die Gewinnspannen bereits in die Nähe derjenigen für das traditionelle Tanken gebracht haben-.

Delaney machte keine Angaben zu Gewinn und Verlust für das Laden von Elektrofahrzeugen oder wann der Gesamtgewinn aus diesem Geschäft den traditionellen Kraftstoff in den Schatten stellen könnte. Im Jahr 2020 meldete BP eine Bruttomarge von 3,5 Milliarden Dollar für den Kraftstoffverkauf im Einzelhandel. Die Sparte Kunden und Produkte erwirtschaftete in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 einen Nettogewinn von 2,6 Milliarden US-Dollar, was etwa 17 % des Gesamtgewinns des Unternehmens entspricht. Das Unternehmen teilte außerdem mit, dass der Stromverkauf für das Laden von Elektrofahrzeugen im dritten Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 45 % gestiegen ist.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens Thunder Said Energy beträgt die traditionelle Gewinnspanne im Tankstellengeschäft etwa 17 Cent pro Gallone, was etwa 0,4 Cent pro Kilowattstunde entspricht. Delaney ordnet die eigene Strategie wie folgt ein: „Insgesamt sehen wir eine große Chance im Schnellladen für Verbraucher und Unternehmen sowie im Flottendienst im Allgemeinen – dort sehen wir das Wachstum und die Margen.“

Während Konkurrenten wie Shell in eine Reihe von Ladetechnologien investieren, darunter Zehntausende von langsameren Niederspannungs-Ladestationen an Straßen in Großbritannien und anderswo, konzentriert sich BP auf schnelle und ultraschnelle Ladetechnologien. „Wir haben uns dafür entschieden, uns auf das schnelle Laden (>50 kW Ladeleistung) unterwegs zu konzentrieren – und nicht auf das langsame Laden an Laternenpfählen, sagte Delaney.

Im Jahr 2018 kaufte BP Chargemaster, das damals größte Unternehmen für das Laden von Elektrofahrzeugen in Großbritannien. Der Ölkonzern hat außerdem ein Joint Venture mit Didi Chuxing gegründet, um eine Ladeinfrastruktur in China aufzubauen. In einem Gespräch mit Bloomberg New Energy Finance im Juli 2019 erklärt David Eyton, Leiter der Technologie bei BP, dass der Schwerpunkt für BP im Elektroauto-Markt auf der Zeit liegt, die zum Laden von Fahrzeugen benötigt wird. Ein 150 kW Ladegerät bietet einem Fahrzeug in etwa 5 Minuten eine Reichweite von 100 km, aber Eyton hofft, dass BP mehr als 100 km innerhalb derselben Zeitspanne bereitstellen kann.

Quelle: Reuters – For BP, car chargers to overtake pumps in profitability race

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Matthias Geiger:

Sollte der Strompreissteigerungsgier an den Ladesäulen nicht sehr schnell Einhalt geboten werden,
so werden sich die Autofahrer eher einen Benziner oder Diesel kaufen. Das ist heute schon der Fall unter den Vielfahrern und Normalverdienern. Die Steigerungsraten bei der E-Mobilität kommen durch die Steuersparmodelle für Firmenwagen oder durch Gutverdiener im Zweitwagen Bereich. Ich kenne bisher keine Familie (4 Köpfe) die Ihren Passat, Touran bzw. Familienkombi durch ein E-Auto ersetzt hat, es seitdem sie haben Geld über und/oder haben geerbt. Traurig aber wahr !!??

Norbert Seebach:

Gut vorstellbar, dass für die Betreiber Ladesäulen bald attraktiver sind als Spritsäulen – bei den irrsinnigen und vermutlich weiter steigenden kwh-Preisen! Nur: auf diese Weise wird die E-Mobilität ebenso schnell abgewürgt wie sie gerade Fahrt aufgenommen hatte! Wenn bei den Strompreisen (die immerhin zu fast drei Vierteln aus Abgaben und Steuern bestehen) nicht bald gegen gesteuert wird, können wir das Megaprojekt Energiewende beerdigen – und die Lebensperspektiven kommender Generationen gleich mit….

KleinFritzchen:

Wenn man von der Autobahn zum zukünftigen SuperchargerStandort fährt, muss man … hin und zurück mehr als 1/2 Kilometer zusätzlich fahren.

Im Ernst?
Das ist ja wirklich mehr als erschreckend!
Bei 50 km/h sind das glatt 36 Sekunden extra!

Skodafahrer:

Lage, Lage, Lage.
Die Grundstücke der alten Tankstellen haben oft eine bessere Lage als neuere Ladestandorte z.B. Tesla Supercharger. Ein Beispiel: In Bensheim an der A5/B47 gibt es einen ARAL-Autohof mit 4 Schnellladern (ARAL gehört zu BP). Wenn man von der Autobahn zum zukünftigen Supercharger – Standort fährt, muss man erst dort vorbei. Dazu muss man hin und zurück mehr als 1/2 Kilometer zusätzlich fahren.

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