BMW: Wasserstoffauto soll „ähnlich“ viel kosten wie E-Autos

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ab 2028 will BMW den Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb in Serienmodellen als Antriebsoption anbieten. Dazu wurde erst vor wenigen Wochen eine schon länger bestehende Entwicklungspartnerschaft mit Toyota enger gezogen. Jürgen Guldner, Leider des Bereichs Wasserstoff-Technologie bei BMW, hat dazu dem Münchner Merkur einige weitere Details verraten.

Guldner betont, dass der Wasserstoffantrieb als „zweites Standbein der klimaneutralen Mobilität“ eine Nische darstelle und ein Angebot für jene Kunden sei, „für die ein Batteriefahrzeug nicht die optimale Lösung ist.“ Er denkt dabei vor allem an Großstadtbewohner ohne eigenen Stellplatz und somit ohne die Möglichkeit, über einen privaten Ladepunkt von günstigen Strompreisen profitieren zu können.

Auch Langstreckenfahrer seien eine Zielgruppe: „Manche Leute fahren täglich weite Strecken und wollen oder können dabei nicht mehrmals laden“, diesen wolle BMW „eine Alternative bieten: ein Auto, das man so einfach tankt wie einen Diesel oder einen Benziner“. Und das trotzdem die Vorteile eines E-Autos aufweise, wie „die starke Beschleunigung, das lautlose Dahingleiten und das emissionsfreie Fahren.

Zwar gebe es bislang noch sehr wenige Tankstellen für Wasserstoff, in Deutschland aktuell rund 100, und dennoch könne man sich „in Deutschland schon jetzt fast überall frei bewegen“, findet Guldner. Außerdem erwartet er einen Hochlauf des Wasserstoff-Antriebs, vor allem beschleunigt durch Logistiker und den Güterverkehr per Lkw. „Davon werden auch die Autos profitieren“, ist sich der Manager sicher.

Dass der Wirkungsgrad des Brennstoffzellenantriebs um den Faktor 3 geringer ist als der eines reinen Elektroautos, sollte dem Wasserstoffantrieb nicht allzu negativ ausgelegt werden, sagt Guldner: „Es wäre falsch, nur wegen der Energieeffizienz ausschließlich auf Batteriefahrzeuge zu setzen“, so der BMW-Manager. Es gehe dem Hersteller auch „nicht darum, jene Menschen zu überzeugen, die eine Solaranlage und eine Garage haben“, die mit E-Autos effizienter unterwegs sind. BMW wolle eher „mit Wasserstoff jene Autofahrer für die Elektromobilität gewinnen, die wir bisher nicht erreichen.“

„Unser Ziel ist, dass Autos mit Wasserstoff ähnlich viel kosten werden wie jene mit Batterie“

Auch den von der Wissenschaft prognostizierten Mangel an Wasserstoff sieht Guldner nicht als Hindernis: „Studien zeigen, dass der Autoverkehr nur einen einstelligen Prozentsatz der Produktion benötigen wird. Er nimmt anderen Bereichen also nicht viel weg“, argumentiert er. Auch allzu hohe Preise fürchtet er nicht und geht davon aus, dass die Kosten für den Treibstoff „mit dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft drastisch sinken“ werden.

Und wie der Treibstoff, sollen auch die Autos künftig durchaus leistbarer sein als aktuelle Modelle von Hyundai und Toyota, die ab 65.000 Euro zu haben sind. „Unser Ziel ist, dass Autos mit Wasserstoff ähnlich viel kosten werden wie jene mit Batterie“, sagt Guldner. Bei der aktuellen Testflotte von BMW ist der Brennstoffzellenantrieb in gut hundert Exemplaren des mittelgroßen SUV X5 verbaut.

BMW-iX5-Wasserstoff
BMW

Welches Modell der erste Serien-BMW mit Wasserstoffantrieb werden soll, sei noch nicht entschieden und auch zweitrangig, da „der Kunde bei den Antriebsarten zukünftig zwischen Batterie, Wasserstoff, Plug-in und Verbrenner wählen können“ werde, was darauf hindeutet, dass BMW die Brennstoffzelle für mehrere Modelle anbieten könnte. Der richtige Zeitpunkt dafür jedenfalls sei jetzt gekommen, davon ist Guldner überzeugt.

Quelle: Münchner Merkur – BMW setzt auf kontroverses Vorhaben: Erste Angaben zum Preis eines Wasserstoffautos

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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kok:

was passiert wenn der tank voll ist und das auto 14 tage auf ein parkplatz steht Wo beibt der Wasserstof? bei 600 Bar Druck

kok:

ich bin schon mit BMW wasserstff auto gefahren in Brussel beim Wasserstoff kremium in 2004 das auto fuhr herrlich mit ein 6 Zylinder und eine normale gasinjektion
aber H2 kosten zur herstelling schon€ 10 pro Kg unter 600 bar druck Viel spass damit

Pedro G.:

Also aus Strom ( ehe zuwenig laut E-Auto Skeptiker) Wasserstoff herstellen und mit Brennstoffzellen Strom machen in Batterie (Zwischen Speicher) und damit dann E-Motor antreiben ?
Wo ist da die Nachhaltigkeit !

Chris:

Nun es gibt hier ein paar Dinge, die sie komplett außer Acht lassen Hiker.

Zum einen geht es beim aktuellen Wasserstoff-Laden und dessen Verzögerung darum, genug Druck aufzubauen. Ist der Druck allerdings vorhanden, geht der Tankvorhang deutlich schneller als das Laden eines Elektroautos.
Zum anderen reden wir hier vom Status Quo, es gibt genug aktuelle Testreihen in der Praxis die eine Trägerverbindung für den Wasserstoff nutzen, sollte sich hier etwas durchsetzen, würden Druckaufbau und der Höhe Verschleiss der Zapfanlagen wegfallen.

Nun aber zu dem eigentlich entscheidenden Grund:
Wie der BMW Mensch korrekt sagt, gibt es in der Logistik einige Fälle wo sich ein Verbrenner-LkW schlichtweg nicht durch eine Batterie ersetzen lässt, zumindest nicht mit den Batterien die wir aktuell haben.
Wir haben oft mit Sondertransporten zu tun, erst kürzlich ging eine Maschine mit Tieflader von uns auf den Weg: Gesamtgewicht 101.000kg. Diese Fahrten sind ohnehin schon schwer genug zu planen aufgrund Ruhezeiten, Hindernissen, Brücken die nicht befahren werden dürfen, etc. Eine Batterie würde hier weitere Tonnen dazu addieren und eine Kapazität haben die sich selbst mit superchargern nicht im Nu aufladen würde, da bekommen wir dann wieder mit Ruhezeiten ein Problem. Da wir hier nicht nur von LKW Fahrern sondern auch Begleitung wie Polizei, Autobahnmeisterei etc. Sprechen, bekommen wir den E-LKW wirtschaftlich hier nicht vernünftig hin.

Aber wie schon gesagt, dass reine E-Auto hat die Nase deutlich vorn und im Individualverkehr bin ich schon sehr skeptisch wie die Karre ankommen soll.

Dennoch: BMW kann es versuchen, sie haben in Ihrer Produktion die Grundlage dafür geschaffen, das erst spät im Prozess die Entscheidung des Antriebs fallen kann. Das bringt Ihnen auf dem Markt extreme Vorteile und erlaubt solche Experimente.
Also warum nicht:
Als E-Auto Fahrer sagt man auch den ewigen Verbrennern sie sollen offen für neues sein, warum tun wir das nicht auch hier?

Hiker:

Wenn Sie selber Orthographie nicht beherrschen, ja dann machen Sie sich bereits im ersten Satz lächerlich. Tanken von Wasserstoff ist in keinster Weise schneller als ein Elektroauto zu laden.

Zumindest dann nicht, wenn in ganz Europa nur ein paar hundert Tankstellen überhaupt existieren. Das wird sich in unmittelbarer Zukunft auch nicht ändern wenn überhaupt. Warum auch?

Zudem ist Wasserstoff viel zu teuer im Vergleich zu Strom. Und dann ist nur grüner Wasserstoff wirklich umweltfreundlich. Zu guter letzt gibt es Anwendungen, die nur mittels Wasserstoff dekarbonisiert werden können.

Und nicht einmal für die, gibt es auf lange Zeit genügend davon. Wie es da noch grünen Wasserstoff für einen BMW geben soll, wissen wohl nur BMW und Sperling der Orthographie Professor alleine.

rabo:

…also ich finde FCEVs und Wasserstoff sehr gut – aber bis es noch einige Modelle mehr gibt (auch chinesische), bleibe ich bei meinem BEV Smart 4/2 und meiner Diesel C-Klasse für die Strecke.

Yoyo:

Ich habe auch nicht bis zum Schluß gelesen.
Alleine das Titelfoto hat mich an Sparkassen-Vorstände erinnert, die fest behaupten, dass der Immbolienmarkt ganz doll wieder anzieht und die Nachfrage nach Hypokrediten ins Unermessliche steigt….hehe…

pani:

Ich habe den Artikel nicht zu Ende gelesen, denke aber nicht, dass auf die horrenden Kosten und den irrwitzigen Energiebedarf für die Herstellung von Wasserstoff eingegangen wurde… .

egon_meier:

“ Ich hoffe letztes, alles andere würde mich an der Bildung in DE zweifeln lassen.“

CH

Gregor:

boar Hochländer, was genau sollen deine Worte sein? Da ergibt igrendwie nix sinn. Außer DDR, das einzige was ich erkannt habe :D

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