Black Cab Hersteller LEVC soll massiv ausgebaut werden

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LEVC

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der chinesische Autokonzern Geely hat einem Medienbericht zufolge vor, den Hersteller der ikonischen Black Cabs aus London in ein E-Auto-Kraftpaket zu verwandeln. Der Plan sei, das London Electric Vehicle Company (LEVC) genannte Unternehmen zu einer großvolumigen, vollelektrischen Marke mit einer breiten Palette an Nutzfahrzeugen und Pkw umzubauen, wie Führungskräfte des Herstellers der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Wir brauchen ein erweitertes Produktportfolio. Wir müssen große Investitionen in Bezug auf Technologie und Infrastruktur tätigen“, sagte LEVC-Chef Alex Nan am Hauptsitz des Taxiherstellers in Coventry, Zentralengland. „Geely wird konsequent in LEVC investieren, weil dies ein sehr einzigartiges Projekt ist“, fügte er hinzu. Nan sagte, dass LEVC und Geely auch andere Investoren für das emissionsfreie Portfolio zu gewinnen versuchen. Vorgesehen sei, auch mit anderen Autoherstellern zusammenzuarbeiten, um neue Technologien zu entwickeln.

Die Führungskräfte sagten, dass die Höhe der Investition von Geely zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden soll. Bislang hat die chinesische Gruppe, zu der auch andere bekannte Marken wie Volvo, Polestar und Lotus gehören und die 2013 die volle Kontrolle über LEVC übernommen hatte, rund 500 Millionen Pfund (etwa 570 Millionen Euro) in den Black Cab-Hersteller investiert. Zeekr, eine weitere Marke von Geely, reichte im vergangene Monat seinen Börsengang in den USA ein.

Geely unterstützt voll und ganz die neue Übergangsstrategie, die vom Vorstand und der Geschäftsleitung von LEVC festgelegt wurde“, teilte der chinesische Mutterkonzern in einer Erklärung zu den Ausbauplänen mit. Aktuell stellt LEVC ein Hybrid-Taximodell her, das zu Preisen ab gut 66.000 Pfund (etwa 75.000 Euro) zu haben ist. Das TX5 genannte Modell hat einen Plug-in Hybrid-Antriebsstrang, den Geely aus der Volvo-T6-Twin-Engine adaptiert hat. Er besteht aus einem 110 kW (150 PS) starken Elektromotor an einer Batterie mit 31 kWh Kapazität, plus einem 60 kW (82 PS) starken Verbrenner als Range-Extender. Die elektrische Reichweite beträgt knapp 130 Kilometer. Der Range-Extender erhöht die Gesamtreichweite auf gut 500 Kilometer. Das Geschäft des Unternehmens wurde von der Corona-Pandemie allerdings hart getroffen, zuletzt wurden im Oktober 140 Mitarbeiter entlassen.

LEVC ist nicht die einzige britische Marke, die Geely ausbauen will. Bereits im Jahr 2021 investierten die Chinesen gut 2 Milliarden Pfund (etwa 2,3 Milliarden Euro) in den Luxussportwagenhersteller Lotus, um die Produktion auszubauen und auch in andere Segmente wie SUV und Limousinen vorzudringen. Geely gehe bei seinen Plänen, LEVC auszubauen, einen ähnlichen Weg, so die Führungskräfte.

„Wir wollen schnell und agil vorankommen“

Großbritanniens E-Auto-Ambitionen wurden in der vergangenen Woche in Mitleidenschaft gezogen, als das Startup Britishvolt, das den Bau einer großen Batteriefabrik im Nordosten Englands geplant hatte, Insolvenz beantragte. „Wir müssen sicherstellen, dass das britische Umfeld als Ganzes wettbewerbsfähig ist und seine Position auf der Weltbühne hat“, kommentiert Chris Allen, Geschäftsführer von LEVC, diese Pleite. Allen sagte auch, dass die Nutzfahrzeuge und Pkw von LEVC auf einer gemeinsamen elektrischen Plattform aufbauen sollen. Dabei könne sich LEVC bei anderen Konzernmarken bedienen, die bereits Elektrofahrzeuge im Programm haben, um „schnell und agil voranzukommen“.

LEVC verwendet neben dem Antrieb zum Beispiel auch bereits ein von Volvo entwickeltes Infotainment-System, Elemente der Software und ein Lenkrad, um die Kosten zu senken, sagte Allen. „Es gibt nichts, was wir nicht in sehr kurzer Zeit geliefert bekommen, wenn wir es brauchen. Es ist nur eine Frage des Timings“, sagte er und fügte hinzu, dass LEVC problemlos innerhalb von fünf Jahren eine vollständige Palette von Elektrofahrzeugen auf der Straße haben könnte.

LEVC hat aktuell Kapazitäten, um in seiner Fabrik in Coventry 3000 Taxis pro Jahr zu montieren. Allen sagte, dass die Produktionskapazität leicht auf 20.000 erhöht werden könnte und das Werk noch genug Platz für Erweiterung hätte. LEVC könnte sich auch auf die Produktion in China stützen, so wie es etwa auch Lotus bereits getan hat, sagte Allen. „Es gibt einen riesigen Wert in unserem Produkt, der noch nie wirklich maximiert wurde“, sagte Allen. Es gehe nun darum, LEVC zu einer globalen Marke auszubauen und das Produktangebot auf so viele Märkte wie möglich zu erweitern.

Quelle: Reuters – Geely plans to turn maker of London black cabs into EV powerhouse

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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