Audi charging hub präsentiert sich als städtisches Schnellladekonzept

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Zwei Monate ist es her, seit der erste Spatenstich für den ersten Audi charging hub in Nürnberg erfolgt ist. Kurz vor Weihnachten steht die offizielle Eröffnung der modernen Schnellladestation mit reservierbaren High-Power-Charging-Ladeplätzen bevor. Der charging hub soll Anlaufstelle für die E-Autofahrer werden, welche daheim nicht laden können. Zudem sollen perspektivisch Spitzennachfragen beim Laden im urbanen Umfeld bedient werden.

Bereits im Vorfeld gab der Automobilhersteller zu verstehen, dass man mit dem Pilotstandort sein neues Ladekonzept erstmals in der Praxis erprobt. Ralph Hollmig, Projektleiter für den Audi charging hub, äußert sich wie folgt: „Damit wollen wir eine flexible und premiumgerechte Schnellladeinfrastruktur im städtischen Raum testen. Wir gehen dorthin, wo unsere Kundinnen und Kunden nicht unbedingt morgens mit einem voll geladenen E-Auto aufwachen, und denken gleichzeitig an den zukünftig steigenden Ladebedarf.“

Als Basis für den Audi charging hub dienen sogenannte Cubes. Die flexiblen Container-Würfel sollen verschiedene technische Anforderungen erfüllen und beherbergen neben Ladesäulen auch gebrauchte Lithium-Ionen-Batterien als Stromspeicher. Durch den Einsatz von 2nd-Life-Modulen, die aus zerlegten Entwicklungsfahrzeugen stammen, werden die Batteriezellen nicht nur einer nachhaltigen Zweitverwendung zugeführt – ein großer Vorteil liege vor allem in ihrer Eigenschaft als Pufferspeicher für Gleichstrom. Des Weiteren ermöglichen die Cubes es, dass diese in wenigen Tagen auf bestehenden Flächen auf- und wieder abgebaut werden. Im Detail betrachtet bieten die Cubes je Einheit zwei Schnellladepunkte und lassen sich in unterschiedlichen Konstellationen kombinieren.

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Ein rund 2,45 MWh großer Zwischenspeicher ist dafür verantwortlich, dass die Ladepunkte in Nürnberg lediglich einen 200-kW-Grünstrom-Anschluss benötigen. Die 200 kW genügen, um die Speichermodule kontinuierlich zu füllen. Photovoltaikmodule auf dem Dach liefern zusätzlich bis zu 30 kW grüne Energie. An den sechs Ladepunkten können Elektroautos mit bis zu 320 kW Leistung laden. So soll es möglich sein, dass am Tag bis zu 80 Fahrzeuge laden. Ab dann würde die Kapazität des Stromspeichers zusammen mit der 200-kW-Anschlussleistung an ihre Grenzen kommen.

Eine echte Alternative zum heimischen Laden wird der charging hub von Audi, wenn man einen entsprechenden e-tron Charging Service-Vertrag geschlossen hat. Denn dann lädt man unabhängig vom Tarif für derzeit 31 Cent pro Kilowattstunde. „Wir bieten das Laden für Menschen im urbanen Raum zu dem Preis an, der auch für das Laden an der heimischen Wallbox fällig wird“, sagt Hollmig. Der Audi charging hub in Nürnberg ist ein offener Ladestandort. Auch der Eingangsbereich ist für Fahrer anderer Fabrikate zugänglich.

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Im Fokus der in Nürnberg startenden Erprobung stehen die neue Reservierungsfunktion, die Erwartungen der Kund_innen an ein Premiumladeerlebnis sowie technische Aspekte wie die Anforderungen an moderne Batteriespeicher. Zudem will Audi herausfinden, zu welchen Tageszeiten die Anlage besonders frequentiert wird. Ziel ist es, den Audi charging hub mit entsprechendem Mehrwert zu etablieren.

Aus diesem Grund kann man am ersten Audi charging hub nicht nur das eigene Fahrzeug laden. Es gibt dort zudem eine Tauschstation für E-Fahrrad-Akkus, einen Leihservice für E-Scooter, Infos zu diversen Audi Produkten sowie Probefahrten mit dem Audi Q4 e-tron und RS e-tron GT, die von Audi Expert_innen betreut werden. Zudem bietet Audi einen Just-in-time-Lieferservice für Lebensmittel und eine hochwertige Automatengastronomie sowie mobile Autopflege. Auf rund 200 m² Fläche kann man in der Lounge entspannen und abschalten, bis das eigene E-Auto wieder eingeschaltet werden kann.

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Quelle: Audi – Presse

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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brainDotExe:

Das steht außer Frage, wenn wir von einem 20-30 Jahre alten Wagen reden, der sonst nach Afrika gehen würde, ist eine Verwendung als Second Life Speicher mehr als sinnvoll.
Oldtimer jetzt mal ausgenommen.

Bei einem 10 Jahre alten Fahrzeug ist es aber deutlich attraktiver für den Gebrauchtwagenmarkt.

egon_meier:

Es wird für jeden Bedarf das passenden Angebot geben:
Das Audi-Konzept ist was für einen Teil der Premium-Kundschaft, genauso wie Porsche und Audi nicht für unteren Einkommensgruppen bauen.

Es gibt jede Menge Ansätze umd auch anderen BEV-Nutzer-Gruppen zu erreichen. Wo ist das Problem wenn die Anbieter jetzt den Markt testen?
Nach meiner Erfahrung (in den Gebieten in denen ich unterwegs bin) gibt es extrem mehr Ladeangebot als nachfrage. Es gibt natürlich ausnahmen aber das ist dann ein problem des politisch-wirtschaftlichen Drucks vor Ort.
Wir wollen doch alle „regionale Anbieter“ – jetzt haben wir sie und sie spinnen manchmal.

Zum Preis: sie werden laden können .. es entstehen überall auch urbane Ladeparks zu günstigeren Ladekonditionen. Dann muss man eben auf die Lounge verzichten. Das Eintrittsgeld ist dann vielfach ein Vertrag. Man kann sich entscheiden.

egon_meier:

Das kann ich nachvollziehen.
Es stehen sich jetzt 2 Positionen gegenüber:
Der Wunsch eines Gebrauchtwagenkäufers nach einem preiswerten Akku mit Restkapazität/der Wunsch nach stationärem Speicher um die Energiewende zu vereinfachen/der Wunsch nach vielfältigen Lademöglichkeiten für BEV mit wenig Netzbelastung/schonender Umgang mit der Ressource „akku“ …

Letztlich wird sich das über den Preis regeln.
Wenn

  • der Wagen jung und der Akku degradiert: attraktiv für Gebrauchtwagenmarkt
  • der Wagen älter und eher „was für Afrika“: attraktiv für second Life

Das ist wie mit WEA: wer umweltfreundliche Strom haben will muss WEA im Blickfeld akzeptieren.

brainDotExe:

Zum einen überleben heutige Akkus wahrscheinlich die Karosserie, also ist es nachhaltiger die Autos bis zum bitteren Ende zu fahren und dann erst die Akkus wiederzuverwenden.
Ich rede ja auch nicht von 35 Jahre alten Gebrauchtwagen, sondern von sagen wir mal 10 Jahre alten, da hat der Akku wahrscheinlich noch mehr als 70-80% Restkapazität, also mehr als genug.

Die Akkus die ins Second Life gehen wären wg. mangelnder Kapazität für den Straßeneinsatz nur noch sehr beschränkt zu gebrauchen.

Letztendlich kann dass doch aber der Gebrauchtwagenkäufer entscheiden, wenn mir persönlich doch 50% Restkapazität ausreichen, wieso nicht?

egon_meier:

Dieser vermeintliche Nachteil für den Gebrauchtwagenkäufer ist keiner.
Die Akkus die ins Second Life gehen wären wg. mangelnder Kapazität für den Straßeneinsatz nur noch sehr beschränkt zu gebrauchen.

Was will man? nachhaltigkeit für Akkus (35 jahre + Recycling) ist böse?

brainDotExe:

Es ist auch für den Kunden reizvoll, wenn die hersteller dort die Konzern-akkus für weitere 15 jahre nutzen – das bringt für Gebrauchtwagen einen hohen Restwert.

Das ist aber wiederum dumm für den Gebrauchtwagenkäufer.
Dass der Gebrauchtwagenmarkt für BEVs momentan ein Witz ist braucht man keinen zu sagen.
Es wird noch lange dauern, bis das Niveau von Verbrenner Gebrauchtwagen erreicht ist.
Sprich Fahrzeuge der Mittelklasse (Mode 3, i4, Polestar 2, etc.) für unter 20.000€.

Juergen:

Aus der Sicht der Premiumhersteller mag das ein sinnvolles Konzept sein und ich begrüße dieses Projekt auch. Wichtiger aber wird sein, dass die breite Masse der (künftigen) BEV-Fahrer zu maximal 59c wird laden können. Dafür verzichte ich gerne auf Komfort, bleibe 15 Minuten im Auto sitzen und checke meine mails. Zuhause laden für 30c, unterwegs aber für 79c, das werden Herr Hinz und Herr Kunz nicht mitmachen. 16€ für 100km Fahrt, diese Rechnung hat eine verheerende Wirkung.

egon_meier:

Für mich ist das nichts und ich befürchte, dass meine Skoda-ladekarte dort nicht zu günstigen Tarifen führt.
Ein Versuch ist dieses Konzept auf jeden Fall wert und es ist schön zu sehen, dass die second-Life-Nutzung der Akkus ihren Weg nimmt.
Es ist auch für den Kunden reizvoll, wenn die hersteller dort die Konzern-akkus für weitere 15 jahre nutzen – das bringt für Gebrauchtwagen einen hohen Restwert.

Düster sieht es da wieder für die kleinen Hersteller aus. Für die kleinen anfallenden Akkumengen lohnt sich die Entwicklung eines Second-Life-Marktes nicht in diesem Maße. Es bleibt nur Recycling im Schredder und das ist schade.
Ich vermute auch, dass auf dem Gebrauchtteilemarkt die Akkus/Zellen von MG und Aiways nicht viel wert sind denn die Karossen werden erfahrungsgemäß flotter durchgerostet sein als die Akkus degradieren können.

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