Volkswagen setzt in China auf Lokalisierung und Technik

Cover Image for Volkswagen setzt in China auf Lokalisierung und Technik
Copyright ©

Robert Way / Shutterstock.com

Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 3 min

Seit 2022 ist Ralf Brandstätter CEO von Volkswagen China und hat das Unternehmen seitdem grundlegend neu aufgestellt. Auf der IAA hat er mit der Automobilwoche darüber gesprochen, mit welcher Strategie er den größten und dynamischsten Automarkt der Welt erobern will. „Wir haben gesehen, wie sicher der Markt rasant Richtung Elektromobilität und digitale Technologien entwickelt. Damit sind auch viele neue Wettbewerber entstanden, die neue Produkte und Technologien zu einem sehr niedrigen Preisniveau anbieten – darauf haben wir uns schnell eingestellt“, sagte Brandstätter.

Selbst die chinesische Regierung hatte nicht damit gerechnet, dass der Markt sich so schnell verändert, und prognostizierte im Jahr 2020, dass New-Energy-Vehicles (NEVs) bis 2025 etwa 25 Prozent der Neuzulassungen ausmachen würden. Tatsächlich liegt ihr Anteil heute schon bei rund 50 Prozent.

„2030 erwarten wir einen NEV-Anteil am Gesamtmarkt von ungefähr 80 Prozent“, äußerte Brandstätter. Volkswagen will bis 2027 gleich 30 NEV-Modelle auf den chinesischen Markt einführen. Zugleich betont der China-Chef, dass Verbrenner weiterhin eine wichtige Rolle für das Geschäft spielen werden. Er geht davon aus, dass im Jahr 2030 von schätzungsweise 28 Millionen Autos immer noch 20 Prozent mit reinem Verbrennungsmotor ausgestattet sind, während Plug-in-Hybride und E-Autos mit Range-Extender einen Anteil von 35 Prozent ausmachen sollen.

Teil der Volkswagen-Strategie in China ist die Lokalisierung, die über eine Produktion vor Ort hinausreicht. „Wir sind nicht mehr 9000 Kilometer entfernt, sondern direkt da, wo Innovationen entstehen“, sagte Brandstätter. Volkswagen habe dazu Partnerschaften aufgebaut und arbeite schon in der Konzeptphase eng mit Zulieferern zusammen. Das Entwicklungszentrum in Hefei mit 3000 Experten ermögliche zudem die Entwicklung neuer Fahrzeuge innerhalb von 24 bis 36 Monaten. Dieses Tempo sei vor zweieinhalb Jahren undenkbar gewesen.

Mit Joint Ventures wie Carizon, das aus der Partnerschaft mit Horizon Robotics hervorgegangen ist, hat sich Volkswagen auch technologisch neu aufgestellt. Mit etwa 500 Software-Ingenieuren entwickelt das Joint Venture einen eigenen ADAS-Slack. „Ende des Jahres bringen wir Level 2+, 2026 folgt Level 2++, mit klarer Roadmap zu Level 3. Das ist unsere eigene Entwicklung – wir sind damit nicht länger von Blackbox-Systemen der Zulieferer abhängig“, erklärte Brandstätter.

Die Entwicklung und Produktion vor Ort in China bringen zum einen den Vorteil, dass gesetzliche Vorgaben und Regularien besser berücksichtigt werden können. Zum anderen sieht der China-Chef sie als Maßnahme, um eine Resilienz gegenüber geopolitischen Risiken zu schaffen. Volkswagen wolle daher einen überwiegenden Teil seiner Produkte und Technologien für den chinesischen Markt lokal produzieren.

Der Manager betonte die großen Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem europäischen Markt: „Der durchschnittliche Neuwagenkunde in China ist im Schnitt 20 Jahre jünger als in Europa, Erstkäufer und hat eine geringe Markenloyalität. Außerdem ist er sehr technikaffin, verdient gut und wünscht sich ein cooles Auto“.

Wie in der westlichen Welt legten aber auch die chinesischen Kunden großen Wert auf Qualität und Sicherheit. Daher werde und wolle Volkswagen nie so schnell sein wie ein chinesisches Start-up, erklärte Brandstätter. „In China erobert heute der Schnelle den Markt und morgen der mit dem besten Gesamtpaket aus Tech, Verlässlichkeit und Sicherheit“, ergänzte der Volkswagen-Chef für China.

Quelle: Automobilwoche – VW-China-Chef: „Werden nie so schnell sein wie ein Start-up“

Worthy not set for this post

Artikel teilen:

Kommentare (Wird geladen...)

Ähnliche Artikel

Cover Image for Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Sebastian Henßler  —  

Michael Jost kritisiert Technologieoffenheit als Ausrede: Wer alle Wege offenhält, geht keinen konsequent – nur das Elektroauto führt zur Klimaneutralität.

Cover Image for So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

Sebastian Henßler  —  

Volvo EX30 Cross Country bleibt ein City-Stromer, wirkt stabiler und vielseitiger. Offroad-Design, solide Reichweite und starke Ladeleistung runden ihn ab.

Cover Image for Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Daniel Krenzer  —  

WLTP- und Testverbräuche hin oder her: Das sind die sparsamsten E-Autos, wenn man auf ihren realen alltäglichen Einsatz schaut.

Cover Image for Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Daniel Krenzer  —  

Nun steht fest, bis zu welchem Haushaltseinkommen die neue E-Auto-Förderung genutzt werden könnte. Es geht dabei nicht nur um E-Autos.

Cover Image for Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

Cover Image for Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.