Verbrennerende, günstige E-Autos und V2G: Wie VW seine Elektroauto-Strategie beschleunigt

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Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die E-Mobilität ist die Zukunft bei Volkswagen. Vor wenigen Tagen konkretisierte der Hersteller dieses Vorhaben mit einem konkreten Datum: Spätestens ab dem Jahr 2035 will die Kernmarke VW in Europa keine Verbrenner mehr verkaufen.In Europa werden wir zwischen 2033 und 2035 den letzten Verbrenner vom Band laufen lassen“, sagte VW-Markenchef Ralf Brandstätter in einem gemeinsamen Interview mit dem Magazin Electrified und der Autogazette. Als Zwischenziel sollen bis zum Jahr 2030 bereits 70 Prozent aller neuen Volkswagen rein elektrisch fahren.

Damit dies gelingt, zieht VW auch in günstigeren Segmenten seinen E-Auto-Fahrplan strammer. Die Wolfsburger haben sich „dafür entschieden, unsere Small-BEV-Familie von 2027 auf 2025 vorziehen“. Damit werde VW „schon bald Elektrofahrzeuge ab 20.000 Euro anbieten und ein wichtiges Kundensegment bedienen“, kündigte Brandstätter an.

Für andere Märkte wie etwa die USA und China jedoch sind die Ziele demnach nicht ganz so ehrgeizig. Bis 2030 sollen dort nur 50 Prozent der Neuwagen reine E-Autos sein, ein Verbrennerende hat VW hierfür noch nicht definiert. In anderen Weltregionen erwarte VW „aufgrund der unterschiedlichen Transformationsgeschwindigkeiten sowie der teils noch unklaren Rahmenbedingungen ein leicht verzögertes Ausstiegsdatum“, so Brandstätter hierzu.

In Südamerika und Afrika etwa werde es „aufgrund der noch fehlenden Rahmenbedingungen, wie einer Ladeinfrastruktur, noch ein gutes Stück länger dauern“. Es liege auf der Hand, dass sich Volkswagen „als sehr international aufgestelltes Unternehmen an die unterschiedlichen Transformationsgeschwindigkeiten in den einzelnen Regionen“ anpassen müsse.

„Die E-Mobilität hat Momentum gewonnen“

Die E-Mobilität hat Momentum gewonnen“, sagt Brandstätter über den aktuellen Aufschwung bei den Verkaufszahlen. VW steuere darauf zu, in diesem Jahr etwa 300.000 reine Elektroautos zu verkaufen. „Wir sind hier voll auf Kurs, auch beim Kapazitätsausbau in unseren Werken“, so der VW-Markenchef. „Entscheidend“ für die E-Mobilität sei aber nicht nur das Engagement der Hersteller, E-Modelle auf den Markt zu bringen, sondern auch „der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien und der Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzwerkes“.

Sollte nach den Neuwahlen im Herbst eine Regierung zustande kommen, welche für Deutschland bereits das Jahr 2030 als Ausstiegsdatum von der Verbrennertechnologie festlegt, wäre VW in der Lage, das zu stemmen, so Brandstätter weiter: „Wir sind auf unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wechsel hin zur Elektromobilität vorbereitet“, sagte er in dem Interview, und VW sei „bereit, diesen Wandel mitzugestalten“.

Er betont dabei allerdings auch, dass es nicht reicht, nur ein Datum für den Verbrennerausstieg festzulegen: „Wir müssen ebenso die Ladeinfrastruktur schnell entwickeln und die Energiewende voranbringen“, fordert er in diesem Zusammenhang, da es nicht sinnvoll sei, „auf einen hohen Elektroanteil zu drängen, solange wir noch einen hohen Kohlestromanteil haben“. Nur wenn E-Autos mit erneuerbaren Energien versorgt werden, könne die Elektromobilität ihre „volle Wirkung für den Klimaschutz entfalten“.

Volkswagen investiert deshalb auch in Projekte in diesem Bereich, etwa gemeinsam mit RWE in einen Solarpark in Mecklenburg-Vorpommern. So wolle der Hersteller zum einen „ein klares Zeichen“ für die Energiewende setzen und zum anderen „die Nutzungsphase unserer Fahrzeugflotte bilanziell CO2-neutral stellen“. Deutschland brauche mehr Wind- und Sonnenenergie, fordert Brandstätter, und verweist darauf, dass aktuell gut „6 Millionen Terrawatt-Stunden an Windenergie nicht genutzt“ werden können, da oft mehr Windstrom erzeugt wird, als eigentlich gebraucht wird. Mit dieser Energie „könnte man jährlich 2,7 Millionen Elektrofahrzeuge betreiben“ rechnet der VW-Markenchef vor.

VW will „bald“ mit V2G beginnen

Als Lösung für diese Schieflage bringt er V2G ins Spiel: „E-Autos, die nachts an der Ladedose hängen, könnten hier als Speicher dienen“, und ihre Energie bei Lastspitzen wieder ans Netz abgeben. Brandstätter kündigt in dem Interview an, dass VWs E-Autos „zukünftig auch das bidirektionale Laden ermöglichen“. Der Hersteller wolle „hier bald ein Angebot machen“.

Um im Großen Ganzen mehr für den Klimaschutz zu tun, habe VW „vier große Stellhebel in Bewegung“ gesetzt, wie Brandstätter erklärt: „die weiter beschleunigte Elektrifizierung des Produktportfolios, die Dekarbonisierung von Lieferkette und Produktion, der konsequente Einsatz von Grünstrom in der Nutzungsphase und das Recycling der Batterien“. Das finale Ziel: „Bis spätestens 2050 machen wir unsere Flotte und das gesamte Unternehmen CO2 neutral.“

Quelle: Electrified – Machen mehr als nur die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Konrad Pfeilsticker:

Für die Wahlen sind leider Fakten wenig relevant und noch weniger Aussagen über Zustände die wir in der Zukunft haben. Dazu ist es noch so, dass ein Ereignis kurz vor der Wahl das Wahlverhalten stärker beeinflusst als jahrelanges faktisches Arbeiten. (75 % der Menschen sind im heute, hier und jetzt und können Veränderungssystematiken nicht verstehen. Hat man ja auch gut bei Corona gesehen. Erst als die KH voll waren hat man gegengesteuert. Beim Klima ist es dann allerdings zu spät). Daher habe ich die Hoffnung dass wir im Spätsommer eine dicke Hitzewelle, mit Wassermangel, Baumsterben (wer mal eine Führung mit einem Förster macht kann verstehen welch dramatische Veränderungen wir in nur 50 Jahren hatten) usw haben, was dann das kurzfristige Wahlverhalten positiv beeinflusst. Wir werden es sehen …

Konrad Pfeilsticker:

Zustimmung. Wenn man die BEV Zulassungszahlen exponentiell extrapoliert dann wird bereits 2026 kein Verbrenner (und auch kein Hybrid) mehr zugelassen. (Ich habe Weihnachten 2017 genau darauf gewettet. Bisher passt das. Durch die Prämie ist es sogar noch beschleunigt worden). Aber das kann so natürlich keiner schreiben, weil man damit die Menschen überfordern würde. Wird aber so kommen. Gibt einen schönen Film von Tony Seba zum Thema Disruption und wie in NYC um 1900 die Kutschen innerhalb von 10 Jahren komplett durch Autos ersetzt wurden. In 2 Jahren (2023) werden nur noch sehr Rückständige reine Verbrenner kaufen. Plug Ins (die ja wenig Sinn ergeben aber natürlich den Einstieg für Zögerliche erleichtern (ich hatte 2016 – 2019 auch ein PHEV)) werden dann noch verkauft aber eben auch schnell immer weniger verkauft, denn die BEV Palette ist dann gut und die Infrastruktur wird passend zu den Verkäufen ausgebaut. Bisher brauchte man dazu etwas Mut. In 2 Jahren ist das alles ein „no brainer“ und normale Entscheider (vs. Pionieren) werden die Transformation unterstützen. Es sind ja nicht die nicht vorhandenen Ladesäulen, die das Problem waren sondern es bestand (in der nicht Tesla Welt) das Problem die Säule zum Laufen zu bringen (welche App, welche Karte, welcher preis, …). Und das ändert sich ja gerade zügig in die richtige Richtung.

Konrad Pfeilsticker:

Ich habe auch einen Hausakku mit 15 kWh. Je nach Modell zahlt man 1000 € / kWh. Im Auto sind wir bei Preisen von 100 € / kWh. Hin und wieder braucht man mehr Leistung (E-Bike lädt, Herdplatten sind an, Waschmaschine läuft …) und mehr Energie und dann wäre V2H perfekt passend. An einem Sonnentag mache ich meinen 80 kWh Auto Akku voll. Wenn dann mehrere Tage die Sonne nicht so stark scheint läuft mein Hausakku leer. Dann könnte ich per V2H wieder Energie zurück ins Haus „schaufeln“ und den Eigenverbrauch weiter erhöhen.

Konrad Pfeilsticker:

Im Artikel Steht „6 Millionen Terrawatt-Stunden an Windenergie nicht genutzt“. Das stimmt nicht. Es sind 6 TWh (also 6000 GWh oder 6000000 MWh oder 6000000000 kWh). Deutschland verbraucht in Summe ca. 500 TWh.

Alexandra:

…steuerrechtliche Behandlung – da sagst du was! hätte ich keinen Steuerberater im Freundeskreis, hätte ich mich gegen eine PVA entscheiden. Jeder der eine hat, weiss was ich meine ..
zum Thema V2H, zu Hause, Strom selber produziert. Dieser eigengenutzer Strom, den ich mit meiner PV produziere muss versteuert werden. Wenn ich den in meinem Auto zwischenspeicher und später verbrauche ist er dennoch verbraucht und ich zahl Steuer.
Natürlich wird bei der Versteuerung nicht die Einspeisevergütung (4ct), sondern der Preis zu Grunde gelegt, den ich beim Einkauf über den Stromversorger bezahlt hätte -> 32ct * 19% = 6ct
Immernoch günstiger als die Ladestellen, oder?
Aufgrund der PVA habe ich den entsprechenden Zweirichtigszähler schon.
Ich werde bei einer 4ct Einspeisevergütung NIEMALS Strom aus dem Auto ins Netz einspeisen!

Gesetz den Fall jemand hat keine PVA, aber eine bi-direktionale Wallbox ( die es lt diversen Herstellern angeblich aus bla bla bla Gründen noch nicht gibt ) ändert sich doch nichts an der Situation, daß ich Strom zu Hause verbrauche, der nicht ins Netz abgegeben wird.

Der Strom im Auto ist zB entweder free of charge geladen beim Arbeitsplatz, oder bezahlt an einer Ladesäule – in beiden Fällen wird Steuer abgeführt. Wenn Eure eure Arbeitgeber for free laden lasse, super! Das ist die neue „Tankkarte“ – ich hab eine für den Diesel ….

all das ist m.E. immernoch V2H … und wenn unsere Regierung das erleichtern würde, würden sicherlich mehrere Laute sich PVAs anschaffen.

Ich befürchte aber, das die neue Regierung einen Kanzler stellt, und nicht eine Kanzlerin, insofern wird das wieder nix …

adson:

Warte mal die Bundestagswahlen ab, es ist offensichtlich auch großen Teilen der Bevölkerung egal. Und wenn ich sehe wie im Internet Fakten verdreht werden bzw. die Kanzlerkandidatin der Grünen massiv verunglimpft wird, packt mich das Entsetzen. Aber ich glaube auch das der Eine oder Andere daraufhin sein Wahlverhalten anpasst. Und wieder denen nachläuft, die bereits die letzten 20 Jahre tatenlos verschlafen haben.

Bernhard:

Da liegt der Hund begraben. Wenn wir brav alle unsere Wallboxen anmelden, sind sie schon mal registriert. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo die Steuerausfälle aus den Steuern für Benzin und Diesel derart zurückgehen, daß diese Mindereinnahmen anderweitig reingeholt werden müssen. Spätestens dann werden wir an unsere registrierten Wallboxen einen Zähler installieren müssen, damit das Finanzamt bei uns eine Autostromsteuer erheben kann. Natürlich reine Spekulation, aber mich würde es nicht wundern, wenn es so kommen würde.

Wer nun „zufällig“ einen Starkstromanschluss in seiner Garage hat und sich einen Juicebooster oder NR-Kick anschafft umgeht die Registrierung. Das wird spätestens dann interessant, wenn die KfW-Förderung mit den 900 € für eine Wallbox ausläuft. Das kann schon in den nächsten Wochen passieren, weil der Fördertopf leerläuft.

Quaster:

Der nächste Schritt ist dann der zentrale Stopphebel in Brüssel. Wird der gedrückt, fahren alle BEV automatisch an die Ladesäulen. Dann bitte alle umsteigen auf E-bikes und E-Roller.

KonaFan:

Bei V2G und V2H ist das Wesentliche Problem die steuerrechtliche Behandlung. Auch Ideen Fahrstrom steuerlich billiger zu machen sind nicht einfach. Wenn Strom an öffentlichen Ladepunkten billiger wäre als der Hausstrom, könnte man ihn mit V2H nach Hause fahren. Die Wallbox oder das Auto müsste dann auch einen eigenen Zweirichtungszähler der von einem Meßstellenbetreiber verwaltet wird.

KonaFan:

Das ist schon Richtig. Ich Frage mich aber wie die neuen gesetzlichen Ziele der CO2 Neutralität bis 2045 erreicht werden soll, wenn große Erzeuger dies erst 2050 erreichen wollen.

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