Stellantis will Verbrenner-Produktion drosseln und stattdessen mehr E-Autos bauen

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Citroën

Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Der Autokonzern Stellantis ist dazu bereit, die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren zu drosseln und stattdessen mehr Elektroautos zu montieren, um seine CO2-Emissionsziele für 2025 zu erreichen, anstatt Bußgelder an die EU zu zahlen, sagte der Europa-Chef des Konzerns Jean-Philippe Imparato einem Bericht zufolge.

Die Produktionskürzungen von Verbrennern könnten demnach bereits am 1. November beginnen, so Imparato, der erst vor gut zwei Wochen im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung des Managements zum COO für die europäische Region des Autoherstellers ernannt wurde. Imparato war zuvor CEO der Stellantis-Marke Alfa Romeo und vor der Stellantis-Fusion im Januar 2021 CEO von Peugeot bei der PSA Group.

Stellantis hat sich bereits mehrmals gegen jedwede Verzögerung oder Lockerung der CO2-Vorschriften für 2025 ausgesprochen. Der CEO des 14-Marken-Konzerns, Carlos Tavares, sagte auf dem Pariser Autosalon, dass Stellantis seine Ziele erreichen werde und dass jede Verzögerung der neuen Vorschriften bedeuten würde, dass die europäischen Autohersteller noch weiter hinter den technologisch fortschrittlicheren chinesischen Marken zurückfallen würden.

Imparato nannte auch konkrete Zahlen: Stellantis werde seinen Anteil an Elektroautos im kommenden Jahr auf 24 Prozent des gesamten Fahrzeugabsatzes verdoppeln müssen, um sein CO2-Ziel für 2025 zu erreichen. Und wenn die Nachfrage nach Elektroautos auf dem aktuellen Niveau bleibe, bestehe die einzige Möglichkeit, das Ziel zu erreichen und Geldstrafen zu vermeiden, darin, die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotor herunterzufahren, so der Manager. Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihm nicht mehr: „Meine erste Aufgabe ist es, die Produktion für Fahrzeuge, die im ersten Quartal 2025 verkauft werden, bis zur ersten Novemberwoche auszurichten“, sagte Imparato über den Zeitplan der kommenden Wochen.

Ein potenzieller Vorteil für Stellantis ist die jüngste Investition des Konzerns in Leapmotor, einen chinesischen Autohersteller, der vor kurzem damit begonnen hat, zwei günstige E-Auto-Modelle in Europa zu verkaufen. Die E-Autos, die vom Joint-Venture Leapmotor International verkauft werden, fließen in die Emissionszahlen des Konzerns ein, da Stellantis an dem Joint-Venture einen Anteil von 51 Prozent innehat.

„Wenn sie mitspielen, werden sie viel Geld verdienen“

Produktionskürzungen von Autos mit Verbrennungsmotor aufgrund der Emissionsziele könnten Stellantis‘ Probleme in Europa zumindest kurzfristig noch verstärken. Aktuell hat Stellantis mit einem starken Absatzrückgang zu kämpfen, hinzu kommen Verzögerungen bei wichtigen Modellen wie dem Citroën C3 und dessen Elektro-Variante e-C3. Wegen schwacher Nachfrage wurde zuletzt mehrmals die Produktion des Fiat 500e ausgesetzt.

Imparato sagte, er könne an mehreren Stellschrauben drehen, um die Verkäufe von Elektroautos zu erhöhen, mit Maßnahmen, die jeweils auf die einzelnen europäischen Märkte zugeschnitten seien. Demnach müssten Händler in Spanien und Italien, wo der Marktanteil von Elektroautos aktuell weniger als 5 Prozent beträgt, im kommenden Jahr nicht um jeden Preis 20 Prozent E-Autos verkaufen, wenn beispielsweise in den Niederlanden die Quote bei 50 Prozent liege.

Das Unternehmen werde auch die Anreize für Händler erhöhen, um den Absatz von E-Autos zu erhöhen: „Wenn sie mitspielen, werden sie viel Geld verdienen“, stellte Imparato in Aussicht und fügte hinzu, dass das neue Anreizprogramm die gesamte Vertriebskette belohnen werde, vom Verkäufer bis zum Zonenmanager.

„Ein Elektroauto kann man dreimal verkaufen“

Auch das Problem der vielen Leasingrückläufer hat Imparato im Blick: Die Händler stünden aktuell vor einem „Berg“ an Elektroautos, die nun nach und nach aus Leasingverträgen zurückkommen, die 2021 und 2022 abgeschlossen wurden. Die Autohersteller müssten die Händler bei den Restwerten unterstützen, sagte Imparato, und lernen, wie sie den langfristigen Wert von Elektroautos besser nutzen können. „Ein Elektroauto kann man dreimal verkaufen“, so Imparato. „Damit meine ich ein erstes Leasing und danach zwei weitere Leasingverträge als Gebrauchtwagen“.

Die Maßnahmen sollen nicht nur die Preise von Elektroautos betreffen, sondern auch die von Autos mit Verbrennungsmotoren – allerdings in gegenläufiger Richtung: Stellantis könnte Imparato zufolge die Preise für Verbrenner „flexibel, je nach Modell, Marke und Markt“ erhöhen.

Quelle: Automotive News – Stellantis ready to cut ICE car production in Europe to meet CO2 target

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Floofman:

Ja, über die Preispolitik von Stellantis mag man sich zu Recht wundern. Hatte mal mit einem e-Corsa geliebäugelt, aber wenn man bisschen Ausstattung drin haben wollte, hätte man für einen lächerlichen Aufpreis einen gleich ausgestatteten Astra bekommen. Bei Peugeot ähnliches Bild von 208 zu 308.
Da sich zwischenzeitlich das Anforderungsprofil etwas geändert hat und ich einen elektrischen Kombi wollte, hatte ich als die Entscheidung anstand aber auch kaum Alternativen aus anderen Häusern.
Nun, was soll ich sagen? Mein 308 ist nicht perfekt, schneller laden, etwas mehr Reichweite und eine Anhängelast wären wünschenswert, aber ich fahre ihn richtig gern. Sehr komfortabel, wertige Verarbeitung, sehr wendig für einen Kombi. Habe ihn mittlerweile auch schon durch halb Europa gejagt, alles entspannt machbar.

Kurz gesagt: Stellantis hat gute Produkte, auch elektrisch, aber wie sie mit der Preispolitik viel verkaufen wollen, ist mir ein Rätsel.

Jakob Sperling:

A) In Frankreich z.B. sieht man recht viele elektrische Peugeots – auf jedenfalls mehr als alle anderen BEV.

B) Die nun startenden Angebote wie ë-C3, ë-C3 Aircross, Fiat Grande Panda, Opel Frontera etc. sind im Vergleich mit Konkurrenten recht attraktiv. Auf meiner 3er-Shortlist stehen auf jeden Fall die beiden Langversionen (Aircross und Frontera), zusammen mit dem Kia EV3.

Silverbeard:

Ich denke, das zuerst mal bei den Händlern begonnen werden muss. Der kleine Opelhändler in meiner Gemeinde hat noch nie eine Elektrovariante ausgestellt. Wie er berät weiß ich nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Kenntnisse bei E-Autos dünn sind.

Apfel:

Was wäre die Alternative? Nichts machen und Strafzahlungen zahlen?
Die Situation wird sich ja auch 2026 nicht ändern. Um Strafzahlungen zu entgehen müssen die Hersteller mehr auf E-Autos setzen und der erst Schritt wäre höhere Stückzahlen und niedrigere Preise.
VW hat den ID.3 ja schon ganz gut nach unten korrigiert.
Mal sehen was die nächsten 1-2 Jahre bringen werden.

Pedro G.:

Die Basisversion wird sich dem ID.3 anpassen müssen sonst wird halt weniger Verkauft !
Der Corsa wurde im Basispreis schon billiger !
Eine Unart der deutschen Autohersteller ist das bei der Zusatzausstattung zuviel verlangt wird !

hpe:

Ein Astra kostet aktuell als Benziner 27k und als E-Auto 42k. (Mit gerade einmal 50 kWh)
Den Aufpreis finde ich sehr hoch. Kein Wunder, dass sich die elektrische Variante schlecht verkauft.

egon_meier:

Da kann man wirklich nur lächeln ..
Mehr BEV bauen?? Wer kauft die Stellantis-Fahrzeuge denn? In Italien ist die e-500-Produktion stillgelegt und das trotz gewaltiger Preisnachlässe.
BEV von STellantis basieren meist auf Verbrenner-Umbauten und sind extrem teuer in der Herstellung.

Die preise müssten massiv runter aber es ist keine Luft da!

Wolfbrecht Gösebert:

„Preislich ist Stellantis bei BEV jenseits [von Gut und Böse], z.B. der Fiat 500e. Mal schauen[,] ob sie beim neuen Fiat Elektro Panda dazugelernt haben[?]“

Ja. Es bleibt aber immer noch möglich, auch den Preis für das Eingangsangebot des 500e zu senken :)
Und: Der T03 des Joint Venture von Stellantis und Leapmotor wird den Markt für kleine eAutos sowieso „aufmischen“ :)

Gregor:

der gebraucht Markt sagt da was anderes. Preise sind bei den gebrauchten jetzt realistischer.

Daniel:

Die Hersteller verstehen, dass alles besser ist als Strafzahlungen an EU oder CO2 Credits bei Konkurrenz (z.B. Tesla) zu kaufen. Das sind alles sunk costs. Statt nur die Boni der Verkäufer und Händler für BEV-Verkäufe zu erhöhen, wären tiefere Preise für BEV auch kein Fehler. Preislich ist Stellantis bei BEV jenseits, z.B. der Fiat 500e. Mal schauen ob sie beim neuen Fiat Elektro Panda dazugelernt haben

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