Renault forciert Kreislaufwirtschaft mit neuem Unternehmen

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Michael Neißendorfer
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Die französische Renault Group hat ein neues Unternehmen gegründet, das sich exklusiv der Kreislaufwirtschaft widmet: „The Future is Neutral“. Als erste Gesellschaft soll sie die gesamte Wertschöpfungskette der Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie erschließen und sich über die Renault Group hinaus an alle Akteure der Branche wenden. Vor dem Hintergrund der Energiewende, der Verknappung von Ressourcen und der Inflation bei Rohstoffpreisen soll das Unternehmen dank des erprobten Know-hows seiner Tochtergesellschaften und seines bereits aktiven Partnernetzes neue technische und industrielle Lösungen für die Kreislaufwirtschaft entwickeln.

Das neue Unternehmen The Future is Neutral wird der Automobilindustrie ermöglichen, den Anteil der recycelten Materialien aus eigenen Quellen bei der Produktion von Neufahrzeugen deutlich zu erhöhen. Heute enthält ein Neuwagen nur 20 bis 30 Prozent recycelte Materialien aus allen Branchen.

Kurzfristig zielt das neue Unternehmen darauf ab, seine bestehenden Geschäftsbereiche auszubauen und innovative Möglichkeiten für die Automobilindustrie zu entwickeln. Mit einem Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro und einer Marge von mehr als 10 Prozent strebt The Future is Neutral bis 2030 in Europa die führende Position in der Kreislaufwirtschaft für Kraftfahrzeuge an.

Um seine Entwicklung in einem schnell wachsenden Markt zu beschleunigen, bindet The Future is Neutral für einen kleinen Teil seines Kapitals externe Investoren ein, um bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 500 Millionen Euro zu kofinanzieren.

Heute machen wir einen weiteren Schritt in unserem langjährigen Engagement für die Kreislaufwirtschaft. Unsere Tochtergesellschaften Gaia, Indra und Boone Comenor sowie die Refactory in Flins haben bereits bewiesen, dass wir Aktivitäten entwickeln können, die während des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs einen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Mehrwert schaffen. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen beschleunigen wir die Entwicklung und gründen The Future is Neutral, ein Unternehmen, das alle unsere industriellen und technologischen Ressourcen sowie unser Netzwerk strategischer Partner bündelt“, sagt Luca de Meo, CEO der Renault Group.

Die Aufgabe des neuen Unternehmens sei es, das Geschäft strategisch und mit neuen Absatzmärkten auszubauen, indem es der Automobilindustrie, die mit der Herausforderung des Klimawandels, neuen gesetzlichen Bestimmungen und dem zunehmenden Druck auf die Ressourcen konfrontiert ist, geschlossene Recyclinglösungen anbietet. „Unser Ziel ist es, das Recycling in eine neue Ära zu führen und der europäische Marktführer im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu werden“, so de Meo.

Das Automobil als Rohstoffquelle

Jedes Jahr erreichen in Europa mehr als elf Millionen Fahrzeuge, die zu etwa 85 Prozent aus recycelbaren Materialien bestehen, das Ende ihres Lebenszyklus. Diese Ressourcen werden jedoch nur unzureichend genutzt: Neufahrzeuge bestehen aktuell nur zu 20 bis 30 Prozent aus recyceltem Material. Dieses stammt aus allen Industriezweigen. Das recycelbare Material aus Altfahrzeugen wird hingegen meist für andere industrielle Anwendungen wiederverwendet, insbesondere in der Metallverhüttung und im Bauwesen.

Ziel von The Future is Neutral ist es, den Wert von Teilen und Materialien so lange wie möglich zu erhalten und die Industrie in die Lage zu versetzen, bei der Produktion von Neufahrzeugen einen wesentlich höheren Anteil an recycelten Automobilmaterialien einzusetzen. Die Stärke von The Future is Neutral liegt Renault zufolge in seinem Netz von Tochtergesellschaften und Partnern, um Teile, Materialien und Batterien während des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu sammeln, gleich ob aus Schrottautos, Produktionsausschüssen oder Werkstätten.

Konkret stützt sich The Future is Neutral auf die Expertise seiner Tochtergesellschaft Gaia, die am Standort der Refactory Flins die Reparatur von Batterien, die Sammlung und Wiederverwendung von Teilen sowie das Recycling von Materialien aus Altfahrzeugen betreibt. Die ebenfalls im Herzen der Refactory Flins angesiedelte Aufarbeitung mechanischer und mechatronischer Teile sowie die künftige Demontageanlage für Fahrzeuge zielen darauf ab, diese Kreislaufströme zu versorgen. Mit seinem Referenzpartner Suez besteht das Unternehmen noch aus zwei weiteren Gesellschaften: Indra, mit mehr als 370 zugelassenen Zentren der Marktführer für die Verwertung von Altfahrzeugen in Frankreich, und Boone Comenor, ein Spezialist für das Recycling von Metallschrott aus der Industrie.

Gemeinsam mit diesen Partnern strebt The Future is Neutral eine Führungsrolle beim Recycling von Batterien in geschlossenen Kreisläufen an. Dies soll durch industrielle Prozesse erreicht werden, die in Bezug auf Ertrag und Reinheit neue Maßstäbe setzen sollen. Hierbei stützt sich das Unternehmen auf eine große Flotte von Elektroautos, die wertvolle Rohstoffe wie Nickel, Mangan, Kobalt und Lithium enthalten, das expandierende Netzwerk von Indra zur Unterstützung bei der Batteriesammlung sowie das Fachwissen von Gaia bei der Batteriediagnose. Schließlich soll The Future is Neutral auch mit seinen Partnern unter den Batterieherstellern, wie etwa Verkor, zusammenarbeiten, um deren Altbatterien mit Produktionsabfällen zusammenzuführen.

The Future is Neutral bietet der Automobilindustrie auch einen Beratungsservice sowie Schulungen zur Kreislaufwirtschaft an. Unterstützt wird das Unternehmen dabei vom CMI-Campus (Circular Mobility Industry) in Flins, der Teil der ReKnow University der Renault Group ist.

Quelle: Renault – Pressemitteilung vom 13.10.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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