Porsche-Finanzchef irritiert bei Premiere des E-Macan mit Zweifel am Verbrenner-Aus

Cover Image for Porsche-Finanzchef irritiert bei Premiere des E-Macan mit Zweifel am Verbrenner-Aus
Copyright ©

Porsche

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ein Kommentar von Michael Neißendorfer

Es war schon ein etwas seltsam anmutendes Schauspiel, das sich da entwickelt hat in Singapur am vergangenen Donnerstag. Porsche hat soeben sein zweites Elektroauto vorstellt, eine der wichtigsten Neuvorstellungen des Jahres der gesamten Autobranche, den rein elektrischen Macan – dessen Verbrenner-Tage nun langsam gezählt sind. Das Modell, neben dem Cayenne einer der Bestseller der Zuffenhausener, wird es schon bald nur noch als E-Auto geben. Konzern- und Markenchef Oliver Blume war eigens angereist, pries den E-Macan als sportlichstes Modell in seinem Segment und als „perfektes Auto für eine neue Art der Mobilität“ und verwies darauf, dass der Elektro-SUV den Weg weisen soll in die Elektrozukunft.

Porsche hatte sie schon mehrmals formuliert, seine ehrgeizigen Elektroauto-Pläne: 2025 soll die Hälfte aller neu verkauften Fahrzeuge rein elektrisch oder als Plug-in-Hybrid an Kunden gehen. Bis 2030 soll der Anteil aller neuen Porsche mit vollelektrischem Antrieb bei mehr als 80 Prozent liegen.

Und dann irritierte im Anschluss an die Premiere des E-Macan Porsches Finanzchef Lutz Meschke mit einer das vorherige Schauspiel und das Elektro-Ziel torpedierenden Aussage: „Es gibt im Moment viele Diskussionen über das Ende des Verbrennungsmotors“, sagte Meschke Automotive News zufolge.Ich denke, es könnte sich verzögern“, so seine offenbar persönliche Einschätzung. Er begründete sie mit „einer gewissen Zurückhaltung“ gegenüber Elektroautos. Zurückhaltung ist zwar in der Tat zu spüren, jedoch: Die Zulassungszahlen von E-Autos steigen weiterhin, wenn auch mit geringeren Steigerungsraten als in den Jahren zuvor.

Zweifel abbauen statt neue zu säen wäre angebracht

Die EU hat schon vor gut einem Jahr beschlossen, dass ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr zugelassen werden dürfen. Die Industrie hat nun noch elf lange Jahre Zeit, entschieden darauf hinzuarbeiten und wichtige Weichen zu stellen, attraktive Modelle zu entwickeln, robuste Lieferketten aufzustellen – und wäre auch in der Pflicht, einen Beitrag dazu zu leisten, um Vorbehalte, Vorurteile und Zweifel gegenüber Elektroautos abzubauen, um dieses Ziel nicht zu gefährden.

Man könnte die Zeit und seine Reputation nutzen, um positive Signale zu setzen, auf die vielen Vorteile der E-Mobilität hinzuweisen, wie etwa geringere Gesamtbetriebskosten und die deutlich bessere Klimabilanz. Zwei Vorteile, die Elektroautos mit steigendem CO2-Preis und dem stetigem Ausbau erneuerbarer Energien noch deutlich ausweiten werden.

Stattdessen schürt Meschke Unsicherheit und nährt Zweifel an der Elektromobilität. In Zeiten, in denen ein klares Bekenntnis wichtiger wäre denn je, da Diskussionen immer weniger auf Faktenbasis, dafür stark nach persönlichen Empfindungen geführt werden. Der Anlass für ein solches Bekenntnis wäre perfekt gewesen in Singapur. Chance verpasst. Jetzt hätten es die Kunden des Zuffenhausener Sportwagenherstellers in der Hand, Meschke zu zeigen, wo die Zukunft liegt: Denn jeder verkaufte Elektro-Porsche mehr wäre ein Gegenargument zu seinen Aussagen.

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


roland:

„Er“ – der Robert? Dann bin ich einverstanden.

Dodo:

An Benzin und Diesel kommen die trotzdem nicht ran.

Daniel:

Solche Aussagen wundern mich überhaupt nicht. Es gibt gerade bei den deutschen OEMs noch genügend Leute, denen das Ende des Verbrenners gegen den Strich geht und die – vor und hinter den Kulissen – so einiges daransetzen, dieses Ende zu verzögern wenn nicht sogar zu verhindern. Und jetzt wo der Absatz in einigen Märkten eine Delle aufweist, sehen sie ihre Chance gekommen. Solche Bemerkungen wie die von Herrn Meschke fallen nicht zufällig. Das sind wohlgesetze Nadelstiche der Verbrenner-Fetischisten und ihres politischen Arms, der FDP.

Danny S.:

Stromkosten werden aber günstiger..?

Danny S.:

[Edit: Kommentar gelöscht, bitte unsere Netiquette beachten und Aussagen mit Fakten wahrheitsgetreu untermauern, danke / Die Redaktion]

Gregor:

Die paar Hanseln in der EU, die dann noch an Verbrenner glaube und in Zukunft die ICE Neuwagen kaufen würden, könnten die Entwicklungskosten nicht bezahlen. Denn BEV werden dann wesentlich günstiger sein und allesamt aus China und anderen Ländern kommen. So leid es mir tut, aber die EU ist nicht abgekoppelt vom Rest der Welt, genau so wenig wie es DE und Porsche ist.

Gregor:

Es ist egal was ein Porsche Mensch sagt und ob die EU die Verbrenner verbietet oder nicht. Das Verbot ist nicht für die Kunden gedacht, sondern für die Hersteller. Denn die müssen planen können. Und können sie jetzt, bzw. haben es bereits. Die Umstellung ist nicht mehr aufzuhalten. Und wie schon gesagt, es ist egal was die EU entscheidet. Die starken Märkte in anderen Ländern haben dem ICE auch abgesagt, d.h. in China und wichtigen Märkten der USA gibt es keine ICE Zukunft mehr.
Würden sich die Hersteller aus DE also für den ICE entscheiden, wären sie in 5 bis 10 Jahren nicht mehr am Markt. Die paar Hanseln in der EU, die dann noch ICE Neuwagen kaufen, können die Entwicklungskosten nicht bezahlen.

Wolfbrecht Gösebert:

„Es geht um Umweltschutz und ab wann es Sinn macht einen BEV zu kaufen und wann nicht, …“

Bitte nicht immer wieder auf Stammtischniveau von vor 10 Jahren argumentieren: Selbst bei »indischen Verhältnissen mit dominierendem Kohlestrom« rechnen sich eAutos ggü. Verbrennern.
Und merke Dir endlich: Durch die Ausbaumaßnahmen der Erneuerbaren Energien ist jedes Jahr deren Anteil am Verbrauch laufend gestiegen und zusätzliche Verbraucher – also z.B. auch weitere eAuto-Anteile – nutzen im Jahresverlauf anteilig immer mehr Erneuerbare! (Quelle: –>smard.de)

Wolfbrecht Gösebert:

„Es geht grundsätzlich darum …“
von meiner Frage abzulenken, wo denn der Beleg für die behaupteten 50%-Wirkungsgrad-Verbrenner bleibt!

Weiter stehen noch Antworten aus zu:
• Wie [Verbrenner] völlig klimaneutral und lärmfrei fahren …? [Ironie Ende]

• Wem eigentlich willst Du hier permanent Deine Märchen verkaufen?

• die Hybrid-Sinnlosigkeit eines eigentlich kompletten BEVs mit dem GESAMTEN *zusätzlichen* Firlefanz eines Verbrenners wird der Gebrauchtmarkt sowieso in naher Zukunft entscheiden, spätestens dann, wenn die immensen Kosten von Wartung und Reparatur incl. Komplexität eines solch doppelt aufwändigen Hybrid-Fahrzeugs auch für den Letzten erkennbar werden!

• eFuel-Abgase – um mal dieser Dauerlüge gleich mal vorzubeugen sind zwar – mit einiger Mühe – CO₂-neutral zu rechnen aber dennoch absolut nicht klimaneutral, weiterhin giftig und können (beim Einatmen) auch tödlich sein.

Wolfbrecht Gösebert:

Dazu sag‘ ich »Mut zur Nische« und »herzlichen Glückwunsch« zu CO₂-Strafgebühren und stetig steigenden Treibstoffkosten!

Ähnliche Artikel

Cover Image for EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

Daniel Krenzer  —  

In Deutschland steigt der Anteil von Elektroautos in diesem Jahr besonders stark an. Frankreich hingegen schwächelte.

Cover Image for PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

Sebastian Henßler  —  

Europas Batteriebranche kämpft mit hohen Kosten, fehlendem Know-how und dem Vorsprung asiatischer Wettbewerber – PEM-Professor Heimes zeigt die Folgen.

Cover Image for IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

Michael Neißendorfer  —  

Kunden dürfen sich auf ultrakurze Ladezeiten und hohe Reichweiten freuen, so Capgemini-Analyst Sulek, die E-Mobilität wird also nochmals alltagstauglicher.

Cover Image for MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

Daniel Krenzer  —  

Mit einer Produktoffensive will die SAIC-Marke vor allem auf dem Heimatmarkt mehr Kunden von seinen E-Autos überzeugen.

Cover Image for Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Michael Neißendorfer  —  

Porsche stattet den vollelektrischen Macan mit neuen Assistenzsystemen und digitalen Features aus. Im Fokus stehen mehr Komfort beim Parken, Laden und Ziehen.

Cover Image for Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Laura Horst  —  

Führende südkoreanische Autohersteller und Batterieunternehmen wollen gemeinsam die Batteriesicherheit verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.