Plug-in-Hybride im Schnitt 265 Prozent über Normverbrauch

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Eine Studie des europäischen Dachverbands verschiedener Verkehrs- und Umweltorganisationen Transport & Environment (T&E) enthält neue, aber für viele wahrscheinlich nur wenig überraschende Erkenntnisse zu den realen CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridautos (PHEV). Die Analyse mehrerer europäischer Studien zu realen CO2-Emissionen von Plug-in-Hybriden zeigt, dass die tatsächlichen Emissionen im Durchschnitt mehr als das Zweieinhalbfache der offiziellen Testwerte betragen.

Über seine Nutzungsdauer (inkl. der Emissionen, die bei der Erzeugung von Kraftstoff oder Strom anfallen) wird ein aktueller Plug-in-Hybrid rund 28 Tonnen CO2 ausstoßen, etwas weniger als ein herkömmliches Hybridauto ohne Stecker (33 Tonnen). Im Vergleich dazu stößt ein herkömmlicher Benziner 39 Tonnen und ein Diesel im Schnitt 41 Tonnen CO2 aus. Ein neues Batterie-Elektroauto hingegen wird während seiner Nutzungsdauer nur etwa 3,8 Tonnen CO2 verursachen.

Die Untersuchungen zeigen zudem, dass Plug-in-Hybride häufig ihren Verbrennungsmotor hinzunehmen, selbst wenn sie mit angeblich null Emissionen fahren. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die CO2-Emissionen von PHEV im Realbetrieb viel mehr mit herkömmlichen Benzinern und Dieseln vergleichbar sind, denn mit reinen Elektroautos, so T&E.

Plug-in-Hybridautos haben sowohl einen herkömmlichen Verbrennungsmotor als auch eine Batterie und einen Elektromotor an Bord. Sie werden von Autoherstellern als emissionsarme Elektrofahrzeuge angepriesen, welche das beste aus zwei Welten unter einem Blechkleid in sich vereinen sollen und eine gängige rein elektrische Reichweite von mindestens 50 Kilometern aufweisen müssen, um in den Genuss von Förderungen zu kommen. Die Verkäufe von Plug-in-Hybriden steigen exponentiell, zum Teil im dreistelligen Prozentbereich.

Eine Attraktivität, welche die Hersteller in bare Münze umwandeln wollen: Allein in diesem Jahr werden in Europa fast 50 neue Plug-in-Modelle auf den Markt gebracht, womit sich die Gesamtzahl der verkauften Modelle auf mehr als 100 erhöht. Die Verkäufe werden in Deutschland neben der direkten Prämie auf den Kaufpreis auch durch großzügige Firmenwagensteuersätze getrieben.

117 Gramm CO2 je Kilometer statt den 44 Gramm aus den Labortests

Die Analyse der Datenbanken der realen Emissionen von PHEVs durch T&E zeigt, dass die Plug-in-Hybride im Schnitt eben nicht die 44 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, wie es aus den offiziellen Labortests abzuleiten ist, deren Werte in die Verkaufsprospekte wandern und in die Berechnung der CO2-Flottenemissionen der EU einfließen. Tatsächlich ist es mehr als das Zweieinhalbfache dessen: 117 Gramm CO2 je Kilometer.

Dies liegt zum einen daran, dass die Teilzeitstromer häufig nicht ausreichend regelmäßig von ihren Besitzern aufgeladen werden. Andererseits seien die Stecker-Hybride oft im Verbrennermodus unterwegs, selbst wenn sich der Plug-in-Hybrid im vermeintlichen emissionsfreien Modus befindet, etwa wenn bei kalten Temperaturen die Heizung eingeschaltet ist. Auch wenn Fahrer stark beschleunigen, werde oft automatisch der Verbrenner hinzugeschaltet. Die Daten zu den realen Emissionen von PHEV hat T&E aus einer Vielzahl von Quellen zusammengestellt, mit Informationen zu rund 20.000 Plug-in-Hybriden aus Flotten oder von privaten Käufern.

Quelle: Transport & Environment – UK briefing: The plug-in hybrid con (PDF)

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Markus Doessegger:

Oh doch das verstehe ich sehr wohl. Ein potenzieller Käufer würde sich sonst einfach den normalen Verbrenner kaufen und der Verkäufer müsste am Ende die CO2 Ziele nicht erreichen. Wie irrsinnig clever die Autobauer doch sind. So typisch BMW und Mercedes. Man lässt es einfach bei der Motorisierung etwas mehr krachen, montiert da und dor vielleicht noch eine Spoiler hin und schon klappt die Falle zu.
Mit einem Normalo Motor können Sie keinen Hardcore Verbrenner Fahrer ködern. Ich frage mich immer woher die soviel Geld haben für all die Werbung an den Events und den Auftritten mit ihren Bolliden in zahlreichen Holywood Filmen. Wenn diese beiden auftreten, dann gibt es immer Champagner vom Feinsten.

Ich kenne auch so jemanden, der hat mir nach der Probefahrt so eindrücklich vorgeschwärmt, wie kraftvoll doch der PHEV angezogen hat. „Das war schon ein geiles Gefühl. Als ich ihn dann anschliessend noch gefragt habe, ob er das Auto nach der Probefahrt auch wieder angesteckt habe, meinte er bloss, „Ahhh, anstecken, wo denn ?“

Felix Klüsener:

Herr Van Doom,

ich denke, dass wir uns in einigen Punkten einig sind. Nämlich, dass es durch den Ausstoß von Treibhausgasen einen Umweltschaden gibt, dass dieser Umweltschaden aktuell nicht durch den Spritpreis wiedergegeben wird und dass es für den Schaden erstmal egal ist, ob er von einem neuen Porsche, oder von einem alten Fiat verursacht wird.

Wenn die Arbeitsleistung des Fahrers eines alten Fiat für die Gesellschaft mehr Wert ist, als der verursachte Umweltschaden, dann müssen wir durch geeignete Instrumente, z.B. die Erhöhung des Freibetrags der Einkommensteuer, eine Erhöhung der Pendlerpauschale, oder auch eine jährliche pauschale Auszahlung dafür sorgen, dass diese Person ihre gesellschaftlich sinnvolle Aufgabe weiter erfüllen kann. Gleichzeitig würde der Lenkungseffekt des höheren Kraftstoffpreises bestehen bleiben. Sobald es finanziell möglich ist, würde jeder verständige Mensch ein Auto kaufen, dass weniger Sprit schluckt, als das alte Auto und sobald eine Bahnverbindung besteht, würde jeder mit der Bahn pendeln. Für denjenigen, der auf das Auto angewiesen ist, würde der Effekt nichtmal so groß ausfallen. Derjenige, der das Auto aber stehen lässt/lassen kann wird durch geringere Kosten bei steigendem Einkommen belohnt.

Mal abgesehen davon, dass es schwer umsetzbar ist verschiedene Steuersätze für eine Verbrauchssteuer einzuführen, würde es auch den Lenkungseffekt einschränken. Es gibt nämlich viel zu viele Menschen, für die eine Alternative zum Auto besteht, diese aber nicht genutzt wird, da das Auto die preisgünstigste Möglichkeit ist von A nach B zu gelangen.

Es gibt zum Beispiel den Vorschlag einiger Politiker, einen CO2 Preis einzuführen und alle Einnahmen aus der CO2 Steuer gleichmäßig auf die Einwohner zu verteilen. Das würde dazu führen, dass sich der Pendler seinen kleinen Fiat weiter leisten kann und der SUV Fahrer stärker belastet würde. Gleichzeitig würde ein Bahnpendler finanziell entlastet.

Insgesamt geht es ja bei der Idee der Internalisierung negativer externer Effekte nicht um eine Finanzierung des Staates, oder um eine Umverteilung von armen zu reichen Menschen, sondern um die Vermeidung eines Schadens, der in keinem Verhältnis zum Nutzen steht.

Letztendlich sollte eine Verbrauchssteuer ausschließlich dem Ausgleich eines Marktversagens dienen um das Konsumverhalten so zu lenken, dass der Nutzen für die gesamte Gesellschaft maximiert wird.

VictorVanDoom:

Was ich irgendwie nicht verstehe, wieso bei vielen der PHEVs so groß dimensionierte Motoren verbaut werden. Da fahr ich einmal Langstrecke und hol alles an CO2 wieder rein, dass ich mit dem Elektroantrieb gespart habe….

VictorVanDoom:

Ich meine das jetzt in aller Höflichkeit, aber in was für einer idealisierten, heilen Welt leben sie eigentlich???
Sie Beschreiben das so, als wäre es purer Luxus, dass ich einen Arbeitsplatz habe, der nicht direkt bei mir vor der Haustüre steht. Ist ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass manche Menschen da arbeiten müssen, wo sie einen Job bekommen? Dass wir da wohnen müssen, wo wir uns eine Wohnung mit besagtem Job überhaupt leisten können (was mittlerweile bei Leibe nicht mehr leicht ist)?

Meine Frau arbeitet in der Pflege. Mit Geld wird man in diesem Beruf mit Sicherheiten nicht überschüttet. Eine sinnvolle Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr gibt es von uns aus nicht, etwas näheres oder besser angebundenes können wir uns nicht leisten. Was sollen wir also ohne Auto machen, Taxi fahren?

Als ich vorhin gesagt habe es schadet den Falschen, meinte ich nicht die, die jeden Tag mit einem dicken SUV zur 3km entfernten Arbeit pendeln. Ich meinte die, die mit einem alten Fiat 90km zur Arbeit fahren, weil sie es müssen. Und dummerweise zählen meine Frau und ich gemeinsam vor den Augen des Staates nicht mehr als Geringverdiener, gleichwohl nach Ihrem Modell nach Sprit für uns kaum noch Geld fürs Wohnen und Essen bleib…

Markus Doessegger:

Sorry „Fortschritt“ mein Typo

Markus Doessegger:

@Marc, nur dank denjenigen, die investieren können entsteht Vortschritt. Wenn niemand investiert oder nur auf Befehl entsteht Stillstand, wie in der DDR.
Ja man kann den Reichtum verteilen, aber das machen Sie genau 1 Mal und dann ist auch da Ebbe. Das Uralte Spiel, dass die Sozies niemals bereit sein werden zu verstehen.

Markus Doessegger:

Aber bei einem Plug-In habe ich wenigstens die Chance etwas zu tun. Bei Ihrem Diesel sind Sie einfach am Ende der Fahnenstange. Da können Sie soviel drehen und wenden wie Sie wollen. Wenn nur schon 20% anstelle eines Diesels einen Plug-In auch wirklich Plug-In fahren, hat das Klima schon gewonnen. Den Kopf in den Sand stecken und weiter so ist keine Option.

Markus Doessegger:

Herr Klüsener, wenn Sie die Fahrt nicht mehr mit Ihrem Verbrenner antreten hat das Klima gewonnen und das Öl bleibt sogar dort wo es eigentlich hingehört, nämlich in der Erde. Genau darum geht es.

Müssen am Ende dieses Jahrzehntes wirklich immer noch 48 Milionen Autos in Deutschland unterwegs sein nur dass die Autofirmen, die allesamt im 20 Jahrhundert entstanden sind einfach nur am Leben erhalten werden. Innovation entsteht erst dann, wenn nicht einfach Alles seinen gewohnten Gang gehen kann.

Ich bin mir ganz sicher, dass der harte Kern der SUV Fahrer bis zum Äusserten gehen wird, um noch ihre 3 Tönner duch die Gegend jagen zu können. Vorher würden die Ihr Bett verkaufen.

Oder ist es nicht vielmehr an der Zeit den ÖV DE so auszubauen, dass am Ende nur noch 30 Milionen privater PkW’s und fast kein LkW’s mehr unterwegs sind und/oder diese dann auch noch elektrisch ? Das wäre ein aktiver Beitrag an Innovation und Cleantech.

Warum in aller Welt akzeptieren wir, dass breite Schultern bei den Steuern stärker belastet werden aber beim Benzin/Diesel soll das nicht auch möglich sein ?

Wieso denken wir immer noch so eingeschränkt, dass wir einfach nur das Prinzip „Alter Wein in neuen Schläuchen“ weiterführen können. Die Millenial Generation wird uns zeigen, dass es Anders und dazu noch viel effizienter gehen wird. Eine andere und neue Art der Mobilität die endlich das Alte aus dem 20 Jahrhundert ablösen wird und mehr Lebensqualität schafft.

Zu guter letzt, das Klima wird nicht warten bis wir uns sozial eingerichtet haben. Je früher wir handeln, je günstiger wird es uns kommen. Dass es uns aber schon heute sehr teuer zu stehen kommen wird ist absehbar.

Felix Klüsener:

Eine Anhebung des Kraftstoffpreises auf ein Niveau, das alle negativen externen Effekte vollständig internalisiert, würde zu einer Konsumvermeidung aller Konsumenten führen, deren Grenznutzen unter den neuen Bedingungen negativ wird. Der Nutzen der Gesamtgesellschaft wird hingegen erhöht, da die negativen externen Effekte vollständig durch den Preis abgebildet werden.

Beispiel: Durch eine Fahrt von A nach B habe ich Einnahmen von 5 €. Meine Kosten steigen durch den höheren Spritpreis von 4 € auf 8 €. Unter diesen neuen Bedingungen vermeide ich die Fahrt, die ich zu alten Bedingungen noch angetreten hätte. Mein persönlicher Nutzen reduziert sich in diesem Beispiel durch den neuen Preis von 1 € auf 0 € und der Nutzen der Gesamtgesellschaft erhöht sich von -3 € auf 0 €, da ich die Fahrt nicht mehr antrete.

So hart es klingt, aber für die Gesamtgesellschaft ergibt es keinen Sinn, wenn ein Geringverdiener eine weite Strecke zu seinem Arbeitsplatz fährt und durch den CO2 Ausstoß einen größeren Schaden für die Gesellschaft anrichtet, als seine Arbeit an Wertschöpfung erzielt.

Soviel zur marktwirtschaftlichen Theorie.

Da wir in Deutschland allerdings eine soziale Marktwirtschaft haben, müssen wir die Kosten für Sozialleistungen, auf die der Geringverdiener bei Arbeitslosigkeit Anspruch hat, ebenfalls berücksichtigen. Das könnten wir beispielsweise durch eine Erhöhung der Pendlerpauschale für Geringverdiener erreichen.

Christian Frommenwiler:

Doch genau die Hersteller sind schuld, indem der Verbrennermotor bei jeder Gelegenheit zugeschaltet wird und im Alltag das dauernde laden kaum jemand macht bzw für manche unmöglich ist. Die Hersteller wissen das ganz genau, dass die beworbenen CO2 Angaben so niemals nie erreicht werden und trotzdem wollen die Hersteller diese extrem stark umweltschädigten Fahrzeuge trotzdem verkaufen

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