Nissan will stärkere Rolle im E-Auto-Bündnis mit Renault

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Renault hat vor kurzem seine E-Auto-Strategie umfassend neu aufgestellt. Welche Rolle der langjährige Allianz-Partner Nissan dabei spielt, ließen die Franzosen noch offen. Man führe Gespräche, hieß es seitens der Franzosen. Nun hat der CEO von Nissan, Makoto Uchida, durchscheinen lassen, dass sich die Gespräche darauf konzentrierten, die Wettbewerbsfähigkeit als gleichberechtigte Partner zu stärken und das Beste aus den Investitionen in Elektroautos herauszuholen, so der Manager gegenüber Reuters. Eine Einigung wird für Mitte bis Ende des Monats erwartet. Es könnte allerdings auch noch etwas länger dauern.

Uchida sagte der Nachrichtenagentur, er spreche jedes Wochenende mit Renault-CEO Luca de Meo. Beteiligten zufolge, die mit den Verhandlungen vertraut sind, habe sich der Austausch von E-Mobility-Technologien als ein Knackpunkt herausgestellt. Uchida, der einen Großteil seiner Nissan-Karriere in Positionen im Zusammenhang mit dem französisch-japanischen Bündnis verbracht hat, betonte, dass die Gespräche auf gegenseitigem Vertrauen beruhten. Jedes der beiden Unternehmen verfüge über wertvolle Technologien; intensive Diskussionen über Technologietransfers liegen also in der Natur der Sache, fügte er hinzu.

Der Nissan-CEO sagte, das Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Automobilhersteller in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit zu verbessern, in der die Branche zu einem tiefgreifenden Wandel gezwungen ist, den Uchida mit der Umstellung auf Elektroautos als „ihre größte Transformation seit einem Jahrhundert“ bezeichnete.

Uchidas Kommentare waren seine ersten Äußerungen, seit die beiden Autohersteller bereits im vergangenen Monat mitteilten, sie würden über die Zukunft ihrer Allianz diskutieren. Die Partnerschaft, die mit einer Investition von Renault im Jahr 1999 begann, war entscheidend für den Aufschwung des japanischen Autoherstellers.

„Wir wollen, dass es eine gleichberechtigte Partnerschaft ist“

Nissan-Führungskräfte haben sich im Laufe der Jahre allerdings an der ungleichen Eigentümerstruktur gestört: Renault besitzt 43 Prozent von Nissan, der japanische Autohersteller aber hält lediglich eine nicht stimmberechtigte Beteiligung von 15 Prozent an Renault. Zur Diskussion stehe den Beteiligten zufolge eine Reduzierung der Anteile von Renault, möglicherweise ebenfalls auf 15 Prozent. „Wir wollen, dass es eine gleichberechtigte Partnerschaft ist“, sagte Uchida und fügte hinzu, dass „eine Partnerschaft auf Augenhöhe sinnvoll wäre und die Zusammenarbeit noch weiter beschleunigen“ würde.

Die beiden Unternehmen teilten bereits zuvor mit, dass Nissan erwägt, in die neue Elektroauto-Einheit von Renault mit dem Namen „Ampere“ zu investieren, die von seinem Verbrennungsmotorgeschäft mit dem Namen „Horse“ abgespalten wird.

Parallel zu den Gesprächen mit Nissan hat Renault auch mit Geely verhandelt. Der chinesische Autohersteller ist künftig an Horse beteiligt, Renaults Verbrenner-Einheit, die auch elektrifizierte Antriebe etwa für Plug-in-Hybride umfasst und Renault-Produktionsstandorte in Spanien, Portugal, der Türkei, Rumänien und Lateinamerika. Uchida sagt hierzu, dass Nissan die Transformation verstanden habe, die Renault mit dem Ausstieg aus seinem Verbrenner-Geschäft unternimmt, und dass eine „faire Behandlung“ für Nissan im Rahmen einer neuen Partnerschaft ein Diskussionsbereich sei. Er erwähnte Geely nicht namentlich, sagte aber: „Wenn sie einen neuen Partner A oder B oder C haben, was bedeutet das? Wir diskutieren offen darüber“, sagte er. „Transparenz ist sehr wichtig“, fügte er hinzu.

Uchida sagte auch, dass Nissan Notfallpläne für die Aussicht auf eine globale Rezession erarbeitet. „Damit wir auf dem Markt nachhaltig sind, müssen wir viele Szenarien antizipieren. Und das machen wir auch“, sagte er. Er nannte zum Beispiel die Abwertung des Yen auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten als ein weiteres Aufgabenfeld für Nissan.

Quelle: Reuters – Nissan says talks with Renault focused on better competing in electric cars

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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egon_meier:

Und wo ist jetzt das Problem??
Wenn man größere Projekte durchführt gibt es immer mal Umdisposition. Bis dahin bauen sie kräftig an Id.2/3/4 usw .. und anderen Fahrzeugen weiter.
Und welche Probleme kriegen sie nicht in den Griff? Wagen und Software laufen, es gibt Updates und neue Features. Alles gut.

Wie war das mit FSD? – 2017 ganz sicher. Ach ja .. kassiert haben sie schon.

Yoyo:

Ach egon_meier: Du musst jetzt gaaanz tapfer sein.
Dein heiß geliebter V.A.G.-Konzern bekommt das neue Trinity-Werk in WOB nicht gewuppt.
Scheinbar wird der Neubau ganz abgesagt.
Und die Softwareprobleme bekommen die Wolfsburger weiterhin auch nicht in den Griff.
Schau Dir doch mal den Megane Electric an, Da klappt das alles schon ganz ordentlich mit Google und so……
;-)

Albert Taubler:

So ist das halt im Wirtschaftsleben.
Ich war mal ein Jahrzehnt in einem großen solchen Unternehmen tätig, da wurden die härtesten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Abteilungen oder Bereichen ausgetragen. Aber man sah’s managementseitig auch als produktiven Wettbewerb und „survival of the fitest“. Nu ja..

egon_meier:

Das ist eine tolle Kooperation … statt endlich mal mit BEV richtig loszulegen hacken sich die Kooperations“Partner“ gegenseitig die Augen aus.
Kindergarten .. der Wettbewerb zieht davon und grinst.

Was waren Leaf und Zoe doch mal früher für Vorzeigeautos und ihre Herstellern hatten Visionen.

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