MG will Produktion nach Europa holen

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Die einst britische Automarke MG, die zur chinesischen SAIC-Gruppe gehört, prüft derzeit die Errichtung eines Werks in Europa. Eine Entscheidung über den Standort könnte noch vor Herbst fallen. Ziel ist es, künftig auch in Europa Autos zu bauen, um hohe Einfuhrabgaben auf Elektroautos aus China zu vermeiden. Seit November 2024 gelten zusätzliche Zölle auf chinesische Elektroautos. Diese betragen bei MG aktuell 35,3 Prozent und kommen zu den regulären zehn Prozent Einfuhrabgabe hinzu.

Die Europäische Union hatte diese Maßnahmen eingeführt, um ihre Industrie vor Preisverzerrungen zu schützen. Allerdings laufen derzeit neue Gespräche zwischen Brüssel und Peking über alternative Preisregelungen. Diese könnten mittelfristig die Zölle ablösen. In diesem Umfeld plant MG, mit einem eigenen Werk in Europa die wirtschaftlichen Nachteile zu verringern. Das Unternehmen sucht laut informierten Kreisen nach einem völlig neuen Standort. Bestehende Werke, wie sie von verschiedenen Ländern angeboten wurden, spielen offenbar keine Rolle, wie Automotive News Europe berichtet. Vorgesehen ist ein Werk mit einer Jahreskapazität von rund 100.000 Einheiten. Von Projektfreigabe bis Produktionsstart könnten etwa 12 bis 16 Monate vergehen. Ob und wann diese finale Genehmigung erteilt wird, ist noch offen.

Langfristig denkt MG über einen zweiten Standort nach. Auch dort wäre eine Kapazität von rund 100.000 Autos jährlich denkbar. Mit diesem Schritt würde sich das Unternehmen schrittweise unabhängiger vom Exportgeschäft aus China machen. Gleichzeitig reagiert es auf die sinkenden Verkaufszahlen von Elektroautos in Europa.

Im Jahr 2024 konnte MG insgesamt 243.395 Autos in Europa verkaufen – ein Plus von 5,1 Prozent. Der Absatz reiner Elektroautos sank jedoch deutlich. Mit 72.066 Einheiten lag der Rückgang bei etwa einem Drittel. Der Anteil an den gesamten Verkäufen schrumpfte von 47 auf 30 Prozent. Besonders stark war der Einbruch zu Jahresbeginn: Bis Ende Februar 2025 sanken die Verkaufszahlen von Elektroautos auf 5509 Einheiten. Damit machten sie nur noch 14 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Im gleichen Zeitraum stiegen die Gesamtauslieferungen von MG jedoch um 21 Prozent.

Die Wahl des künftigen MG-Standorts dürfte auch von politischen Rahmenbedingungen abhängen. Länder wie Deutschland, Ungarn, die Slowakei und Slowenien hatten sich gegen die Zusatzzölle ausgesprochen. Auch Malta, das keine eigene Autoindustrie besitzt, lehnte die Maßnahme ab. In anderen Staaten könnte es MG schwerer haben, ein Projekt umzusetzen. Medienberichte deuten darauf hin, dass die chinesische Regierung heimische Hersteller davor warnt, in Ländern zu investieren, die die Zölle unterstützt oder sich enthalten haben.

Ein möglicher Ausweg wäre die Türkei. Das Land verfügt über ein Freihandelsabkommen mit der EU und wäre daher nicht direkt von den EU-Zöllen betroffen. Die Suche nach einem geeigneten Standort zeigt, wie stark geopolitische Entwicklungen die Mobilitätsbranche beeinflussen. Entscheidungen über Produktionsorte hängen zunehmend nicht nur von wirtschaftlichen, sondern auch von handelspolitischen Erwägungen ab.

Quelle: Automotive News Europe – China’s MG offers new details on plans for Europe factory to avoid EV tariffs

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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