Mercedes Vision Iconic: Sehen wir hier die neue S-Klasse?

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Mercedes-Benz

Stefan Grundhoff
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Mercedes präsentiert seinen Ausblick auf die S-Klasse der Zukunft nicht auf einer Automesse, sondern in dieser Woche auf der Shanghai Fashion Week. Gut, dass die schwäbische Luxusstrategie noch nicht gänzlich verloren ist, denn vom kommenden Aushängeschild hängt vieles ab. Da kommt eine Neuauflage des Autobahnkuriers von 1938 gerade Recht.

Vor rund fünf Jahren kam die neue Mercedes S-Klasse auf den Markt und war wie ihre Vorgänger das Aushängeschild eines ganzen Segments. Doch während Hauptwettbewerber BMW seinen neuen Siebener wahlweise mit Verbrenner, als Diesel, Plug-in-Hybrid oder als Elektroversion zu den Kunden brachte, setzte Mercedes mit dem EQS auf ein Parallelableger für seine Elektrokunden. Der Mercedes EQS floppte und dürfte wegen anhaltender Erfolglosigkeit vorzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Dabei ist die Elektro-S-Klasse alles anders als ein schlechtes Auto – doch eben nicht auf dem Niveau des Verbrenners, und in Sachen Innovationen verzeichneten die Mercedes-Anhänger neben einem polarisierenden Design nur Hausmannskost.

Mercedes-Benz | Pebble Beach Concours d’Elegance 2021. Die begehrte Auszeichnung „Best of Show“ geht an einen von nur zwei jemals gebauten Mercedes-Benz 540 K Autobahnkurier von 1938 aus der Keller Collection, Petaluma, Kalifornien.

Im nächsten Frühjahr gibt es die längst überfällige Modellpflege für die aktuelle S-Klasse, bei der sich optisch jedoch nicht allzu viel tut. Technisch wird deutlich nachgelegt und im Detail eifrig gefeilt, doch davon profitiert eben nur die S-Kasse und nicht der EQS, der bereits eine sehr dezente Modellpflege bekam. Um Kunden und Investoren der Sternen-Marke bei Laune zu halten, zeigt Mercedes mit dem Vision Iconic daher in dieser Woche auf der Fashion Show in Shanghai einen visionären Ausblick auf ein Luxusmodell der Zukunft.

Mercedes Vision Iconic: Ausblick auf die Zukunft der S-Klasse?

Als düster schwarzes Nobelcoupé, das intern lange Zeit die Bezeichnung „Autobahnkurier“ mit Anlehnungen an ein historisches Modell vom Typ 320 des Jahres 1938 trug, denn in Sachen Image muss Mercedes nach endlosen Diskussionen um Einstiegsmodelle und Luxusaussagen deutlich nachlegen. Von der aktuellen Mercedes S-Klasse gibt es zwar eine Maybach-Version, doch Coupé und Cabriolet wurde von der Generation W223 gar nicht aufgelegt.

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Anzunehmen, dass es bei der kommenden, komplett neu entwickelten S-Klasse W224, die wohl 2029 auf den Markt rollen dürfte, auch wieder ein Coupé geben dürfte – entweder mit zwei oder vier Türen als Nachfolger des mittlerweile ebenso ausgelaufenen CLS. Das Problem bei den Coupés sind markenübergreifend schwache Volumina, denn gerade in Oberklasse und Luxussegment ein Coupé zu verkaufen, ist alles anders als einfach.

Gerade erst hat sich BMW von seinem 8er verabschiedet und Audi kaum beim A8 über ein Einzelstück nie hinaus. Noch schwieriger sieht es mit einem Cabriolet aus, das auch bei Mercedes wohl keine Neuauflage bekommen dürfte, denn bereits der kleinere Mercedes AMG SL tut sich bei den Händlern in aller Welt trotz unbestrittener Konsequenzen schwer. Da auch die elitäre G-Klasse nicht mehr wie frisch geschnittenes Brot läuft, ist hier für 2026 als Imagebringer eine Cabrioversion geplant. Auch hier ein Ladenhüter: die elektrische G-Klasse.

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Ein Mercedes soll ab 2026 wieder begehrlicher, deutlich imageträchtiger sein. Deshalb ist den Mercedes-Verantwortlichen der neu gestaltete Kühlergrill so wichtig, der seine Premiere auf der IAA in München mit dem neuen Mercedes GLC EQ feierte und auch die kommende C-Klasse zieren wird.

Noch imposanter und stylish illuminiert präsentiert sich die Front des Vision Iconic, der zwar erst in Shanghai seine Publikumspremiere feiert, jedoch im Mercedes-Design schon lange Zeit die Runde machte und erst nun enthüllt wird. Gesetzt sind LED-Frontscheinwerfer mit dem Sternenlogo, während das Heck des Vision Iconic an die Maybach-6-Studien der Jahre 2016 / 2017 erinnert.

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„Der Vision Iconic verkörpert unsere Vision für die Zukunft der Mobilität. Mit bahnbrechenden Innovationen wie Neuromorphic Computing, Steer-by-Wire, Solarlack und hochautomatisiertem Fahren Level 4 sowie modernster Technologie setzen wir neue Maßstäbe für das elektrische und digitale Zeitalter“, sagt der scheidende Mercedes-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Anzunehmen, dass die kommende S-Klasse-Generation die technischen Innovationen der Coupé-Studie in Serie bringen werden.

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Mercedes erprobt seit längerem neue Computer-Plattformen, Steer by Wire und auch Lacke, die die Sonnenenergie in elektrische Reichweite umwandeln können. Zum Ende des Jahrzehnts dürften auch das hochautomatisierte Fahren gesetzt sein, denn aktuell bietet die S-Klasse nur die Fahrerassistenzstufe drei bis zu einer Geschwindigkeit von 95 km/h.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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