Händler zweifeln an Strategie chinesischer Automarken

Cover Image for Händler zweifeln an Strategie chinesischer Automarken
Copyright ©

Robert Way / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Viele Autohändler in Deutschland hatten sich mehr vom Einstieg chinesischer Marken erhofft. Angesichts sinkender Verkaufszahlen traditioneller Anbieter sahen sie in den neuen Marken eine mögliche Ergänzung. Doch der große Erfolg blieb bislang aus. Das Interesse der Kundschaft ist gering, und viele Autohäuser warten ab, wie die Automobilwoche jüngst berichtet.

Ein Grund dafür sei die geringe Nachfrage nach E-Autos generell. Relevanter erscheint jedoch die Tatsache, dass europäische Hersteller ihre Angebote verbessert haben. Für viele Händler besteht deshalb kein akuter Bedarf, neue Marken ins Sortiment aufzunehmen. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft sieht darin einen nachvollziehbaren Schritt. Wer sich heute für eine chinesische Marke entscheidet, geht ein Risiko ein. Neben der Nachfrage fehlt es oft an überzeugenden Konzepten. Viele Hersteller aus China investieren zu wenig in Marketing und Kundenbindung. Händler wünschen sich klare Strategien und funktionierende Servicenetze. Die Realität sieht oft anders aus.

Die Probleme zeigen sich konkret: Firefly, eine Tochtermarke von Nio, wollte eigentlich früher starten, verschob den Termin nun aber auf das dritte Quartal. Firmengründer William Li räumte Fehler ein – man habe die Herausforderungen unterschätzt. Auch Changan, ursprünglich mit ambitionierten Plänen gestartet, setzt nun auf ein langsameres Vorgehen. Statt 50 Partnern bis Ende 2025 sind nun nur zehn im dritten Quartal vorgesehen. Selbst Marken, die schon länger in Deutschland vertreten sind, kämpfen mit Rückschlägen. Maxus, seit 2020 am Markt, verliert Händler. Auch bei der Personalbesetzung gibt es Lücken. BYD, ein weiterer großer Name, kommt bei der Umstrukturierung seines Händlernetzes nicht so schnell voran wie geplant. Eine Stellungnahme dazu blieb bislang aus.

Zwar gibt es große Ziele – BYD strebt für 2025 rund 50.000 Verkäufe an – doch die Realität sieht anders aus. Nach drei Monaten zählte das Kraftfahrtbundesamt nur rund 1200 Neuzulassungen. Andere Marken stehen vor ähnlichen Schwierigkeiten. Die gesteckten Vorgaben erscheinen zunehmend unrealistisch. Reindl zufolge wäre es bereits ein Erfolg, wenn einzelne chinesische Anbieter innerhalb von fünf Jahren einen Marktanteil von 0,5 bis einem Prozent erreichen würden. Schon die Zwei-Prozent-Marke ist für Importeure schwer zu knacken. Das gelte nicht nur für chinesische, sondern auch für andere asiatische Hersteller. Der Aufbau eines stabilen Netzes und einer verlässlichen Kundschaft dauert oft viele Jahre.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: In China herrscht aktuell ein harter Preiskampf. Dort konkurrieren rund 150 Marken um Marktanteile, davon allein etwa 100 aus China. Langfristig wird sich der Markt dort bereinigen – mit Folgen auch für den Export. Wer heute in Deutschland in eine neue Marke investiert, braucht Geduld und einen langen Atem. Nicht jeder ist bereit, diesen Weg zu gehen. Jochen Siebert, Experte für den chinesischen Automarkt, warnt sogar ausdrücklich davor. Er sieht derzeit keinen wirtschaftlichen Vorteil für Händler, auf chinesische Anbieter zu setzen. Die Entwicklung auf dem deutschen Markt zeigt: Große Ankündigungen reichen nicht aus. Ohne tragfähige Konzepte, verlässliche Partner und Geduld wird es schwer.

Quelle: Automobilwoche – Autohandel: Kaum noch Lust auf chinesische Marken

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Nik8888:

Klar, etablierte Händler können weiterwursteln wie bisher. Warum ein Risiko eingehen ?

Das größere Risiko ist aber, dass sich die Chinesen ihr eigenes Händlernetz aufbauen und die etablierten links liegen lassen.

Und der Erfolg der Chinesen wird definitiv kommen. Gestärkt vom härtesten Wettbewerb der Welt werden die überlebenden Hersteller die innovativsten und besten Produkte haben

Robert:

es liegt natürlich auch am Preis die Kunden sehen die Preise, die in China aufgerufen und kommen diese Fahrzeuge nach Deutschland kosten sie das Doppelte (kaum billiger als die Konkurrenz) technisch sind sie auch nicht wirklich ausgereift und natürlich das Händlernetz zu klein und wen es mal Probleme mit dem Fahrzeug gibt wie schnell kann es repariert werden? (Ersatzteilversorgung) da gibt es noch viel zu tun für die Chineschischen Hersteller und natürlich die zölle die die EU hier verhängt sind ein weiteres Problem für China

Ähnliche Artikel

Cover Image for EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

Daniel Krenzer  —  

In Deutschland steigt der Anteil von Elektroautos in diesem Jahr besonders stark an. Frankreich hingegen schwächelte.

Cover Image for PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

Sebastian Henßler  —  

Europas Batteriebranche kämpft mit hohen Kosten, fehlendem Know-how und dem Vorsprung asiatischer Wettbewerber – PEM-Professor Heimes zeigt die Folgen.

Cover Image for IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

Michael Neißendorfer  —  

Kunden dürfen sich auf ultrakurze Ladezeiten und hohe Reichweiten freuen, so Capgemini-Analyst Sulek, die E-Mobilität wird also nochmals alltagstauglicher.

Cover Image for MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

Daniel Krenzer  —  

Mit einer Produktoffensive will die SAIC-Marke vor allem auf dem Heimatmarkt mehr Kunden von seinen E-Autos überzeugen.

Cover Image for Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Michael Neißendorfer  —  

Porsche stattet den vollelektrischen Macan mit neuen Assistenzsystemen und digitalen Features aus. Im Fokus stehen mehr Komfort beim Parken, Laden und Ziehen.

Cover Image for Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Laura Horst  —  

Führende südkoreanische Autohersteller und Batterieunternehmen wollen gemeinsam die Batteriesicherheit verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.