Formel E – die neue Saison 2023

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Jaguar TCS Racing

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Die neue Formel-E-Saison ist gestartet und mit ihr die größte der internationalen Rennserien, die sich aus dem Winterschlaf herausgekämpft hat. Die Saison 2023 brachte mit dem Rennauftakt in Mexiko City nicht nur neue Teams und altbekannte Platzierte, sondern auch die neuen Elektrorennwagen der Generation drei.

Die Formel E geht in ihre neunte Saison und wieder einmal sind die Erwartungen groß – die Verunsicherung jedoch nicht minder. Einige große Autohersteller sind mittlerweile aus der Starterliste verschwunden. Marken wie Mercedes, BMW und Audi haben sich mittlerweile verabschiedet – groß ist die Enttäuschung bei keiner der drei großen Premiumhersteller, konnte die Formel E die in sie gesetzten Erwartungen in Sachen Image und Technologietransfer doch nicht erfüllen. Porsche ist ebenso im Starterfeld verblieben wie DS, Nio, Nissan, McLaren oder Mahindra und mit Cupra sowie Maserati gibt es zwei neue Hersteller, die etwas überraschend ihr Glück in der weltweiten Elektroserie versuchen wollen. Das erste Rennen der neuen Saison fand in Mexiko City rund um das Baseball-Station Foro Sol mit seiner einzigartigen Motodrom-Atmosphäre statt.

FIA Formel E von Beginn an spannend!

Wie schon in den vergangenen Jahren kann man der Formel E kaum vorwerfen, dass es bei den Rennen nicht spannend zugeht. Bestes Beispiel hierbei das Auftaktrennen zur Saison 2023 am Wochenende, das Jake Dennis von Avalanche Andretti vor dem Vorjahressieger Pascal Wehrlein von Porsche und dem Formel-E-Urgestein Lucas die Grassi für sich entscheiden konnte. Das Rennen war gerade zu Beginn mit zahlreichen Unfällen und Pace-Car-Phasen spannend und abwechslungsreich. Die insgesamt 40.000 Zuschauer konnten sich daher über entsprechende Unterhaltung nicht beschweren.

Porsche kann im Gegensatz zu den meisten anderen Marken mit dem Rennauftakt zufrieden sein, denn nicht nur die eigenen Rennwagen konnten sich vorne platzieren; auch Andretti ist mit Porsche-Antrieben unterwegs und so lagen vier Porsche unter den ersten sieben Fahrzeugen. „Aus der ersten Reihe zu starten und dann mit so viel Vorsprung zu gewinnen, mit einem Porsche-Doppelsieg, da ist ein großes Lob an mein Team fällig“, so Sieger Jake Dennis, „diese Autos sind körperlich so schwer zu fahren, und mit abnehmendem Grip wird alles noch schwieriger. Jetzt ist Zeit für etwas Tequila mit dem Team, ein unglaubliches Rennen.“ Weniger erfreulich verlief das Rennen gerade für die neuen Teams, die sich nicht im Vorderfeld in Szene setzen konnten.

2023: Mehr Leistung und höhere Geschwindigkeiten

Die Rennwagen der Generation drei sind nicht nur optisch, sondern auch technologisch ein großer Schritt in die elektrische Zukunft. Die Rennwagen sind mit einem neuen Einheitschassis unterwegs, das die FE18-Karosserie – seit der Saison 2018 unterwegs – ablöste. Gab es bei den Rennwagen der Vorsaison als Standardleistung 220 kW / 299 PS und standen im sogenannten Attack-Mode 250 kW / 340 PS zur Verfügung, so leisten die neuen Antriebe maximal 350 kW / 476 PS. Im Rennmodus sind es immer noch 300 kW / 408 PS. Damit sind Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h drin und so kommt die Formel E erstmals in Temporegionen der Formel 1, wo die Fahrzeuge je nach Rennstrecke bis zu 350 km/h schnell sind.

Die Modelle der neuen Generation haben erstmals Generatoren an der Vorder- und Hinterachse, was sich insbesondere in einer besseren Rekuperation bemerkbar machen soll. Eine echte Reibungsbremse gibt es aktuell jedoch noch nicht. Diese kam jedoch schnell wieder ins Gespräch, als es bei den Testfahrten eine Reihe von Unfällen gab und selbst erfahrene Formel-E-Piloten Probleme damit hatten, sich an das neue Auto und insbesondere das Bremsverhalten im Grenzbereich zu gewöhnen.

Die Fahrzeuge sind insbesondere durch einen kleineren Akku nennenswert leichter und somit agiler geworden. Waren die Rennwagen der Generation II noch mit einem 52-kWh-Akkupaket unterwegs, so sind es nun nur noch schmale 38,5 kWh an Kapazität. Heißt, es liegt mehr denn je an den Piloten, mit dem intelligenten Nutzen von Akkupower und einem hohen Rückgewinn von Bremsenergie ebenso schnell wie erfolgreich ins Ziel zu kommen. An der Vorderachse kann mit 350 und an der Hinterachse mit 250 Kilowatt rekuperiert werden.

Vollgepackter Rennkalender – 16 Rennen in Saison 2023

Der Rennkalender ist mit seinen 16 Rennen der Saison 2023 vollgepackter denn je. Bis zum nächsten Rennwochenende der Formel E sind es nicht einmal zwei Wochen. Die Läufe zwei und drei der FIA Formel E-Weltmeisterschaft stehen für den 27. und 28. Januar im saudi-arabischen Diriyah auf dem Plan. Die Rennen in Europa finden in Rom, Berlin und Monaco statt. Dazu kommt ein weiteres Doppelrennen in London. Ansonsten ist der elektrische Rennzirkus der Formel E unter anderem in Hyderabad, Kapstadt, Sao Paulo, Jakarta und Portland unterwegs, ehe der nächste Weltmeister feststeht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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