Ford-Deutschland erhält milliardenschweres Rettungspaket…

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Michael Neißendorfer
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Um die Transformation seines Europa-Geschäfts zu unterstützen und dessen Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu steigern, stellt die Ford Motor Company neues Kapital sowie Mittel für einen umfassenden Businessplan der deutschen Tochtergesellschaft, Ford-Werke GmbH, zur Verfügung, so der Konzern in einer aktuellen Mitteilung. In den vergangenen Jahren hatte Ford in Europa bereits mehrere bedeutende Investitionen getätigt, darunter zwei Milliarden US-Dollar für den Umbau des Werks in Köln für die Fertigung von Elektroautos.

Die neue Finanzierung von bis zu 4,4 Milliarden Euro umfasst demnach eine Kapitaleinlage, um die Schulden der Ford-Werke zu reduzieren. Zuletzt beliefen sich die Schulden von Ford Deutschland auf 5,8 Milliarden Euro. Zusätzlich sollen Mittel für einen mehrjährigen Businessplan bereitgestellt werden, der darauf abzielt, die laufenden Restrukturierungsbemühungen zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Die große Ernüchterung unmittelbar nach dem Kölner Karneval: Dieser Schritt ersetze die 2006 ausgestellte Patronatserklärung der Muttergesellschaft Ford Motor Company und bringe die Unterstützung der Ford-Werke in Einklang mit der anderer Tochtergesellschaften von Ford weltweit. Sprich: Ford Deutschland soll finanziell künftig auf eigenen Beinen stehen können.

„Mit dem neuen Kapital für unsere deutsche Tochtergesellschaft fördern wir die Transformation unseres Geschäfts in Europa und stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit mit einer neuen Produktpalette“, sagte John Lawler, stellvertretender Vorsitzender der Ford Motor Company. „Um langfristig in Europa erfolgreich zu sein, müssen wir auch weiterhin unsere Strukturen vereinfachen, Kosten senken und die Effizienz steigern.“

Lawler fügte hinzu: „Ford bekennt sich mit der Finanzierung klar zu seinem europäischen Geschäft. Gleichzeitig ist es unerlässlich, dass alle Beteiligten – Industrie, politische Entscheidungsträger, Gewerkschaften und Sozialpartner – zusammenarbeiten, um die Zukunft der europäischen Automobilindustrie zu sichern.“ Auch auf die Entscheider in Berlin und Brüssel übt Lawler Druck aus: „Insbesondere brauchen wir eine klare politische Agenda in Europa, die die Akzeptanz von Elektroautos fördert und die Verbrauchernachfrage mit den europäischen Emissionszielen in Einklang bringt.“

„Die Patronatserklärung war etwas Ungewöhnliches, die keine andere Ford-Tochterfirma hatte“, sagte Ford-Deutschlandchef Marcus Wassenberg der Tagesschau zufolge: „Der Wegfall der Patronatserklärung ist ein Schritt zurück zur Normalität und keineswegs Ausdruck von mangelndem Ford-Engagement in Europa – ganz im Gegenteil.“ Die Finanzspritze sei ein Zeichen dafür, „dass die US-Zentrale weiterhin an den Erfolg in Deutschland und Europa glaubt.“

„Ein ganz dreckiger Griff in die Trickkiste“

Die Gewerkschaft IG Metall Köln-Leverkusen hingegen nennt den Vorgang „einen ganz dreckigen Griff in die Trickkiste“, da Ford die Finanzierung des Standorts umstelle und die Patronatserklärung für die deutsche GmbH aufkündigt. „Ohne die seit 2006 bestehende Patronatserklärung wäre eine Insolvenz der Ford Werke GmbH in den nächsten Jahren möglich, wenn die wirtschaftliche Lage sich nicht verbessert und der Mutterkonzern in den USA die Verluste nicht mehr ausgleicht“, so die Gewerkschaft. „So soll auf mieseste Art und Weise Druck auf den Betriebsrat aufgebaut werden, um der geplanten Betriebsänderung zuzustimmen“, heißt es nonchalant in der IG-Metall-Mitteilung.

Das Vertrauen in die Geschäftsführung – die in Köln 2900 Stellen abbauen will – habe die Belegschaft schon lange verloren, jetzt sei auch die letzte Hoffnung auf eine Zukunft für den Standort erloschen. In Deutschland hat Ford eigenen Angaben zufolge noch etwa 15.000 Beschäftigte, knapp 12.000 davon in Köln. An einer „tariflichen Auseinandersetzung“ führe nun kein Weg mehr vorbei. Für den kommenden Samstag hat die Gewerkschaft zu einem Aktionstag aufgerufen.

Quelle: Ford – Pressemitteilung vom 10.03.2025 / IG Metall – Pressemitteilung vom 10.03.2025 / Tagesschau.de – Finanzspritze für kriselnde Ford-Tochter

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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