Faraday Future: Neustart mit China-Van und Krypto

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Faraday Future

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 4 min

Faraday Future war vor einigen Jahren der große Star einer anscheinend wild durchstartenden Elektroszene. Doch das chinesisch-amerikanische Start-Up aus Gardena / Kalifornien konnte die bunten Ankündigungen nicht erfüllen und befindet sich seither in der Duldungsstarre. Der sogenannte Futurist Day am 19. September soll den Neustart der Marke bilden – und den neuen Elektrovan FX Super One auf die Straße holen, der eigentlich ein China-Van ist.

Stolz präsentierte Faraday Future auf der CES des Jahres 2017 seinen FF 91, mit großer Las-Vegas-Show und unter den Augen einer staunenden Technik- und Autoszene. Fraglos war der FF 91 der große Star der CES 2017 – und dabei blieb es bis heute. Die amerikanischen Chinesen wollten mit ihrem 5,25 Meter langen Elektro-Crossover mit seinem imposanten 1050 PS nicht mehr als die Mobilität der Zukunft erfinden. 700 Kilometer Reichweite, 500 Kilometer Akkuladung in einer Stunde und ein Preis weit jenseits der 100.000 Dollar ließen für das an sich 2018 geplante Serienmodell jedoch viele Frage offen – auch weil die Fabrik in Nevada nicht einmal im Rohbau stand.

Der mutig gestylte FF 91 präsentierte sich bestens vernetzt und überraschte die Autoszene mit einem Ökosystem, das sich per Smartphone, Stimme und Berührung intuitiv bedienen lassen sollte – inklusive künstlicher Bordintelligenz. „Er lernt, wann der Fahrer sportlich unterwegs sein möchte, wann es betont komfortabel sein soll und welche Temperatur er bevorzugt“, erläuterte Faraday-Entwicklungsexperte Dr. Hong Bae stolz bei der Technikschau am Las Vegas Strip, „einen Schlüssel gibt es nicht mehr.“

Das Start-Up-Unternehmen wilderte ebenso aggressiv wie publikumsträchtig im Automobilmarkt der Premium- und Luxusklasse, warb bei Konkurrenten wie BMW, Audi sowie Jaguar qualifizierte Mitarbeiter ab und bleibt bis heute viele Fragen schuldig. In Interviews schwärmte Chef-Entwickler und Mitbegründer Nick Sampson von neuen revolutionären Geschäftsmodellen, vom Erwerb von Mobilitätsguthaben anstatt eines neuen Autos oder von Filmen, die gekauft und geschaut werden, wenn das Auto autonom zum Ziel fährt. Doch auch milliardenschwere Finanzspritzen reichten bisher nicht, ein Faraday-Serienmodell auf die Straße zu bekommen. Die Marke schlief ein und verschwand aus den internationalen Schlagzeilen. Autos auf der Straße? Fehlanzeige.

Vor kurzem gab Faraday Future bekannt, dass man daran arbeite, aus der aktuellen Firma Faraday Future Intelligent Electric Inc. die Krypto-Flywheel-Vermögenswerte in ein separates, börsennotiertes Unternehmen auszugliedern. Die Ausgliederung solle darauf abzielen, zwei unabhängige börsennotierte Systeme zu etablieren – FFAI und ein neues Unternehmen mit Schwerpunkt auf dem Krypto-Flywheel, die unabhängig voneinander operieren und gleichzeitig strategische Synergien bilden werden. „Die Trennung und Börsennotierung der Geschäftsbereiche Crypto & C10 und Krypto-Assets markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Entwicklung des Unternehmens”, sagt YT Jia, Gründer und Global Co-CEO von FF, „wir etablieren einen zweiten Wachstumsmotor und stellen gleichzeitig sicher, dass unser Kerngeschäft EAI EV Flywheel weiterhin im Fokus steht, um die Produktlieferung und Marktexpansion zu beschleunigen.”

Ein Luxusvan soll es nun richten

Doch Faraday Future will sich aus dem reinen Fahrzeuggeschäft noch nicht endgültig verabschieden. Nachdem der FF 91 es bisher nicht in den realen Serienbetrieb schaffte, hoffen die Verantwortlichen nunmehr auf den Faraday X Super One, einen elektrisch angetriebener Familienvan, von dem es speziell in Asien bereits eine ganze Reihe von Wettbewerbern gibt. Der FX Super One wird im rund 100.000 Quadratmeter großen Werk Hanford / Kalifornien gefertigt und ist bei genauerem Hinsehen ein alter Bekannter, denn der Van wurde von Faraday Future nicht neu entwickelt, sondern ist ein Lizenzbau des chinesischen Herstellers Great Wall Motors, der Komponenten und Module von China nach Kalifornien importiert.

So wird aus dem im Frühjahr erstmals vorgestellten Businessvan Wey Gaoshan der 5,28 Meter lange FX Super One. Während der MPV aus dem GWM-Konzern – auf einigen Märkten auch als Wey 80 angeboten – bei umgerechnet rund 37.000 Euro (310.000 RMB) beginnt, dürfte der Faraday-Ableger rund 100.000 US-Dollar kosten.

Verfügbar mit sechs- oder sieben Sitzplätzen oder als echtes Luxusmodell für Stars und solche, die es werden wollen, soll der ungewöhnlich zahm aussehende Van allen nur erdenklichen Luxus im Innern bieten. Auffällig ist statt des normalen Gaoshan-Kühlergrills ein großes überdimensionales Farbdisplay, mit dem der mutierte FX Super One mit seiner Außenwelt kommuniziert. Reservierungen werden für überschaubare 100 US-Dollar bereits angenommen, wobei die Fahrzeugvariante vor Produktionsbeginn noch gewechselt werden kann. Bisher sollen mehr als 10.000 Vorbestellungen eingegangen sein.

Faraday Future

Das besondere an dem Familien- und Businessvan sind weder das Platzangebot noch der exklusive Innenraum mit den obligatorischen Luxussesseln oder der elektrische Allradantrieb, sondern die aus sechs Modulen bestehende Technologie-Plattform, die Betriebssystem, Mechanik, Hardware sowie Cloud mit einer künstlichen Intelligenz vernetzt. Nach der jüngsten 300-Millionen-Dollar-Investition und weiteren 105 Millionen an Unterstützung im Vorlauf sollen in dem Faraday-Werk südlich von Fresno pro Jahr 30.000 Fahrzeuge vom Band laufen können. Je nach Nachfrage könnte hier auch der in die Jahre gekommene FF 91 gefertigt werden – falls dieser überhaupt noch einmal auf die Räder kommt.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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