Faraday Future: Börsengang per Fusion, Geely Investor und Auftragsfertiger?

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Faraday Future

Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 4 min

Der chinesische Autohersteller Geely soll Medienberichten zufolge ein Ankerinvestor bei Faradays Futures Plan sein, via Reverse-Merger an die Börse zu gehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet. Für diese spezielle Transaktion fusioniert das Elektroauto-Start-up mit einem bereits börsennotierten Mantelunternehmen, bezeichnet SPAC, für Special Purchase Acquisition Company. Faraday Future selbst nannte Geely nicht als Investor, sondern verwies lediglich darauf, einen der „Top-3-OEM aus China“ für das Vorhaben gewonnen zu haben.

Der Deal, der laut Faraday Future bereits abgeschlossen ist, würde das E-Auto-Start-up einer eigenen Aussage zufolge mit rund 3,4 Milliarden US-Dollar bewerten, umgerechnet gut 2,8 Milliarden Euro. Bei Faraday Futures SPAC handelt es sich dem Unternehmen zufolge um die Property Solutions Acquisition Corp. (PSAC) , welche zur Unterstützung des Börsengangs mehr als 400 Millionen Dollar (330 Millionen Euro) an Eigenkapital einbringen werde. Das kombinierte Unternehmen werde unter dem Tickersymbol „FFIE“ an der Nasdaq-Börse in den USA notiert. Geely wiederum soll Reuters zufolge 775 Millionen US-Dollar (640 Millionen Euro) für den geplanten Börsengang locker machen.

Produktion des FF91 soll innerhalb von zwölf Monaten starten

Von dem Börsengang erhofft sich Faraday Future einen Bruttoerlös in Höhe von einer Milliarde Dollar (etwa 830 Millionen Euro), welche in die Produktionsvorbereitungen des ersten Faraday-Serienmodells FF 91 fließen sollen. Mit dem Marktstart seines Luxus-Elektroautos FF 91 lässt das US-Start-up weiterhin auf sich warten. Ursprünglich hatte Faraday Future den Marktstart für das Jahr 2019 vorgesehen. Der FF 91 soll nun innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss der Fusion auf den Markt kommen.

Faraday Future plane zudem, ein neues Werk in China zu errichten und Geely als Partner für Auftragsfertigungen zu gewinnen, teilten Quellen Reuters am Montag mit. Auch Faraday spricht in seiner Mitteilung davon, für ein neues Werk bereits eine strategische Vereinbarung mit einer „wichtigen chinesischen Stadt“ getroffen zu haben. Es wäre Faradays zweite Produktionsstätte: Das Unternehmen hat bereits ein Werk in Kalifornien errichtet. Für das Werk in China sei zunächst eine jährliche Produktionskapazität von 100.000 Fahrzeugen vorgesehen. Außerdem soll Faraday Future an seinem China-Standort ein Forschungszentrum planen.

„Wir freuen uns, diese Partnerschaft mit PSAC einzugehen. Dies ist ein wichtiger Meilenstein in der Transformation unseres Unternehmens, den wir mit starkem Engagement unserer Mitarbeiter, Lieferanten und Partner in den USA und China sowie in der Stadt Hanford, Kalifornien, erreicht haben.“ – Dr. Carsten Breitfeld, Global CEOvon Faraday Future

Faraday Future ist ein einzigartiges und differenziertes Elektroautounternehmen mit bedeutenden Wachstumsperspektiven für die Zukunft“, kommentiert Jordan Vogel, Co-CEO und Chairman von Property Solutions den Deal. Er glaube fest „an das exzellente Managementteam unter der Leitung von Dr. Breitfeld und an die branchenführende Technologie“. Mit Hilfe der Fusion könne Faraday Future nun „sein wahres Wachstumspotenzial erreichen“.

FF hat bereits ein starkes Portfolio für disruptive Technologien aufgebaut, die durch fast 900 angemeldete oder erteilte Patente für seine Variable Platform Architecture (VPA), sein Antriebssystem und seine Technologien für künstliche Intelligenz weltweit geschützt sind. Einem Bericht von Randolph Square IP zufolge, einem Patentdatenanalyseunternehmen, übertrifft das Patentportfolio von FF das etablierter OEMs bei weitem- Die VPA ist eine modulare, skateboardähnliche Plattform, die für verschiedene Motor- und Antriebsstrangkonfigurationen ausgelegt werden kann. Dieser flexible modulare Aufbau ermöglicht eine Reihe von Verbraucher- und Nutzfahrzeugen und die schnelle Entwicklung mehrerer Fahrzeugprogramme, um Kosten wie auch Markteinführungszeiten zu reduzieren.

Zwei weitere Modelle bereits in Planung

Faraday Future gab auch einen weiteren Ausblick auf das geplante Fahrzeugportfolio: Dem Luxus-Stromer FF91 sollen zwei erschwinglichere Modelle für den Premium-Massenmarkt folgen. Der FF81 im Jahr 2023 und der FF71 ein Jahr später. In den kommenden fünf Jahren will Faraday insgesamt mehr als 400.000 Elektroautos produzieren und ausliefern. Zusätzlich zu den drei Pkw-Modellen plant FF auf Basis seiner VPA-Architektur die Einführung eines Smart Last Mile Delivery genannten Elektrotransporters im Jahr 2023. Auch hierbei prüfe Faraday neben einer bereits feststehenden Partnerschaft mit einem Auftragsfertiger in Südkorea die Möglichkeit zusätzlicher Produktionskapazitäten in China durch ein Joint Venture.

Reuters zufolge könnte die maßgebliche Beteiligung eines chinesischen Unternehmens an dem Start-up aus den USA ein früher politischer Test für die neue Regierung des US-Präsidenten Joe Biden sein, da in Washington die Besorgnis über die Auswirkungen des technologischen Aufstiegs Chinas auf die nationale Sicherheit zunehme.

Quelle: Faraday Future – Pressemitteilung vom 28.01.2021 / Reuters – China’s Geely to help bankroll Faraday Future SPAC deal / Electrive – Faraday Future plant angeblich Werk in China

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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